Donnerstag, 23.05.2019
12.03.2019
   

Shell

Autobahnraststätte Leubinger Fürstenhügel

So wird der Leubinger Fürstenhügel bei der Eröffnung 2020 aussehen.

Fürstlich tanken und rasten

An der A71 in Thüringen baut Shell eine neue Tank- und Rastanlage. Der Leubinger Fürstenhügel ist nicht nur nach dem nahe gelegenen Grab aus der Bronzezeit benannt, auch die Architektur richtet sich daran aus.

Zwei Besonderheiten zeichnen die Tank- und Rastanlage Leubinger Fürsten­hügel an der A71 bei Sömmerda in Thüringen aus, die Shell seit dem 1. Oktober 2018 errichtet. Zum einen setzt der Neubau den Siegerentwurf aus einem Architekturwettbewerb um, was für eine Tankstelle eher ungewöhnlich ist. Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) hatte den Wettbewerb 2015 ausgelobt, noch ohne ­einen Konzessionsnehmer zu haben. Erst als die Preisträger feststanden, fand das ­Konzessionsvergabeverfahren statt. Shell bewarb sich mit dem Siegerentwurf und ­bekam den Zuschlag.

Zum anderen, und das ist überhaupt erst der Grund für den Architekturwettbewerb, liegt neben der künftigen Rast­anlage das Fürstengrab von Leubingen, das ­größte erhaltene Fürstengrab der Auntjetitzer Kultur aus der Frühbronzezeit. Die Fürstengräber dieser Kultur hoben sich durch große, weithin sichtbare ­Hügel von den normalen Bestattungen ab. So ist der Leubinger Fürstenhügel nicht nur Namensgeber der Rastanlage, sondern auch Dreh- und Angelpunkt des architektonischen Konzepts.

Neben den funktionalen Anforderungen an eine Raststätte mussten die Planer einen kulturellen Aspekt beachten: „Ein Fußweg führt von der Rastanlage zum Fürstenhügel, den wir als Zeitreiseweg bezeichnen“, erklärt Architekt Jonas Greubel von Mono Architekten. Der Weg wird von Informationstafeln begleitet und vermittelt so die geschichtlichen Hintergründe.

Der Entwurf ist ­interdisziplinär entstanden. Greubel nennt es ein partnerschaftliches Entwerfen von Landschaftsarchitekt, Architekt und Kommunikationsdesign, das den Zeitreiseweg und eine zusätzliche ­Ausstellung in der Rastanlage begleitet. „Schon im Wettbewerb haben wir immer eng als Team zusammengearbeitet, um die Architektur ganz auf den Hügel auszurichten“, betont er. So ist der Siegerentwurf nun ein individuelles Konzept für genau diesen Standort.

Fürstenhügel im Mittelpunkt

Die Rastanlage selbst ist ein langgestreckter Baukörper, der als Winkel ausgerichtet ist. Der eine Schenkel ist eine 45 Meter lange Stahlkonstruktion, unter der sich ohne weitere Stützen die Zapfanlagen befinden. Im Winkel selbst befindet sich der Shop. Der zweite Schenkel knickt leicht von der Autobahn weg, damit er zum Fürstengrab hin ausgerichtet ist. Dort liegen alle Funktionsanlagen der Raststätte wie ­Toiletten, der Gastraum und auch der Raum mit der Ausstellung über das Grab.

Das Dach ist über ­­den Zapfsäulen ein Flachdach, auf dem zweiten Schenkel entwickelt es sich ­ansteigend zu einem klassischen Giebeldach. So steigert sich auch die Raumhöhe vom Shop zum Gastraum auf bis zu acht Meter.

Der Architekt beschränkt sich in ­einer „relativ reduzierten Architektursprache“ auf zwei wesentliche Materialien: „Die ­Außenhaut ist eine ungleichmäßig gefaltete Aluminiumfassade. Das Dach und die Fassade sind einheitlich aus Aluminium, sodass das Gebäude wie aus einem Guss aussieht“, erklärt Greubel. Das war ihm wichtig, da man von dem erhöhten Grabhügel aus auf die Raststätte herunterblicken kann. Den Gästen soll von der Anlage wie vom Hügel aus eine Atmosphäre der Ruhe vermittelt werden, während sich zugleich die Architektur der Rastanlage gegenüber dem historischen Fürstenhügel zurücknehmen soll.

