Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert spricht angesichts des Iran-Kriegs und seiner Folgen von der schwersten fossilen Energiekrise unserer Zeit. "Die Aussage des Chefs der Internationalen Energieagentur, wonach die Welt noch nie eine Unterbrechung der Energieversorgung im derzeitigen Ausmaß erlebt habe, klingt drastisch, stimmt aber", sagte die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) laut Mitteilung.
Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hatte angesichts des Iran-Kriegs und der weitgehend blockierten Straße von Hormus vor einer Zuspitzung der Probleme bei der Ölversorgung gewarnt. "Betrachtet man die drei großen Öl- und Gaskrisen der Vergangenheit, so ist die aktuelle Krise schwerwiegender als die von 1973, 1979 und 2022 zusammen. Wir stehen vor einem großen Energie-Schock, der einen Öl-, einen Gas- und einen Nahrungsmittel-Schock vereint", sagte Birol in Paris der Zeitung "Le Figaro".
«Solange wir an Öl und Gas festhalten, bleiben wir erpressbar»
Kemfert ergänzte: «Es handelt sich um einen multiplen Schock aus steigenden Öl-, Gas- und Nahrungsmittelpreisen, der die Verwundbarkeit unseres Systems schonungslos offenlegt. Wenn zentrale Lieferwege ausfallen und Fördermengen einbrechen, gerät die Weltwirtschaft ins Wanken.»
Dies sei kein einmaliger Ausnahmefall, sondern typisch für ein fossiles Energiesystem, das auf geopolitischen Abhängigkeiten basiert. Strategische Reserven könnten den Druck kurzfristig etwas lindern, lösten aber nicht das Problem. «Solange wir an Öl und Gas festhalten, bleiben wir erpressbar und anfällig für massive Preisschocks», betonte Kemfert.
Die einzige nachhaltige Antwort auf die Krise ist aus Sicht der Energieexpertin klar: «Raus aus fossilen Abhängigkeiten.» Erneuerbare Energien seien der beste Schutzschild - sie müssten nicht importiert werden, seien ausreichend vorhanden und taugten nicht als Erpressungsmittel.