BikiniART-Museum: Kunst und Kultur am ­Autohof

12.10.2026 08:37 Uhr | Lesezeit: 4 min
BikiniART-Museum: Kunst und Kultur am ­Autohof
Das BikiniART-Museum – das weltweit erste Museum zur Geschichte von Bademode und -kultur.
©Foto: Florian Busch

Das BikiniART-Museum bietet einen einzigartigen Einblick in die Geschichte des Kult-Kleidungsstücks - und das auf dem Gelände eines Autohofs.

Der Autohof Bad Rappenau Nord bietet alles, was sich Reisende und ­Lkw-Fahrer an der A 6 zwischen dem Walldorfer Kreuz und Heilbronn nur wünschen können: Neben einer Total Energies Tankstelle 175 Parkplätze, Tesla-Supercharger sowie Ladestationen von Ionity und Allego, außerdem ein Fastfood- und ein 24-Stunden-Restaurant mit Biergarten sowie ein Bistro mit Shop und natürlich jede Menge Services für Lkw-Fahrer. Darüber hinaus hält der Autohof zwei Überraschungen parat: ein schickes Hotel mit 97 Zimmern, das Plaza Inn Bad Rappenau, und das BikiniART-Museum – das weltweit erste Museum zur Geschichte von Bademode und -kultur. Beim Betreiber 24-Autobahn-Raststätten gilt der Standort Bad Rappenau wegen seiner Vielfalt als "Flaggschiff" des Unternehmens mit seinen bundesweit 16 Standorten.

Doch wie kommt ein solches Museum in das Gewerbegebiet einer kleinen baden-württembergischen Kurstadt und in die Nähe eines Autohofs? Zum Verständnis muss man ein wenig in das interessante Leben des Initiators und Gründers von 24-Autobahn Raststätten, Alexander Ruscheinsky, und in die Geschichte der Stadt Bad Rappenau eintauchen.

So gingen Männer und Frauen noch vor 100 Jahren zum Schwimmen.
©Foto: Florian Busch

Begegnung in Rio de Janeiro

Den Wunsch, etwas Kulturelles zu schaffen, gab es im Unternehmen nach eigenem Bekunden schon länger. Die Initialzündung für das Museum geht jedoch auf eine Begegnung Ruscheinskys mit einer Brasilianerin namens Alda in Rio de Janeiro zurück. Alda betrieb eine Bademodenfabrik und hegte den Wunsch, ihre glamouröse Vita in Form einer Bikini-Ausstellung zu präsentieren. Die Begegnung mit Alda blieb einmalig, doch zurück in Deutschland begann Ruscheinsky, sich mit dem Thema Bademode zu befassen. Die Idee eines Museums war geboren. Er konnte internationale Experten, Sammler und Zeitzeugen unter anderem aus Rio de Janeiro, Miami, Los Angeles und Paris dafür begeistern. Sie halfen, das Museum mit seinen über 400 Bademode-Exponaten aus der Zeit von 1870 bis heute zu entwickeln und auszustatten.

Entstanden sind über 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf zwei Etagen mit über 170 Kunstwerken und ein Kunstgarten. Am 5. Juli 2020, dem internationalen Tag des Bikinis, konnte das Museum seine Türen erstmals öffnen – exakt 74 Jahre nach der Vorstellung des ersten Bikinis der Geschichte durch Louis Réard in Paris.

Jedes Jahrzehnt hatte seine eigenen Bademoden-Trends.
©Foto: Florian Busch

Regionale Bezüge

"Bad Rappenau war dafür ein sehr passender Standort", so Unternehmenssprecher Severin Schuler. "Die Stadt hat als Kurort einen starken Bezug zum Thema Baden und war früher zudem Heimat von Benger Ribana und Felina, zweier bedeutender Bademodenhersteller. Gleichzeitig waren wir mit Autohof und Hotel bereits vor Ort und konnten das Museum als hochwertige kulturelle Ergänzung in einen bestehenden Standort integrieren."

