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Interview: Goldstaub über die Tankstelle

Die Öffentlichkeit kennt Liechtenstein als Mister Supergeil aus der Edeka-Werbung. Dass der Künstler nicht nur für Lebensmittel etwas übrighat, sondern auch für Tankstellen, beweist die Doku-Serie.
© Foto: Gebrueder Beetz Filmproduktion/Konrad Waldmann

Er war das vollbärtige Gesicht der skurrilen Edeka-Werbung: Der Künstler Friedrich Liechtenstein findet aber nicht nur Supermärkte "supergeil“, sondern auch Tankstellen. Deshalb widmete er ihnen eine Dokumentation. // Mit Gewinnspiel


Datum:
08.05.2016
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Herr Liechtenstein, wie kamen Sie auf die Idee, eine Tankstellendoku zu machen?
Ich suche mir gerne Sachen aus, die etwas belächelt werden oder nicht so glamourös sind. Dann versuche ich, diesen Dingen Grandiosität abzuringen. Tankstellen sind für mich tatsächlich ganz tolle Orte, schon bestimmt seit 20 Jahren. Deshalb finde ich, dass sie zu Unrecht schief angeguckt werden. Denn sie sind eigentlich der Anfang der Moderne, vernetzt mit ganz vielen Dingen in den letzten 100 Jahren. Sie sind ein Ort der Verheißung, aber auch der Einsamkeit und ein Ort der Freiheit.

Inwiefern ein Ort der Freiheit?
Ich meine die Freiheit, wenn man mit einem vollgetankten Auto hinfahren kann, wohin man will. Aber auch viele komplexe Zusammenhänge werden im Umfeld der Tankstelle verhandelt: die Moderne, die Zersiedlung, aber auch Schuldfragen wie „wer macht denn die Städte dreckig?“. Außerdem kann man dort sehr viel über die Gesellschaft lernen: Tankstellen sind ein sehr demokratischer Ort. Egal wie teuer dein Auto oder schrottig dein Moped ist, jeder zahlt denselben Preis.

Welche Tankstellen und Orte haben Sie auf Ihrer Reise besucht und warum?
Es gibt viele schöne Design-Tankstellen, aber die tollste ist die von Arne Jacobsen in Kopenhagen, die in den 30er Jahren gebaut wurde. Wenn man jetzt davorsteht, kann man gar nicht glauben, dass es die 30er waren. Wien hingegen ist ein Mekka der Tankstellen: Dort gibt es so viele Tankstellen, Garagen und verschiedene Konzepte wie zum Beispiel das Anschreiben-Lassen und Hausherren-Garagen. Wir mussten dieser Stadt sogar zwei Folgen widmen, weil wir so viel erzählen wollten. Dann ist da noch diese Art Tankstellenstrich in Luxemburg, wo ganz viele Sta­tionen aneinandergereiht sind. Oder in Paris: Die haben gar keinen Platz für ihre Tankstellen und stellen deshalb einfach die Zapfsäulen auf die Bürgersteige. All das wird in dieser Serie besprochen.

Welches Ziel verfolgen Sie mit der Doku?
Meine Absicht war immer die wohlwollende, leichte Verklärung des Themas, ­quasi ein bisschen Goldstaub darüber zu machen. Mal singen, mal tanzen, mal die Leute treffen, damit diese Orte nicht so missachtet werden. Vielleicht hat das zur Folge, dass die Menschen, wenn sie das nächste Mal zur Tanke fahren, nicht einfach nur tanken, bezahlen und wieder wegfahren, sondern mit offenen Augen gucken: Wer ist denn noch hier? Was ­spielen die hier für Musik? Man soll sich ansehen, mit wem man auf dieser Welt ­unterwegs ist.

Wie lange dauerte die Produktion von der ersten Recherche bis zum Dreh?
Wir haben uns zwei Jahre damit beschäftigt. Die Arbeit geht ja noch weiter mit Videos, die im Internet veröffentlicht werden, Konzerten, Interviews.

