Von reaktiv zu autonom: Lichtwart und Orlen über die Tankstelle der Zukunft

28.05.2026 10:41 Uhr | Lesezeit: 4 min
Lichtwart auf der Uniti expo
(v.l.n.r.) Johannes Mailänder, (Mitgründer & Chief Marketing Officer Lichtwart), Simon Annuseit, (Head of Maintenance and Construction bei Orlen Deutschland) und Jackson Bond, (Mitgründer, CSO & Head of Business Development von Lichtwart) hatten eine gemeinsame: Die Zukunft autonomer Tankstellen beginnt nicht mit Technologie – sondern mit operativer Intelligenz.
© Foto: Lichtwart

Wie lassen sich Tankstellenstandorte in Zukunft noch wirtschaftlich und zuverlässig betreiben? Darüber diskutierten Simon Annuseit, Head of Maintenance and Construction bei Orlen Deutschland, sowie Johannes Mailänder und Jackson Bond von Lichtwart.

"Kurze Handzeichen: Wer von Ihnen wurde schon einmal nachts angerufen, weil an einem Standort etwas ausgefallen ist?" Als diese Frage im Rahmen des Vortragsprogramms "International Forum 2026" der Uniti expo gestellt wurde, gingen im Publikum zahlreiche Hände nach oben. Genau dort setzte die Session "The Autonomous Fuel Station“ an – nicht mit einer Produktpräsentation, sondern mit einer Realität, die Betreiber täglich beschäftigt.

Gemeinsam diskutierten Simon Annuseit, Technischer Leiter bei Orlen Deutschland, sowie Johannes Mailänder und Jackson Bond von Lichtwart darüber, wie sich Tankstellenstandorte – unbemannte Automatenstationen sowie klassische Straßentankstellen – künftig intelligenter, effizienter und zunehmend autonom betreiben lassen. Dabei wurde schnell klar: Es ging nicht um die nächste "AI-Schlacht", keine hochkomplexen Technologieprojekte und keine Buzzword-Präsentation. Stattdessen stand eine einfache Frage im Mittelpunkt: Wie lassen sich immer komplexere Standorte in Zukunft überhaupt noch wirtschaftlich und zuverlässig betreiben?

Steigende Kosten, Fachkräftemangel und operative Komplexität

Orlen betreibt allein in Deutschland rund 600 Standorte. Entsprechend groß sind die Herausforderungen im täglichen Betrieb. Steigende Energie- und Betriebskosten, zunehmende regulatorische Anforderungen sowie der Fachkräftemangel setzen Betreiber europaweit unter Druck. Vor allem die technische Betreuung vieler verteilter Standorte wird zunehmend schwieriger. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Verfügbarkeit, Geschwindigkeit und Servicequalität. "The Pump is not working." Dieser Satz fiel auf der Bühne nicht zufällig. Denn genau solche Störungsmeldungen bestimmen vielerorts bis heute den Alltag technischer Teams.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen deshalb weniger einzelne Technologien und Sensoren, sondern drei zentrale operative Fragestellungen:

  • Wie lassen sich Betriebskosten reduzieren?
  • Wie kann man technische Teams entlasten?
  • Wie schafft man mehr Transparenz, Compliance und Kontrolle über komplexe Infrastruktur?

Nahezu Lichtgeschwindigkeit

Bemerkenswert war dabei die Geschwindigkeit der Zusammenarbeit zwischen Orlen und Lichtwart. Kennengelernt hatten sich die Beteiligten erst wenige Monate zuvor auf dem Uniti Tankstellentechnik Forum in Ulm. Aus ersten Gesprächen entstand innerhalb kürzester Zeit ein reales Nachrüstungs-Projekt in Berlin. Vom ersten Kennenlernen bis zur live geschalteten Installation vergingen weniger als drei Monate. Für Konzerne dieser Größe nahezu Lichtgeschwindigkeit.

Für viele Besucher der Session war genau das einer der überraschendsten Momente. Denn statt jahrelanger Konzept- und Plannungsphase entstand ein realer Standort mit
intelligenter Fernüberwachung, automatisierten Prozessen und operativer Transparenz. Und all das mitten im Herzen der Bundeshauptstadt. Die Botschaft dahinter: Nicht irgendwann in der Zukunft. Sondern jetzt sofort.

Berlin als Reallabor für autonome Standorte

Im Zentrum der Session stand deshalb immer wieder der Berliner Standort. Nicht als Hochglanz-Projekt, sondern als reales "Living Lab". Gezeigt wurden echte Vorher-/Nachher-Bilder, reale Betriebsabläufe und konkrete Erfahrungen aus der Umsetzung. Statt theoretischer Visionen ging es um praktische Veränderungen im Alltag:

  • weniger unnötige Servicefahrten,
  • schnellere Reaktionszeiten,
  • bessere Transparenz,
  • geringerer operativer Stress,
  • und mehr Möglichkeiten zur Fernsteuerung technischer Infrastruktur.

Ein kurzer Live-Einblick in das Berliner Dashboard zeigte zusätzlich, wie sich Standorte heute bereits remote überwachen und steuern lassen. Dabei blieb die Session bewusst nah an der operativen Realität. Denn, wie mehrfach auch in den Gängen der Messehallen zu hören: "Nobody wants another dashboard. Operators want fewer problems."

Die Rollenverteilung auf der Bühne war eindeutig: Orlen erklärte das "Warum", Lichtwart zeigte das "Wie". Statt klassischer Unternehmenssprache standen echte Erfahrungen und ehrliche Erkenntnisse im Mittelpunkt. Orlen wurde dabei klar als strategischer Treiber der Entwicklung positioniert, Lichtwart wiederum als technischer Ermöglicher und Umsetzungspartner inklusive Montage.

Dieser Punkt blieb bewusst offen

Ob autonome Tankstellen tatsächlich zum neuen Branchenstandard werden, blieb bewusst offen. Klar wurde jedoch: Erste Betreiber setzen sie bereits praktisch um. Der Vortrag auf der internationalen Bühne der Uniti expo zeigte damit weniger Produkte und Lösungen, sondern vielmehr einen realen Einblick in eine Branche, die sich gerade sichtbar verändert.

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