Fluktuation und Abfindungen: BMW will weltweit 8.000 Jobs abbauen

29.07.2026 12:51 Uhr | Lesezeit: 3 min
Milan Nedeljkovic
"Mir ist bewusst, dass die nächste Zeit von uns allen viel abverlangen wird", sagt BMW-Chef Milan Nedeljkovic.
© Foto: BMW

Jetzt erwischt es auch die Münchner: Als letzter deutscher Autokonzern legt BMW ein großes Stellenabbauprogramm auf. Ein erheblicher Teil davon dürfte Deutschland betreffen.

Weltweit sollen bei BMW rund 8.000 Jobs wegfallen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen erfuhr. Der Stellenabbau soll über natürliche Fluktuation sowie ein Abfindungsprogramm auf freiwilliger Basis in Deutschland erfolgen.

Das Abfindungsprogramm soll von Oktober 2026 bis Ende 2027 laufen und sich an alle Mitarbeiter in Deutschland außerhalb der direkten Produktion wenden. Da mehr als die Hälfte der knapp 154.000 BMW-Mitarbeiter in Deutschland tätig ist, zum Halbjahr waren es gut 84.000, und hier auch das Abfindungsprogramm aufgelegt wird, ist es wahrscheinlich, dass am Ende auch mehr als die Hälfte der betroffenen Stellen auf Deutschland entfällt. BMW äußerte sich zunächst nicht zu den Plänen.

Dass BMW ein Stellenabbauprogramm bevorsteht, darüber wird seit Mitte Juni spekuliert. Damals hatte der nur einen Monat zuvor vom Produktionsvorstand zum Konzernchef aufgestiegene Milan Nedeljkovic eine deutliche Gewinnwarnung aussprechen müssen. Seinerzeit hieß es zudem, dass der Konzern "die laufenden Kostensenkungen durch weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen intensivieren und beschleunigen" werde.

"Viel abverlangt"

 BMW äußerte sich zunächst nicht zu den Plänen. Laut Teilnehmern an einer Betriebsversammlung, in der die Pläne vorgestellt wurden, sagte der seit Mitte Mai amtierende neue Konzernchef Milan Nedeljkovic: "Mir ist bewusst, dass die nächste Zeit von uns allen viel abverlangen wird. Doch wir müssen sicherstellen, dass unser Unternehmen wieder profitabler und wettbewerbsfähiger wird." BMW werde "auf allen Managementebenen Organisationseinheiten zusammenführen und mehr Verantwortung in die Hände der wertschöpfenden Bereiche geben", sagte Nedeljkovic. "Nur so kehren wir wieder zu dem zurück, was BMW immer ausgezeichnet hat: Unternehmerisches Handeln mit hoher Eigenverantwortung."

Dass BMW ein Stellenabbauprogramm bevorsteht, darüber wird seit Mitte Juni spekuliert. Damals hatte Nedeljkovic - nur einen Monat nach seinem Aufstieg vom Produktionsvorstand zum Konzernchef - eine deutliche Gewinnwarnung geben müssen. 

Sechs Wochen relativ geräuschlose Gespräche

Der Gesamtbetriebsrat hatte damals "unverzügliche und verbindliche" Gespräche gefordert. Diese sind nun binnen sechs Wochen offenbar abgeschlossen, BMW-typisch nach außen hin eher geräuschlos. Bei der Bekanntgabe des Personalstrukturprogramms sollen dem Vernehmen nach sowohl der Betriebsratsvorsitzende Martin Kimmich als auch Nedeljkovic sprechen.

Das Abfindungsprogramm in Deutschland soll dem Vernehmen nach nicht selektiv sein. Es steht also allen Mitarbeitern außerhalb der Produktion offen, insgesamt einigen Zehntausend Menschen.

Wie viel BMW sich den Jobabbau kosten lässt, ist noch nicht ganz klar. Die Belastungen sollen früheren Aussagen zufolge erst im zweiten Halbjahr zu Buche schlagen. In einem Kapitalmarkt-Call im Juni hatte Finanzchef Walter Mertl klargemacht, dass es im Zuge der Restrukturierung Einmalbelastungen von rund einer Milliarde Euro geben werde. Es blieb aber offen, ob diese Summe komplett in den Personalabbau fließt. Auch zur Höhe der geplanten Einsparungen waren zunächst keine Zahlen zu erfahren.

