Freitag, 22.11.2019
11.02.2016
   

Rückblick

Drott, Ziegner, Zieger

Thomas Drott vom BTG, Jürgen Ziegner vom ZTG und Stephan Zieger vom BFT (v.l.) erzählen von ihren schönsten Erlebnissen während ihrer rund 25-jährigen Tätigkeit in der Branche.

Die drei von der Tankstelle

Zusammen können sie fast 75 Jahre Verbandstätigkeit vorweisen: Thomas Drott, Jürgen Ziegner und Stephan Zieger arbeiten so lange für ihre Verbände, wie der tankstellen markt alt ist. Für das Jubiläumsheft blicken sie auf ein Vierteljahrhundert Tankstellenbranche zurück.

Thomas Drott, 53 Jahre, Leiter der Rechtsabteilung beim Bundesverband Tankstellen und gewerbliche Autowäsche Deutschland (BTG):

Was war Ihr schönstes Tankstellenerlebnis in den vergangenen 25 Jahren?
1. Ein sehr verzweifeltes Mitglied rief an und bat um Hilfe. Die MÖG war dabei, das Grundstück zu sanieren. Der Bauleiter der Firma weigerte sich, eine Spundwand zu errichten, weil das nicht in seinem Auftrag stehe. Auf die Gefahr, dass ein benachbartes Sechs-Parteien-Mietshaus dann „in die Grube fallen könne“, reagierte er nur mit einem Schulterzucken. Weder er noch seine Vorgesetzten bei der Baufirma waren von dem Plan, die Grube „einfach so“ auszuheben, abzubringen. Mit einem Anruf in der Rechtsabteilung der MÖG konnte ich helfen. Der dortige Kollege erklärte nach der Sachverhaltsschilderung: „Okay, dann rufe ich die Baufirma mal an und ändere spontan den Auftrag.“
2. Ein Mitglied kam zu einer Besprechung ins Büro, weil er kurz vor den anstehenden Feiertagen – die auch noch ungünstig lagen– keinen Kraftstoff mehr im Tank hatte und bei der MÖG auch niemanden erreichen konnte. Gemeinsam versuchten wir, verschiedene Mitarbeiter der MÖG zu erreichen – ohne Erfolg. Zuletzt fiel mir ein: „Uns bleibt jetzt nur noch die Rechtsabteilung – dort wird immer gearbeitet.“ Gesagt, getan. Nach einem kurzen Telefonat mit dem dortigen Kollegen meldete dieser schon wenige Minuten später, eine
Belieferung werde noch am selben Nachmittag erfolgen.

Fünf Ereignisse, die die Branche in den vergangenen 25 Jahren Ihrer Meinung nach geprägt haben:
1. Anfang der 90er Jahre wurde das Shopgeschäft an den Tankstellen zum Systemgeschäft der MÖG. Die Shops wurden gestreamlined, immer weiter optimiert und einem Franchise- (oder Handelsvertreter-) System immer ähnlicher. 
2. Mitte der 90er Jahre kamen diverse Vorschriften auf, die erhebliche Investitionen nach sich zogen, so zum Beispiel die Gaspendelung (Rückführung der Gase vom Lagertank in den Tankwagen), die Gasrückführung (Rückführung der Gase vom Pkw-Tank via Zapfhahn in den Lagertank) und die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen und über Fachbetriebe (VAwS) der Länder (flüssigkeitsdichte Fahrbahndecken).
3. Diese Investitionen, die noch dazu mit Altlastensanierungen verbunden waren, stellten eine erhebliche wirtschaftliche Herausforderung für die Eigentümer dar, die teilweise auch zu Betriebsschließungen kleinerer Tankstellen führten. 
4. In den 2000er Jahren gab es heftige Preiskämpfe. Die MÖG unterboten sich mit den Verkaufspreisen. Insbesondere die freien Tankstellen, die auf eigene Rechnung ein- und verkaufen, litten unter Nullmargen, ebenso kleinere Mineralölhändler. Der Kraftstoff wurde teilweise unter Einstandspreis verkauft. Dies alles mündete in die Sektoruntersuchung des Bundeskartellamtes, begonnen am 28. Mai 2008 und abgeschlossen im Mai 2011. 
5. Seit circa 2011 haben die MÖG unterschiedliche Preispolitiken. Dies führt zum einen zu sehr häufigen Preisumstellungen, zum anderen dazu, dass die Betreiber einiger MÖG zeitweise bis zu 20 Cent über dem Verkaufspreis benachbarter Wettbewerbstankstellen liegen. Die Konsequenzen dieser Preispolitik bedürfen wohl keiner Erläuterung. In diesem Zusammenhang ist auch die Einführung der Markttransparenzstelle zu erwähnen.
6. Die Einführung des Verhaltenskodex 2015: Es ist erstmalig gelungen, alle Verbände (Betreiberverbände und Verbände der Tankstellengesellschaften) an einen Tisch zu bekommen und ein gemeinsames Papier zur fairen Zusammenarbeit auszuarbeiten und durch eine Schiedsstelle abzusichern.

