"Es ist gut, dass die Bundesregierung Geld in die Hand nimmt, um Ladeinfrastruktur schneller auszubauen. Problematisch wird es aber, wenn mit öffentlichen Mitteln neue Konkurrenz zu marktwirtschaftlich gewachsenen Strukturen geschaffen wird", sagt Daniel Kaddik, Hauptgeschäftsführer des bft. "Wer Mobilität vor Ort stärken will, darf den Mittelstand nicht durch staatlich alimentierte Parallelstrukturen aus dem Markt drängen."
Betreiber investieren eigenes Geld
Bereits heute investieren laut bft zahlreiche mittelständische Tankstellenunternehmen und Energieanbieter in neue Mobilitätsangebote, darunter Ladeinfrastruktur, alternative Kraftstoffe, Shop- und Servicekonzepte. Diese Unternehmen tragen ihre Investitionen in der Regel aus eigener Kraft, unter vollem unternehmerischem Risiko und mit Blick auf die konkrete Nachfrage am Standort. Gerade deshalb sieht der bft die angekündigten Maßnahmen mit gemischten Gefühlen. Wenn kommunale oder anderweitig staatlich geförderte Ladeangebote in direkten Wettbewerb zu privat finanzierten Standorten träten, entstehe eine Schieflage. Der Staat würde dann nicht nur Infrastruktur ermöglichen, sondern aktiv in bestehende Marktstrukturen eingreifen.
"Freie Tankstellen sind seit Jahrzehnten Teil der regionalen Mobilitätsversorgung. Sie verfügen über geeignete Standorte, Kundenfrequenz, Energiekompetenz und unternehmerische Erfahrung. Wer Ladeinfrastruktur ausbauen will, sollte diese Strukturen nutzen und stärken, statt sie zu umgehen", so Kaddik.
Forderung des bft
Der bft fordert die Bundesregierung daher auf, Förderprogramme und regulatorische Maßnahmen konsequent wettbewerbsneutral und mittelstandsfreundlich auszugestalten. Öffentliche Förderung darf nicht dazu führen, dass privatwirtschaftliche Investitionen entwertet werden oder mittelständische Anbieter gegenüber kommunalen Projekten und neuen Marktteilnehmern ins Hintertreffen geraten.
"Die Mobilitätswende gelingt nicht gegen den Mittelstand, sondern nur mit ihm. Deshalb brauchen wir faire Investitionsbedingungen, diskriminierungsfreien Zugang zu Flächen und Förderinstrumente, die bestehende Tankstellenstandorte gleichberechtigt berücksichtigen", betont Kaddik.
Wo Ladeinfrastruktur Sinn ergibt
Aus Sicht des bft ist der Aufbau von Ladeinfrastruktur dort besonders sinnvoll, wo bereits Mobilität stattfindet: an Tankstellen, Verkehrsknotenpunkten und bestehenden Versorgungsstandorten. Dort könnten Ladeangebote wirtschaftlich tragfähig mit Service, Gastronomie, Shop und weiteren Mobilitätsleistungen verbunden werden. Das schaffe Akzeptanz, stärke die Versorgung und verhindere Fehlinvestitionen.
Der Verband warnt daher vor einer Förderpolitik, die neue Strukturen künstlich aufbaut, während bestehende mittelständische Unternehmen um Planungssicherheit und Wirtschaftlichkeit kämpfen. Notwendig sei kein staatlich organisierter Verdrängungswettbewerb, sondern ein verlässlicher Rahmen für private Investitionen.