Neben der zehnteiligen Serie auf Arte soll noch ein Film beim ORF laufen. Ist das nur ein Zusammenschnitt der Doku?
Die Konzepte müssen noch im Schneideraum getestet werden. Aber der Film soll eine andere Fährte aufnehmen. Er hat eine größere Stringenz und auch letztlich mehr mit mir zu tun, mit meiner ganz persönlichen Sicht auf dieses Drama der Tankstellen. Der Zuschauer kann sich meine „Obsession“ anschauen: Warum macht der Liechtenstein das eigentlich?

Welche Tankstelle im deutschsprachigen Raum war Ihre liebste beim Dreh?
Puh! Da darf ich nicht so ungerecht sein. Das ist ja ungefähr so, wie wenn man Kinder hat, und Sie fragen mich nach dem Lieblingskind. Aber die Kant-Garage in Berlin ist eine wirklich ganz besondere Tankstelle, weil sich hier sehr unterschiedliche Leute, glamouröse Menschen und sehr einfache Leute treffen und sie ein Stück Architekturgeschichte ist. Sie soll aber abgerissen werden, was eine Schande wäre!

Wie sehen Sie die Rolle der Tankstelle in Zukunft?
Selbst wenn es gar kein klassisches Tanken mehr geben sollte, werden die Tankstellen durch die Elektromobilität vielleicht mal wieder wichtiger, als sie es jetzt sind, weil das Aufladen von Batterien länger dauert. Dann verweilen die Menschen hier, und plötzlich werden Tankstellen wieder zu Begegnungsorten, wo es alles Mögliche gibt. Was weiß ich: Massagen und Schwimmbäder (lacht), etwas übertrieben gesagt.

Tankstellen finden Sie romantisch, Supermärkte supergeil. Über welchen Ort wollen Sie als Nächstes nachdenken?
Da hab ich natürlich schon Pläne. Aber ich darf noch nichts verraten. Jetzt habe ich erst einmal meine Konzertreihe. Denn einer der Gründe, weshalb man ein Auto haben sollte, ist natürlich die Musik, die man richtig laut aufdrehen kann im Auto. Man kann durch die Landschaft fahren und seine Lieblingslieder immer wieder anhören. Mit der Musik, die während der Reise entstand, bin ich mit dem Liechtenstein-Trio auf Konzerttour. Nein, nicht an Tankstellen, aber das könnte ich mir eigentlich auch gut vorstellen: ein Konzert an der Tankstelle ... Das Gespräch führte Michael Simon.

Tankstellen des Glücks – im Fernsehen und zu gewinnen
„Tankstellen-Träume“ – so heißt der Thementag des TV-Senders Arte am Pfingstmontag, 16. Mai 2016. Ab 11.15 Uhr zeigt Arte alle Folgen der zehnteiligen Serie „Tankstellen  des Glücks“, eine Doku-Serie der Gebrüder Beetz Filmproduktion mit Friedrich Liechtenstein in der Hauptrolle. Nach dieser launigen Reise durch Mitteleuropa erwarten den Zuschauer Filmklassiker rund um die Tankstelle, beispielsweise „Die Drei von der Tankstelle“ und „Wenn der Postmann zweimal klingelt“. Am Sonntag, 29. Mai 2016, strahlt der ORF die Reise von Liechtenstein als 90-minütigen Film aus. Wer sich die skurrile Doku-Serie immer wieder anschauen möchte, beteiligt sich am großen Sprit+-Gewinnspiel. Unter allen Einsendungen verlost Sprit+ zehn DVD zu den „Tankstellen des Glücks“. Schicken Sie dazu bis zum 25. Mai 2016 eine E-Mail mit dem Betreff „Liechten­stein“ und Ihrer Adresse an sprit-plus@springer.com. Wir wünschen viel Erfolg!

(Das Gespräch führte Michael Simon. Das Interview erschien in Sprit+ Ausgabe 5.)

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