Sonntag, 15.12.2019
15.02.2016
   

Porträt

Peter Rost, ehemaliger Aral-Pächter

Die 1991 gebaute Aral-Tankstelle im Norden von Erfurt war die erste in Thüringen. Der heutige Rentner Peter Rost hatte sie 22 Jahre lang gepachtet.

Der Quereinsteiger

Durch die Wiedervereinigung wurde auch der Tankstellenmarkt in Deutschland neu aufgestellt. Ein Mann, der diese Entwicklung hautnah miterlebt hat, ist Peter Rost. Er betrieb bis vor zwei Jahren die erste Aral-Tankstelle in Thüringen.

Rund 6.000 Quadratmeter Fläche, zwanzig Zapfpunkte und ein Kraftstoffabsatz von 3,5 Millionen Litern pro Monat – selbst für heutige Verhältnisse sind das beein­druckende Zahlen. Vor 25 Jahren waren Tankstellen mit diesen Dimensionen jedoch noch selten anzutreffen. Einen solchen „Brummer“, eine der größten Tankstellen in den neuen Bundesländern, baute Aral in Erfurt-Gispersleben. Die Führung der ersten blauen Station in Thüringen übernahm Pächter Peter Rost.

Für den studierten Volkswirtschaftler und Binnenhandelsökonom war die Übernahme der Station im Oktober 1991 ein Quereinstieg in die Tankstellenbranche. „In der DDR hatte ich eine leitende Funktion in einem Warenhaus. Nach der Wende wollte ich mich selbstständig machen“, erzählt der damals 44-Jährige. Daher habe er sich um Stellen in verschiedenen Branchen bemüht, entschied sich aber letztendlich für die Tankstelle, weil er für diese Arbeit in Erfurt bleiben konnte. „Natürlich hat mich die Aral nicht einfach so genommen. Ich habe erst verschiedene Assessments durchlaufen und musste zeigen, was ich draufhabe“, berichtet Rost mit Stolz in der Stimme.

Profitiert hat der heute 70-Jährige von seinen Erfahrungen aus dem Einzelhandel. Die waren an der neuen Aral-Tankstelle ganz besonders gefragt. Schließlich setzte die Marke mit der blauen Optik ein für die neuen Bundesländer noch ungewohntes Konzept an der Tankstelle um, was sich der Mineralölkonzern auch einiges kosten ließ: Für vier Millionen DM riss Aral die Vorgängerstation von Minol ab und baute eine neue, moderne Anlage mit einem 200 Quadratmeter großen Shop auf das Gelände. Damit war die Erfurter Tankstelle die dritte Station nach Berlin und Leipzig, die Aral und Minol in einem Joint Venture nach der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern eröffneten.

Ein Quantensprung

Während es in der Minol-Station zu DDR-Zeiten nur das klassische Sortiment für Autos gab, etwa Öl, Zündkerzen und Scheibenreiniger, konnten die Erfurter plötzlich Lebensmittel in der neu gebauten Tankstelle kaufen. „Das war ein Quantensprung von der reinen Tankstation mit Dienstleistungen und ein paar wenigen Waren zur Tankstelle mit richtigem Shop“, erinnert sich Rost und ergänzt: „Die Bürger waren begeistert: Das bunte Sortiment, alles neu, das war schon was.“

„Ich habe damals schon erkannt, dass eine Tankstelle eigentlich ein Handels­betrieb ist und sich nur in der Ware vom klassischen Einzelhandel unterscheidet“, sagt der Rentner. Damals steckte die Warenwirtschaft, wie sie heute in der Branche gang und gäbe ist, noch in den Kinderschuhen. „Die Produkte waren schon alle im Computer registriert und konnten über die Kasse abgerufen werden“, erzählt Rost. Die Bestellungen mussten aber anhand von ­Listen gemacht werden. Und die Inventur am ­Jahresende habe mehrere Tage gedauert.

Bis Rost 2013 in den Ruhestand ging, blieb er als Pächter der Tankstelle treu. In dieser Zeit hat er auch ein Stück Aral-Geschichte miterlebt. „Aus eigener Erfahrung und von meinen Mitarbeitern, die ich von Minol übernommen hatte, weiß ich, dass die beiden Unternehmen völlig anders funktionierten“, sagt Rost. Bis zur Wende sei beispielsweise ein Mitarbeiter auf dem Forecourt gestanden und habe für die ­Fahrer die Autos betankt und gleich dort abkassiert. Das gehörte bei Aral der Vergangenheit an, auch weil die Preise nun automatisch an die Kasse übertragen wurden.

Nicht nur in den Abläufen und im Angebot, sondern auch im Umgang mit den Pächtern hat sich die MÖG verändert. „Anfangs habe ich den Aral-Konzern als eine große Familie erlebt. Das hat sich sukzessiv verändert. Es ist unpersönlicher geworden“, bedauert Rost. Allerdings habe er immer ein gutes Verhältnis zu den Bezirksleitern gehabt, „das fängt schon vieles auf“.

Insgesamt sei er immer sehr zufrieden mit der Arbeit gewesen, vor allem, weil sie so vielseitig sei und er das, was er im Studium und Handel gelernt habe, anwenden konnte. Daher fiel es dem 70-Jährigen auch schwer, als er 2013 in den Ruhestand ging. „Man muss irgendwann Abschied nehmen, schließlich wollte ich nicht mit den Füßen zuerst rausgetragen werden. Es ist mir aber nicht leicht gefallen, die Tankstelle und meine Mitarbeiter zu verlassen“, gibt Rost zu. Zum Glück habe er aber ein gutes Verhältnis zur Nachpächterin Christiane Nagel und komme immer noch hin und wieder auf ­einen Schwatz vorbei. (ab)

 

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