Studie: Benzindämpfe machen aggressiv

25.11.2009 09:36 Uhr
Benzintropfen, Zapfhahn
Die Auswirkungen von Benzindämpfen auf das menschliche Gehirn sind bisher kaum erforscht
© Foto: ddp

Versuche einer ägyptischen Forscherin zeigen: Benzindämpfe machen Ratten angriffslustiger

London. Tiefes Einatmen beim Tanken ist keine besonders gute Idee: Die vom Benzin aufsteigenden Dämpfe können nämlich aggressiv machen, wie die ägyptische Wissenschaftlerin Amal Kinawy von der Universität Kairo in einer Tierstudie nachwies. Dahinter steckt vermutlich eine durcheinandergewirbelte Hirnchemie. Die Treibstoffausdünstungen machen das Gehirn unter anderem anfälliger für Schäden durch aggressive freie Radikale, vermutet die Forscherin. Außerdem veränderten sie das Gleichgewicht von zwei Botenstoffen in verschiedenen Hirnregionen: Serotonin und Dopamin werden häufig als Glückshormone bezeichnet, weil sie wichtige Rollen in der Regulation von Gefühlen und dem daraus abgeleiteten Verhalten spielen. Benzindämpfe sind also nicht nur krebserregend, sondern auch sehr ungesund fürs Gehirn, schreibt Amal Kinawy im britischen Fachjournal „BMC Physiology“. Für den Versuch beobachtete sie das Verhalten von insgesamt 45 männlichen Ratten über einen Zeitraum von sechs Wochen. 30 Minuten am Tag wurden jeweils 15 der Tiere entweder verbleitem Benzin, bleifreiem Benzin (beides gemischt mit Luft, um die Verhältnisse an einer Zapfsäule zu simulieren) oder reiner Luft ausgesetzt. Anschließend untersuchte sie, ob die Gehirne der Ratten Veränderungen im Vergleich zu Artgenossen zeigten, die keine Benzindämpfe eingeatmet hatten. Die Tiere, die den Benzindünsten ausgesetzt waren, verhielten sich gegenüber ihren Käfignachbarn daraufhin deutlich aggressiver und angriffslustiger als ihre Artgenossen aus der Kontrollgruppe, die frei durchatmen durften. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich um verbleiten oder bleifreien Kraftstoff handelte. Direkt auf den Menschen übertragen werden können die Daten allerdings wohl nicht: Die Mengen, die die Ratten einatmeten, liegen deutlich über dem, was ein Mensch normalerweise beispielsweise an der Tankstelle inhaliert. Trotzdem sollten die Effekte zu denken geben, betont Kinawy. Während die gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Kohlenwasserstoffgemischs bereits ausführlich untersucht worden seien, gebe es kaum ähnliche Studien zu den Effekten von Benzindämpfen auf das Verhalten und die Gehirnchemie. (ag)

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