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Franchising für Tankstellen: Im Namen eines anderen

Sandwich-Anbieter Subway hat ein großes Interesse an Tankstellen. Ab gerade einmal 15 Quadratmetern lässt sich ein Shop-in-Shop realisieren.
© Foto: Subway

Mit Franchise kennen sich die meisten Tankstellenbetreiber aus. Sie führen ihre auf dem Papier freien Geschäfte im Gewand der Gesellschaft. Doch es gibt noch andere lohnenswerte(re) Systempartnerschaften. // Mit Marktübersicht als Download


Datum:
06.06.2017
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Shell experimentiert wieder. Im vergangenen Jahr versuchte die MÖG mit Amazon-Paketautomaten für zusätzliche Kundenfrequenz an der Tankstelle zu sorgen. Jetzt testet Shell mit der Fast-FoodKette Subway an zwei Pilotstationen, wie sich Sandwiches und Benzin vertragen. Die Restaurants in Laatzen und Fürth werden nicht durch die Shell-Tankstellenunternehmer betrieben, auf deren Grundstück die Restaurants derzeit entstehen, sondern von unabhängigen Franchisenehmern. Doch das Unterfangen zeigt: Ein Franchisingkonzept ist durchaus an Tankstellen vorstellbar und könnte ein lohnendes Zusatzgeschäft für Tankstellenbetreiber sein, findet zumindest Jan Schmelzle.

Schmelzle ist stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Franchiseverbands (DFV) und erachtet Tankstellen als prädestinierte Franchisenehmer. „Die Vielseitigkeit der Tankstelle erhielte durch eine Franchisepartnerschaft und den Knowhow-Transfer eine Leistung mehr, ohne dass der Betreiber Vorwissen braucht oder viel Zeit investieren muss.“ Außerdem seien Tankstellenleiter durch die tägliche Arbeit mit vielen verschiedenen Dienstleistern und Herstellern entsprechend sozialisiert, sprich: eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einem Partner gewohnt. Sprit+ beantwortet die wichtigsten Fragen rund ums Franchising.

Was ist eigentlich Franchising?

Franchising ist ein Vertriebssystem, das aus zwei Parteien besteht: einem Franchisegeber und einem Franchisenehmer. Die gebende Firma erlaubt dem nehmenden Partner, unter ihrem Namen und mit ihren Produkten ein Geschäft zu betreiben. Sie bietet ihm eine etablierte, zugkräftige Marke, Knowhow im Sinne eines Gesamtkonzepts, Marketing und Waren. Der Franchisenehmer wiederum bezahlt das Know-how und die Rechte mit Gebühren.

Welche Gebühren fallen an?

Entscheidet sich ein Partner, an einem erfolgreichen Geschäftsmodell partizipieren zu wollen, bezahlt er zunächst eine Einstiegsgebühr, mit der er gleichzeitig die Lizenz des Unternehmens erwirbt. Sie gibt ihm das Recht, sich mit dem fremden Konzept selbstständig zu machen. Bei den meisten Unternehmen fängt die Einstiegssumme ab 10.000 Euro an; einzig beim Cleanpark von Kärcher wird keine einmalige Zahlung fällig.

Monatlich hingegen hat der Franchisenehmer im Regelfall zwei Gebühren zu tragen: die Franchise- oder Systemgebühr und die Werbe- oder Marketinggebühr. „Sie tilgen die kontinuierlichen Kosten des Franchisegebers für die Bereitstellung von Know-how, Training, Werbemitteln, Beratung und Weiterentwicklung des Systems“, erklärt Schmelzle. Beide laufenden Gebühren werden für gewöhnlich nach einem vereinbarten Prozentsatz vom Nettoumsatz des Franchisenehmers abgezogen. In manchen Fällen wird auch eine monatliche Pauschale vereinbart.

Wie läuft die Finanzierung ab?

