Sprit+: Der Referentenentwurf liegt auf dem Tisch; hat Sie der Umfang der Verbote überrascht?
Constantin Klause: Ja und nein. Das Timing und der Umfang haben uns durchaus überrascht, ebenso der Weg über den Bundesrat. Gleichzeitig gehören Änderungen bei Regulierungen zu unserem Alltag. Menthol ist bereits seit über einem Jahrzehnt im Visier der Regulatorik. Gemäß EU-Tabakproduktrichtlinie sind Menthol-Zigaretten seit Mai 2020 verboten. Dieses Jahr nimmt Deutschland einen neuen Anlauf, dieses Verbot auf Vapes auszudehnen, inklusive weiterer Kühlstoffe und dem Süßstoff Sucralose.
Wie schätzen Sie das ein?
Die Datenlage, auf die sich das Verbot stützt, ist sehr dünn - besonders hinsichtlich der inhalativen Wirkung von Aromastoffen. Dies räumt sogar das für die Bewertung zuständige Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ein. Weiter sagt das BfR, es bestehe weiterer Forschungsbedarf, bevor definitive gesundheitliche Schlussfolgerungen gezogen werden können. Ein Verbot würde also auf äußerst wackeligen Beinen stehen. Fragwürdig ist auch die Timeline im Entwurf. Während beim Verbot von Menthol in der Zigarette den Unternehmen noch eine Übergangsfrist von vier Jahren eingeräumt wurde, um Alternativen zu finden, sieht der jetzige Entwurf nur sechs Monate vor. Das lässt auf eine gewisse politische Uninformiertheit schließen.
Wie meinen Sie das?
Die Politik lässt außer Acht, dass in sechs Monaten kein Unternehmen der Welt eine komplette Sortimentsumstellung im nötigen Umfang umsetzen kann. Hinter jedem einzelnen Produkt steht ein exaktes Rezept. Das funktioniert nicht wie beim Kuchenbacken, bei dem man mal eben einen Stoff durch einen anderen ersetzen kann. Hier ist zeitintensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit nötig. Würde der Entwurf exakt so angenommen, käme das einem Vollverbot des Marktes sehr nah. Denn 90 bis 95 Prozent der Produkte wären auf einen Schlag verboten. Auch deshalb sehe ich den aktuellen Entwurf kritisch.
Kommt die Verordnung?
Erst einmal ist es nur ein Entwurf. Aber ich gehe davon aus, dass eine Verordnung kommt, weil sie politisch gewollt ist. Offen bleibt jedoch die Frage, in welcher Form: Wie sind die Übergangsfristen? Wie streng werden die Grenzwerte sein? Etc.
Bereitet Ihnen das drohende Verbot keine Kopfschmerzen?
Seit es die Branche gibt, sind Veränderungen und Krisen ihr ständiger Wegbegleiter. Und wir sind von Anfang an dabei. Regulierungen gehören bei uns eben zum Tagesgeschäft. Das akzeptieren und unterstützen wir. Auch wenn es zuweilen schmerzhaft ist. Dabei gilt natürlich immer die Prämisse, dass die Regulierungen plausibel und nachvollziehbar sind.
Inwiefern?
Ein Beispiel: Als im Jahr 2016 klar war, dass wir gemäß der Tabakerzeugnisverordnung alle Inhaltsstoffe an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit melden müssen, war das für uns ein Einschnitt. Denn wir haben uns damals von allen Lieferanten getrennt, die ihr Aromarezept nicht offenlegen wollten. Das hat anfangs unserer Wettbewerbsfähigkeit geschadet, aber diesen Nachteil haben wir bewusst in Kauf genommen. Dafür wissen wir heute auf Knopfdruck, welcher Stoff in welchen Mengen worin enthalten ist - und zwar bis auf die sechste Nachkommastelle genau. Dadurch können wir rasch auf neue regulatorische Anforderungen reagieren.
Wie sieht das in der Praxis aus?
Wir tauschen uns eng mit unseren Lieferanten aus und engagieren uns in Verbänden. Gerade bei Inhaltsstoffen gibt es immer wieder neue Entwicklungen. Der Großteil unserer Aromen wird auch in der Lebensmittelindustrie eingesetzt; auch hier sind Diskussionen um Inhaltsstoffe Alltag. Wir haben hierfür eigene Mitarbeiter, die sich täglich mit der Entwicklung in Wissenschaft und Politik auseinandersetzen. Eine solche Verordnung fällt ja nicht vom Himmel. Sobald ein Inhaltsstoff in den Verdacht gerät, gesundheitsschädigend zu sein, werden wir hellhörig, informieren unsere Geschäftspartner und verzichten präventiv auf den weiteren Einsatz.
Apropos Gesundheit. Ist nicht das Rauchen per se schon gesundheitsschädlich? Wie stehen Sie zum Verbraucher- und Jugendschutz?
Dieser Schutz ist wichtig und wir nehmen das sehr ernst. Unser Credo lautet: Wir wollen niemanden, der nicht von Nikotin abhängig ist, davon abhängig machen. Und wer als Erwachsener rauchen oder dampfen möchte, den wollen wir mit qualitativ guten Produkten versorgen. Auch weil viele illegale und minderwertige Waren auf dem Markt sind, halten wir Regulatorik für notwendig. Nur muss der Gesetzgeber diese Verbote auch durchsetzen und verbotene Produkte aus dem Verkehr ziehen. Die Behörden sind hier überfordert. Das darf aber nicht in ein Pauschalverbot münden.
Mit Caldora haben Sie gerade eine neue Marke auf den Markt gebracht. Wie ist Ihre Marktstrategie?
Wir sind überzeugt, dass sich Qualität am Ende durchsetzt. Daher setzen wir auf Qualität Made in Germany und wollen Produkt und Marke sicher im Markt aufbauen. Für Caldora suchen wir gezielt Partner im stationären Handel, um die Marke gemeinsam kontrolliert und stabil aufzubauen, ohne Online-Vergleichbarkeit herzustellen.
Und wie sieht es mit dem Verkauf an Tankstellen aus?
Mit Caldora haben wir eine Marke entwickelt, deren Konzept auf den Convenience Handel abgestimmt ist. Die Sorten sind durch klare Namen und bekannte Obst- bzw. Geschmackssorten unkompliziert, und die vier Tabaksorten sind insbesondere für Zigarettenraucher umsteigerfreundlich. Gleichzeitig haben wir ein begleitendes Vertriebspaket entwickelt, dass sich an die Anforderungen des stationären Handels richtet. Deswegen sehen wir Tankstellen, insbesondere freie Tankstellen, als wertvolle Partner und einen interessanten Distributionsweg für Caldora.