Fakten statt Verbote: Tabakkonsum unter Jugendlichen langfristig rückläufig

03.06.2026 09:29 Uhr | Lesezeit: 4 min
E-Zigarette mit Rauch
Der Begriff "Raucher" schließt zunehmend auch E-Zigaretten und andere Nikotinprodukte ein.
© Foto: Roland Mey/Pixabay

Das Statistische Bundesamt und das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG) haben Daten zum Rauchen und Nikotinkonsum in Deutschland veröffentlicht. Die Daten bestätigten insgesamt einen langfristig rückläufigen Trend.

Angesichts wiederholter Forderungen aus Politik und Verbänden nach deutlichen Tabaksteuererhöhungen und neuen Verboten für Tabak- und Nikotinprodukte empfiehlt der BVTE (Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse) eine Versachlichung der Debatte. Anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai haben das Statistische Bundesamt und das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG) Daten zum Rauchen und Nikotinkonsum in Deutschland veröffentlicht. Die Daten bestätigten insgesamt einen langfristig rückläufigen Trend. Anlass für eine neue Verbotsdebatte böten die Zahlen zum Rauchverhalten nicht.

"Für einen Überbietungswettbewerb der Verbotsbefürworter fehlt eine belastbare Grundlage", erklärte BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke: "Stattdessen müssen die Zahlen des Bundesinstituts und des Mikrozensus sachlich und ohne Schaum vor dem Mund bewertet werden, um eine echte Stärkung des Jugendschutzes zu erreichen."

Was sind "Raucher"?

Die aktuellen Mikrozensus-Daten des Statistischen Bundesamts zeigen einen Rückgang des Raucheranteils unter Minderjährigen (15 bis 17 Jahre) auf 5,0 Prozent im Jahr 2025. Die sogenannte Drogenaffinitätsstudie des BIÖG zeichnet ein ähnliches Bild, auch wenn die ausgewiesene Raucherquote etwas höher liegt: 7,9 Prozent der 12- bis 17-Jährigen gaben hier an, in den letzten 30 Tagen geraucht zu haben (2023: 7,4 Prozent). Einen deutlicheren Anstieg auf 9,6 Prozent registrierte das BIÖG beim Anteil der Minderjährigen, die sich selbst als Raucher einstufen. Dies deutet darauf hin, dass der Begriff "Raucher" von Jugendlichen heute nicht mehr ausschließlich mit dem Konsum von Tabakzigaretten verbunden wird, sondern zunehmend auch E-Zigaretten und andere Nikotinprodukte einschließt.

Zusammenfassend stellt die BIÖG-Drogenaffinitätsstudie sowohl für Minderjährige als auch für junge Erwachsene "insgesamt und langfristig" einen "Rückgang des Konsums von Tabak-Zigaretten und anderen tabak- und nikotinhaltigen Produkten" fest. Das Statistische Bundesamt verzeichnet auch für die Gesamtbevölkerung mit 19,1 Prozent eine im Vergleich zu 2021 nahezu unveränderte Raucherquote.


"Auf dem Schwarzmarkt wird kein Ausweis kontrolliert."

BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke.


"Der reflexartige Ruf nach höheren Steuern und neuer Bevormundung stärkt weder den Jugendschutz noch senkt es die Raucherquote. Gewinner ist der Schwarzmarkt und der Staat verliert die Kontrolle", kritisierte Mücke. Zum Scheitern reiner Verbotsansätze liefert die BIÖG-Studie aktuelle Daten: Obwohl tabakfreie Nikotinbeutel in Deutschland nicht verkauft werden dürfen, konsumierten laut BIÖG 1,9 Prozent der Minderjährigen diese Produkte. "Auf dem Schwarzmarkt wird kein Ausweis kontrolliert", warnte BVTE-Hauptgeschäftsführer Mücke: "Wer den Jugendschutz stärken will, muss den illegalen Handel bekämpfen und bestehende Regeln konsequent durchsetzen, statt immer neue Verbote zu fordern."

Harte, abschreckende Strafzahlungen

Der BVTE empfiehlt zielgerichtete Kontrollen, regelmäßige Testkäufe und gerade in Wiederholungsfällen harte, abschreckende Strafzahlungen, um den Verkauf an Jugendliche wirksam zu unterbinden. Mit einer Regulierung von Nikotinbeuteln würde der Schwarzmarkt mit den dort erhältlichen verbrauchergefährdenden und besonders jugendaffinen Produkten ausgetrocknet. Erwachsene erhielten eine weitere legale, schadstoffarme Alternative, die eine zusätzliche Option für den Rauchstopp eröffne.


Kommentar von Reemtsma

"Die veröffentlichten Zahlen zur Rauchprävalenz unter Jugendlichen verdienen eine sorgfältige und differenzierte Einordnung. Auffällig ist zunächst eine starke Diskrepanz: Während das Statistische Bundesamt für die 15- bis 17-Jährigen eine Raucherquote von 5,0 % ausweist, berichtet das BIÖG für 12- bis 17-Jährige einen Anstieg auf 9,6 % und insbesondere für 16- und 17-Jährige noch deutlich höhere Werte (17,6 %). Diese Unterschiede sind erklärungsbedürftig und verdeutlichen, wie stark solche Ergebnisse von Methodik, Stichprobe, Altersabgrenzung und tatsächlicher Nutzungsdefinition der Produkte abhängen.

Klar ist zugleich: Den vom BIÖG beobachteten Anstieg nehmen wir sehr ernst. Jugendschutz hat für uns als verantwortungsvoller Hersteller seit Langem oberste Priorität und jeder Anstieg verdient Aufmerksamkeit und Konsequenzen. Ebenso wichtig ist jedoch eine objektive Bewertung der Datenlage. Sowohl das Statistische Bundesamt als auch das BIÖG liefern Datengrundlagen, die auf großen Stichproben basieren und damit aus unserer Sicht belastbarere Ergebnisse bieten als methodisch umstrittene Erhebungen wie etwa DEBRA, die auf Basis sehr geringer Fallzahlen in der Vergangenheit noch weitaus höhere Quoten jugendlicher Rauchender ermittelt haben will. 

Gerade deshalb plädieren wir für eine nüchterne, faktenbasierte Diskussion in Politik und Medien. Unterschiedliche Zahlen dürfen nicht zu vorschnellen Schlussfolgerungen führen, etwa in Form drastischer Tabaksteuerhöhungen oder pauschaler Aromen- oder Produktverbote. Denn der Langfristtrend der letzten gut 20 Jahre zeigt: die bestehenden Jugendschutzvorgaben in Deutschland sind wirkungsvoll. Was es jetzt braucht, ist Klarheit statt Verwirrung – und ein gemeinsamer Fokus darauf, den Jugendschutz mit Augenmaß weiter zu stärken.“



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