Lange ohne Abbauprogramme

Lange war BMW der letzte große deutsche Autohersteller, der ohne großes Stellenabbauprogramm auskam. Volkswagen, Mercedes, Audi und Porsche hatten bereits im vergangenen Jahr Stellenstreichungen angekündigt, teilweise in deutlich größerem Umfang. Und im VW-Konzern wird bereits um die zweite Runde der Kürzungen gerungen, mit Zahlen, die in die Zehntausende gehen. Erst diese Woche hat die Tochter Porsche mit dem Wegfall weiterer 5.000 Jobs den Anfang gemacht. Auch die großen Zulieferer bauen Personal ab.

Die gesamte deutsche Autoindustrie leidet derzeit unter dem Einbruch des chinesischen Marktes und dem dort deutlich gestiegenen Konkurrenz- und Preisdruck. Hinzu kommen die US-Zölle, die immer stärker werdende chinesische Konkurrenz auf dem Weltmarkt sowie die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten auf die weltweite Konjunktur.

Dem kann sich auch BMW nicht entziehen, auch wenn die Münchner zuletzt meist etwas glimpflicher davonkamen als die deutsche Konkurrenz. Auch Nedeljkovic betonte nun, dass man "von einer substanziellen Veränderung der Spielregeln unserer Industrie und damit der Grundlage unseres Geschäftsmodells" spreche. Er kritisierte zudem: "Das ist auch eine Folge marktferner politischer Zielvorgaben. Und weder der Protektionismus noch die gravierenden Marktveränderungen werden wieder verschwinden. Daher müssen wir jetzt - schnell und konsequent - unsere Strukturen und Prozesse verschlanken und unsere Kostenposition deutlich verbessern."

Für das Abfindungsprogramm nennen Unternehmenskreise zudem einen weiteren Grund: Für die Entwicklung der Neuen Klasse hatte BMW viel Geld in die Hand genommen, um einen technologischen Sprung zu schaffen. Dass die Entwicklungskosten danach wieder sinken sollten, hatte der Konzern bereits im vergangenen Jahr betont. Und das umfasst offenbar auch Personal.

Die IG Metall Bayern reagiert relativ zurückhalten auf den Stellenabbau: "BMW reagiert jetzt auf den wegbrechenden Markt in China und arbeitet parallel daran, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte zu stärken", sagt Bezirksleiter Horst Ott. Zudem betont er, dass der Abbau "mit den Instrumenten der Betriebsparteien" geschehe und tarifvertragliche Regelungen nicht zur Disposition stünden.

Die Belegschaft schrumpfte schon vor dem Abbauprogramm

Ein Rückgang der Belegschaft hat bereits vor dem jetzt angekündigten Abbau eingesetzt: Von Mitte 2025 bis Mitte 2026 sank die Zahl der Mitarbeiter um rund 2.000. Auch die Jahresprognose für 2026 hatte einen leichten Rückgang vorgesehen. Beispiellos ist der Jobabbau bei BMW nicht. Anfang 2008 hatte der damalige Konzernchef Norbert Reithofer einen Stellenabbau in ähnlicher Größenordnung angekündigt. Bis Ende 2010 schrumpfte die Belegschaft dann sogar um mehr als 10.000 Mitarbeiter auf damals 95.000. Danach ging es allerdings wieder steil nach oben. Dass das erneut gelingen wird, erscheint angesichts der aktuellen Prognosen für die deutsche Autoindustrie eher unwahrscheinlich.

Halbjahreszahlen am Donnerstag

Wie es finanziell um BMW steht, muss der Konzern am Donnerstag erklären. Dann legt das Unternehmen seine Halbjahreszahlen vor, die ersten, an denen Nedeljkovic zumindest einen kleinen Anteil als Konzernchef hat. Die Gewinnwarnung im Juni, die zuletzt sinkenden Absatzzahlen und die bereits vorliegenden Zahlen der deutschen Konkurrenten machen dabei wenig Hoffnung auf positive Nachrichten.

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