E-Fuels Forum: Kommentar zur "Übersichtsstudie HVO100" der htw saar

15.05.2026 12:15 Uhr | Lesezeit: 4 min
HVO100
HVO100 kann bereits heute einen entscheidenden Beitrag zur Defossilisierung des Verkehrs leisten.
© Foto: Mobil in Deutschland e.V.

Die neu veröffentlichte "Übersichtsstudie HVO100" der htw saar liefert eine umfassende wissenschaftliche Bewertung von HVO100, einer Alternative zu fossilem Diesel. Dabei zeigt die Studie deutlich, welches Potenzial dieser Kraftstoff für eine sofortige Reduktion der CO2-Neuemissionen im Verkehrssektor hat – insbesondere im Fahrzeugbestand. Das E-Fuels Forum sieht darin eine wichtige Grundlage für eine faktenbasierte und technologieoffene Debatte über mehr Nachhaltigkeit in der Mobilität.

Der Verkehrssektor steht vor einer der größten Herausforderungen der Energiewende: Während der Fokus der politischen Debatte häufig auf der Elektromobilität liegt, zeigt die Realität, dass Millionen von Bestandsfahrzeugen auch in den kommenden Jahren auf flüssige Energieträger angewiesen sein werden – sowie die auch jetzt weiterhin kommenden Neubestände an Fahrzeugen.

Vor diesem Hintergrund gewinnen nachhaltige, sofort verfügbare Kraftstoffalternativen zunehmend an Bedeutung. Mit der Mitte Mai 2026 veröffentlichten "Übersichtsstudie HVO100" (Hydrotreated Vegetable Oils, dt.: hydrierte Pflanzenöle) legt Thomas Heinze, Leitung Institut Automotive Powertrain (IAP) an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar), eine umfassende wissenschaftliche Analyse vor, die das Potenzial dieses paraffinischen Dieselkraftstoffs detailliert beleuchtet. 

Ein zentrales Ziel der Studie ist es laut eigenen Angaben, "die angewandte Forschung im Bereich nachhaltiger Mobilität zu forcieren und den Prozess der Markteinführung von HVO100 zu begleiten". Gleichzeitig soll sie interessierten Nutzern den Einstieg in alternative Kraftstoffe erleichtern. Die Untersuchung beleuchtet daher umfassend Herstellung, Eigenschaften, Emissionen sowie infrastrukturelle Aspekte von HVO100 und liefert damit eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Einordnung von HVO100 im Kontext der Verkehrswende für Politik, Wirtschaft und Verbraucher.

Technische und ökologische Vorteile klar belegt

Dabei zeigt die Untersuchung: HVO100 kann bereits heute einen entscheidenden Beitrag zur Defossilisierung des Verkehrs leisten. Je nach eingesetzten Rohstoffen sind laut Studie "ein erhebliches CO2-Einsparpotenzial von derzeit bis zu 96 Prozent gegenüber fossilem Diesel" möglich. Gleichzeitig kann der Kraftstoff ohne technische Umrüstung in bestehenden Dieselfahrzeugen eingesetzt werden – ein entscheidender Vorteil für weniger CO2-Neuemissionen. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen zudem weitere vielfältige Vorteile von HVO100:

  • Hohe Cetanzahl (> 70) für verbesserte Verbrennung und ruhigen Motorlauf
  • Aromatenfreiheit mit positiven Effekten auf Emissionen und Motorlebensdauer
  • Reduzierte Rußpartikel- und Luftschadstoffemissionen
  • Verbesserte Lagerstabilität und geringere Wartungsanfälligkeit
  • Nahezu unveränderter Kraftstoffverbrauch

Besonders betont die Studie die Bedeutung nachhaltiger Rohstoffquellen. HVO100 wird überwiegend aus Abfall- und Reststoffen wie gebrauchten Speiseölen oder Nebenprodukten der Industrie hergestellt. Perspektivisch können auch neue Quellen wie Algen- oder Jatrophaöl zur Verfügung stehen. Dabei gilt laut Studie: "Nur HVO, das aus eindeutig zertifizierten Rest- und Abfallstoffen stammt, maximal transparent in der Lieferkette geführt wird, strenge Umweltstandards nach EU-Vorgabe erfüllt und eine nachweislich positive CO₂-Bilanz aufweist, ist eine wichtige nachhaltige Alternative im Verkehrssektor." Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis: "Zusammenfassend positioniert sich HVO als sicherere, weniger reizende und umweltfreundlichere Alternative zum Dieselkraftstoff."

Europa zeigt: Markthochlauf ist möglich

Ein Blick ins europäische Ausland verdeutlicht das Potenzial von HVO100: In Ländern wie Schweden und den Niederlanden ist HVO100 bereits seit Jahren erfolgreich im Einsatz. Dort existieren mehrere hundert Tankstellen, die den Kraftstoff ohne größere infrastrukturelle Anpassungen anbieten – ein Modell, das auch für Deutschland richtungsweisend sein kann. Mit der Anpassung der 10. Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV) im Mai 2024 wurde die Grundlage geschaffen, paraffinischen Diesel nach EN 15940 auch hierzulande flächendeckend anzubieten.

Laut E-Fuels Now gibt es in Deutschland aktuell 670 Stationen mit HVO100 an der Zapfsäule. Mit HVO-Beimischungen liegt die Zahl der Stationen bei fast 2.400. Damit hat jede sechste Tankstelle ein HVO-Produkt im Angebot.

Das E-Fuels Forum sieht in den Studienergebnissen eine klare Bestätigung für die Rolle nachhaltiger Kraftstoffe im Energiemix der Zukunft. Neben der Elektromobilität braucht es technologieoffene Lösungen, um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen. "HVO100 zeigt eindrucksvoll, dass weniger CO2-Neuemissionen im Verkehr sofort umsetzbar sind – ohne neue Fahrzeuge und ohne lange Übergangsfristen. Mit Produkten wie KlimaDiesel HVO100 bringen wir diese Lösung bereits heute in den Markt und ermöglichen eine direkte Reduktion von CO₂-Neuemissionen", sagt Lorenz Kiene, Geschäftsführer des E-Fuels Forums.

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