Im Innenbereich sind alle öffentlichen Räume mit Holz ausgekleidet. Auf diese Weise schafft der Architekt einen ­bewussten Kontrast zwischen außen und innen. Der Gastraum hat eine durchgehende Glasfassade, damit der warme Holzton schon von außen eine gewisse Einladung ausspricht und eine Wohlfühlatmosphäre schafft. „Die Leute sollen ja länger bleiben und sich am besten mit dem Fürstenhügel und ­seiner Geschichte beschäftigen“, sagt Greubel.

State of the Art für Shell

Die unternehmerische Zielsetzung von Shell für dieses Projekt ist, einen zukunftsweisenden Beitrag zur Mobilitäts- und Baukultur zu leisten, erklärt Pressesprecherin Cornelia Wolber. „Die Reisenden und Rastenden können sich versorgen, erholen und sogar, aufgrund der Spezifik des Standortes, auch etwas über die Region und deren Geschichte lernen und durch die platzierten Stelen des Zeitreiseweges erleben.“

Das Konzept soll den regionalen Ansatz vertiefen und einen starken Bezug zur Geschichte herstellen. „Damit sollte die Verbindung Region und Bau stärker als an anderen Standorten ausgeprägt sein“, vermutet Wolber. Der Leubinger Fürstenhügel soll einen neuen State of the Art, ein Flaggschiff des Mineralölunternehmen dar­stellen. „Wir investieren an diesem Standort in alle aktuell möglichen Antriebsarten“, betont Wolber. Die ­Station ist mit drei Pkw-, zwei Lkw- und einer LPG-Zapfsäule sowie Adblue-Tankmöglichkeiten an allen Lkw- und einer Pkw-Zapfsäule und drei Elektroladesäulen geplant. H2 und LNG seien prinzipiell für die ­Zukunft denkbar und vom verfügbaren Platz auch nachrüstbar. Am Leubinger Fürstenhügel bleiben spätestens dann keine Wünsche mehr ­offen.

(Autorin: Julia Richthammer; Der Artikel erschien im Sonderheft Bauen 2019)

 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

Glücklicherweise überfallen immer weniger Ganoven Tankstellen
21.05.2019

Statistik

Etwas weniger Tankstellenüberfälle im Südwesten

Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) ist die Zahl der Überfälle auf Tankstellen in Baden-Württemberg 2018 von 78 auf 73 zurückgegangen. Auch die Aufklärungsquote ist leicht gestiegen. + mehr

Norbert Kumor, Leiter Convenience bei Westfalen
21.05.2019

Personalie

Westfalen-Gruppe verabschiedet Norbert Kumor

Der langjährige Leiter Convenience verabschiedet sich nach 22 Jahren bei dem Münsteraner Familienunternehmen in den Ruhestand. + mehr

21.05.2019

Elektromobilität

Eon steckt Milliarden in Netzausbau

In einer Studie hat der Energieversorger jetzt den Investitionsbedarf für die vollständige Umstellung auf elektrische Autos errechnet. Der Umbau der eigenen Netze dürfte kaum spürbar sein. + mehr

zur Startseite

Systeme 2018

Sprit+ Spezial Systeme 2018

Bezahl- und Automationsprozesse

Das Sonderheft bietet mit den beiden Schwerpunktthemen Tankautomaten und Bezahlmöglichkeiten echten Nutzwert. + mehr

Innovation Tankstelle 2018

Innovation Tankstelle 2018

Neuheiten rund um die Station

Alle Branchendienstleister, Hersteller und Verbände auf einen Blick im Sonderheft von Sprit+. + mehr

Aktuelle Ausgabe

Sprit+ 5/2019

Sprit+
versorgt Sie einmal im Monat mit Informationen rund um die Tankstellenbranche. + mehr

Tankstellennetze 2019

Sprit+ Spezial Tankstellennetze

Mineralölgesellschaften in Deutschland

Was haben die wichtigsten Akteure im Markt 2019 vor? + mehr

Gabler Wirtschaftslexikon

Gabler Wirtschaftslexikon

Wissen für Experten

25.000 Stichworte. Qualitätsgeprüft. Frei verfügbar. + Zum Wirtschaftslexikon