Wie bei allen geschäftlichen Investitionen braucht es auch beim Franchising Eigenkapital. Dabei wird zumeist eine Eigenmittelquote von 20 Prozent an der Gesamtinvestitionssumme vorausgesetzt, der Rest läuft über Fremdkapital. In die Investitionssumme sind all jene Kosten mit eingerechnet, die der Franchisenehmer für den Aufbau des Betriebs benötigt, also Ladenbau, Geräte, Erstausstattung an Waren, den Erstlohn für Personal „und das Gehalt für den Neu-Franchiser, der eine Familie zu versorgen hat“, sagt DFV-Vize Schmelzle.

Wer ist ein seriöser Anbieter?

Eine wichtige Säule im Franchisinggeschäft ist die Wahrung eines hohen Qualitätsstandards. Daher hat der DFV vor zwölf Jahren einen Systemcheck eingeführt, der seine Mitglieder alle drei Jahre auf den Prüfstand stellt. Ein unabhängiges Institut führt unter allen Franchisenehmern des Mitgliedunternehmens Zufriedenheitsbefragungen durch und analysiert unter anderem die Marketingdienstleistungen.

Sind die Mitglieder dann noch mindestens zwei Jahre als Franchisegeber tätig und haben zwei oder mehr Franchisenehmer, erhalten sie die Zertifizierung als Vollmitglied. „Seit der Einführung des Systemchecks hat es bei keinem unserer Mitglieder einen medialen Skandal gegeben“, berichtet Schmelzle stolz.

Welche Anbieter gibt es?

Die Systemgastronomen McDonald’s und Burger King fehlen in der Sprit+-Marktübersicht (siehe PDF unten), weil für die Ersten ein Shop-in-Shop-Konzept nur an Raststätten infrage kommt. Burger King hingegen befindet sich derzeit nicht auf der Suche nach neuen Partnern.

Ganz im Gegenteil zu Subway: „Das Subway-Konzept ist für eine Verknüpfung mit Tankstellen optimal geeignet“, sagt Hans Fux, Country Director im deutschsprachigen Raum. Das liegt auch daran, dass der Betrieb bereits ab 15 Quadratmetern Flä- che realisiert werden kann. Mit den frischen Sandwiches können Betreiber ohne Expertise das Frischebedürfnis der Kunden stillen. Fux führt aus: „Der Gast an der Tankstelle hat besondere Ansprüche und Bedürfnisse, die Subway-Restaurants bestmöglich befriedigen.“ Die renommierte Marke würde zudem als Gästemagnet wirken.

Noch nicht an Tankstellen vertreten, aber interessiert ist das Konzept Salädchen. Das auf Salate, Wickel und Suppen spezialisierte Unternehmen sieht eine wachsende Nachfrage nach gesunden Produkten im Außer-Haus-Markt. „Ich als Reisender stehe selbst oft vor dem Problem, unterwegs nichts Gesundes zu Essen zu finden“, meint Geschäftsführer Peter Heinzmann, „die Art und Weise, wie ‚grüne‘ Produkte an Tankstellen positioniert und realisiert werden, entsprechen nach meiner Auffassung nicht einer zeitgerechten Ernährung.“

Im Non-Food-Bereich bietet Kärcher mit Cleanpark Unternehmern ohne Erfahrung einen aus Waschboxen und Portalanlagen bestehenden Waschpark, der um Servicegeräte ergänzt wird. „Ein spezieller Benefit besteht darin, dass sich durch das Angebot von Tanken, Auto waschen, Autoreinigung und Fahrzeugpflege an einem Standort Synergieeffekte ergeben“, meint Franchise-Manager Rene Svoboda.

Außerdem in der Marktübersicht im folgenden PDF sind Kaffeespezialist Coffee Fellows, Hähnchengastronom KFC und die Fischexperten von Nordsee.

(Autor: Michael Simon; der Artikel erschien in Sprit+ 6.2017)

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