Damit präsentiert das Museum auch ein Stück Regionalgeschichte, denn das Textilunternehmen Benger Ribana war bis 1983 mit bis zu 600 Beschäftigten einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region. 1928 gehörte Benger Ribana zu den ersten deutschen Herstellern, die Bademode industriell produzierten – damals noch knielange Badeanzüge aus Wollstrick. Selbstverständlich sind einige dieser Exemplare im Museum zu bewundern.

Die zweigeschossige Ausstellungsfläche hält über 400 Exponate bereit.
©Foto: Florian Busch

Kompliziert und lebensgefährlich

Auch andere Markenhersteller wie Triumph oder Naturana lernen die Museumsbesucher kennen - und gelangen schnell zu der Erkenntnis, dass die Geschichte der Bademode weitreichende Einblicke in Kultur, Politik und Gesellschaft der jeweiligen Epochen bereithält. "Die Geschichte ist eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen, Emanzipation und Selbstbestimmung verbunden, reicht aber genauso in Sport, Design und Popkultur hinein", bestätigt Schuler. Am meisten überrasche die Gäste, wie kompliziert und lebensbedrohlich das Baden für Frauen vor etwas mehr als 100 Jahren gewesen sei und welche Hürden Frauen auf dem Weg zum heutigen selbstbestimmten Baden überwunden hätten, so Schuler.

Die Ausstellung umfasst die Badekultur im deutschen Kaiserreich genauso wie Textilvorschriften im Dritten Reich, die volkseigene Produktion in der DDR und schließlich den Siegeszug des Bikinis in Saint Tropez, an der Copacabana und natürlich in Hollywood. Der berühmte Bond-Bikini aus "Dr. No" ist selbstverständlich Teil der Ausstellung. Ein Kaleidoskop aus bunten Exponaten, tollen Geschichten und eindrucksvollen Persönlichkeiten – visionäre Modedesigner und Unternehmer genauso wie emanzipierte Schwimmerinnen und Schauspielerinnen, die für das gekämpft haben, wofür der Bikini - übrigens benannt nach dem Bikini-Atoll – exemplarisch steht: ein freies, selbstbestimmtes Leben.

Der historisch wertvollste Bikini der Welt: Der „goldene Réard“.
©Foto: Florian Busch

Bedeutung für den Standort

"Besonders freut uns das Feedback von Gästen, die sagen, dass ihnen der Besuch neue Sichtweisen eröffnet hat – teilweise auch auf den eigenen Körper und das eigene Selbstbewusstsein", sagt Severin Schuler. Und Gäste kommen viele hierher, aus der Region genauso wie von weit her. "Aufgrund der engen Verbindung zum angrenzenden Autohof und der dortigen Gastronomie bietet der Standort ein Rundumpaket für Reisegruppen, Vereine und private Gruppen oder sonstige Veranstaltungen", so Schuler. "Aus diesem Grund konnten wir schon tolle Events wie Blogger-Flohmärkte, Oldtimer- und Science-Fiction-Treffen oder Wine Tastings durchführen." Damit sei der Standort auch für die Region interessant. Gleichzeitig, so Schuler, erhöhe das Museum die überregionale Wahrnehmung von Bad Rappenau und die öffentliche Wahrnehmung des Standortes. "Dass der 24-Autohof Bad Rappenau Nord immer wieder Kulisse für große Medienproduktionen ist – 2025 etwa für die erste Live-Ausgabe von Joko und Klaas' ,Ein sehr gutes Quiz (mit hoher Gewinnsumme)' – zeigt, welche besondere Strahlkraft dieses Gesamtkonzept inzwischen entwickelt hat."

Auch in Zukunft sollen wechselnde Sonderausstellungen, neue Exponate und Veranstaltungen eine wichtige Rolle für den Standort spielen. Indem Museum, Gastronomie, Hotellerie und Mobilität noch stärker miteinander verbunden werden, soll der Standort weiter an Attraktivität gewinnen. Apropos attraktiv: Bei so viel Bikini-Flair dürfte der Erfolg als gesichert gelten.

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