Jürgen Ziegner, 53 Jahre, Geschäftsführer des Zentralverbands des Tankstellengewerbes (ZTG)

Was war Ihr schönstes Tankstellenerlebnis in den vergangenen 25 Jahren?
„Das“ schönste Erlebnis kann ich nicht benennen, schon deswegen, weil ich nicht viel zurückblicke. Das Reizvolle in dieser Branche und an meiner Aufgabe ist die Vielfältigkeit der Gesprächspartner. Einerseits die Vertreter großer und teilweise sehr komplexer Konzerne, andererseits unsere Mitglieder, die im Wortsinn selbst und ständig Verantwortung für ihre Familie und für ihre Mitarbeiter tragen. Wenn ich Mitgliedern mit meiner Arbeit helfen, ihre Probleme lösen oder zumindest verkleinern kann, macht mir diese Aufgabe auch nach so vielen Jahren immer noch Freude. 

Fünf Ereignisse, die die Branche in den vergangenen 25 Jahren Ihrer Meinung nach geprägt haben:
1. Aufbau des Tankstellennetzes in den neuen Bundesländern
2. Änderung des Ladenschlussgesetzes 1996 (Einführung des Reisebedarfs)
3. Payback bei DEA (mit dem anschließenden Preiskrieg und der späteren Ausbreitung von „Kundenbindungssystemen“ in der Branche)
4. Inkrafttreten der EU-Vertikal-GVO: Seitdem ist der Rechtsrahmen für Bindungen der Pächter im Shopgeschäft ein anderer.
5. Einführung der Markttransparenzstelle

Stephan Zieger, 56 Jahre, Geschäftsführer des Bundesverbandes freier Tankstellen (BFT)

Was war Ihr schönstes Tankstellenerlebnis in den vergangenen 25 Jahren?
Das Praktikum von CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer auf einer BFT-Tankstelle in Lünen: Laurenz Meyer kam, sah und siegte. In den ersten beiden Stunden seines Praktikums war Meyer für sämtliche Fernsehanstalten, Zeitungen und Zeitschriften da. Bei „Bild“ kam Meyer mit der Ankündigung des Praktikums in die Rubrik „Gewinner des Tages“. Meyer hatte sich das Praktikum an der Tankstelle deswegen ausgesucht, weil er beweisen wollte, dass sich auch Einfacharbeitsplätze für Arbeitnehmer bezahlt machen können. In den vier Stunden nachdem die Presse abgezogen war, begann Meyer seinen Fahrbahndienst und bot seine Leistung allen ankommenden Autofahrern an. „Mein Name ist Meyer, ich bin hier die neue Aushilfe. Wie kann ich Ihnen helfen?“ Nicht jeder kannte Laurenz Meyer in Arbeitskleidung und nahm bereitwillig sein Angebot an. „Wenn Sie mit meiner Leistung zufrieden waren, würde ich mich über eine kleine Anerkennung freuen“, beendete Meyer seine Dienstleistung. Und viele waren zufrieden mit Meyers Dienstleistung. Ein gemeinnütziger Verein in Lünen erhielt noch am gleichen Tag aus der Hand von Meyer eine nicht unerhebliche Spende aus den eingenommenen Trinkgeldeinnahmen. Bernd Scheiperpeter und ich durften dieses Praktikum begleiten und hatten einen unterhaltsamen Nachmittag mit einem sehr engagierten Politiker mit einer ganz speziellen Botschaft.

Fünf Ereignisse, die die Branche in den vergangenen 25 Jahren Ihrer Meinung nach geprägt haben:
1. Neustrukturierung/Modernisierungsschub im Tankstellenmarkt durch Einführung von Gasrückführung und flüssigkeitsdichter
Fahrbahn an der Tankstelle.
2. Natürlich als BFTler: Die Einführung des BFT-Zeichens im Jahre 1990/91
3. Preiskampf DEA/Payback 2000/2001
4. Einführung der Markttransparenzstelle
5. Einführung von Biokraftstoffen und anderen alternativen Kraftstoffen an der Tankstelle

(ab)

 

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