1. Halbjahr: Tabaksteuer bricht um 15 Prozent ein

22.07.2026 10:12 Uhr | Lesezeit: 4 min
Die Pläne der EU sehen eine grundlegende Änderung der Besteuerungssystematik für Tabakprodukte vor, die insbesondere Zigarren und Zigarillos betreffen würde.
Der BVTE  warnt eindringlich vor weiteren Steuererhöhungen.
© Foto: Dzejdi/iStock/Getty Images Plus

Die aktuellen Zahlen seien ein deutliches Warnsignal. Wenn bereits eine Steuererhöhung um 15 Cent mit einem Rückgang der Tabaksteuereinnahmen von 15 Prozent einhergeht, müsse die Politik die Folgen weiterer drastischer Steuererhöhungen sorgfältig abwägen, so der BVTE.

Nach Daten des Monatsberichts des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) sind die Tabaksteuereinnahmen erneut deutlich eingebrochen. Demnach beliefen sich die Einnahmen aus der Tabaksteuer im ersten Halbjahr 2026 auf 6,792 Milliarden Euro. Das entspricht einem deutlichen Rückgang von 15 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025.

Bereits zum 1. Januar 2026 war die Tabaksteuer um 15 Cent je 20er-Packung Zigaretten erhöht worden. Die Entwicklung der Einnahmen zeigt nach Auffassung des Bundesverbands der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE), dass die Belastungsgrenze des legalen Marktes erreicht ist. Der Verband warnt deshalb eindringlich vor weiteren Steuererhöhungen.

BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke erklärt: „Sowohl der Gesetzentwurf der Bundesregierung als auch die Pläne der Regierungskoalition für eine weitere drastische Erhöhung der Tabaksteuer sind finanzpolitischer Wahnsinn. Die derzeit diskutierte Steuererhöhung von 80 Cent je Packung würde den Preis einer Zigarettenschachtel bereits im kommenden Jahr auf rund 9,10 Euro und bis 2030 auf fast 12 Euro steigen lassen.“

Deutliches Warnsignal

Die aktuellen Zahlen seien ein deutliches Warnsignal. Wenn bereits eine Steuererhöhung um 15 Cent mit einem Rückgang der Tabaksteuereinnahmen von 15 Prozent einhergeht, müsse die Politik die Folgen weiterer drastischer Steuererhöhungen sorgfältig abwägen, so der BVTE. „Wer die Tabaksteuerschraube überdreht, zerstört sichere und stabile Steuereinnahmen und überlässt einen gut überwachten Markt zunehmend der organisierten Kriminalität. Wer in einem bereits stark rückläufigen Markt nochmals drastisch höhere Steuern plant, begeht finanzpolitisches Harakiri. Je höher die Besteuerung ausfällt, desto größer werden die Gewinne der organisierten Kriminalität und desto höher sind die Steuerausfälle“, so Mücke.

Nach Auffassung des BVTE würden derartige Steuererhöhungen den legalen Markt massiv schwächen und weiter Marktanteile an den illegalen Handel verlieren. Die Folge wären eine zunehmende Verlagerung des Konsums auf den Schwarzmarkt, mehr Schmuggel und Produktfälschungen sowie weiter sinkende Steuereinnahmen.

Vier von zehn Zigaretten sind illegal

Dass diese Entwicklung keineswegs theoretisch ist, zeigen nach Auffassung des BVTE die Beispiele Frankreich und Niederlande. In Frankreich entgehen nach einer aktuellen Studie der Zollverwaltung bereits 17,7 Prozent des Tabakkonsums der nationalen Besteuerung. Rund vier von zehn konsumierten Zigaretten stammen inzwischen aus illegalen Quellen. Auch in den Niederlanden ist der grenzüberschreitende Einkauf nach den Steuererhöhungen des Jahres 2024 sprunghaft gestiegen; inzwischen werden rund 60 Prozent der konsumierten Tabakwaren im Ausland gekauft.

Mücke abschließend: „Schon heute ist absehbar, dass der Bund weiter erhebliche Einnahmen aus der Tabaksteuer verlieren wird, weil Verbraucher beliebig hohe Steuersätze nicht akzeptieren. Diese Steuerpolitik ist unverantwortlich. Das entstehende Milliardenloch im Bundeshaushalt ist die Folge einer Gesundheitspolitik, die die Risiken von Schmuggel und Produktfälschungen systematisch unterschätzt.

Der BVTE appelliert an Bundesregierung und Bundestag, die geplanten Tabaksteuererhöhungen grundlegend zu überdenken. Ziel müsse eine verlässliche Fiskalpolitik sein, die stabile Staatseinnahmen sichert, den legalen und streng regulierten Markt erhält und den illegalen Handel nicht weiter begünstigt.

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