Wirtschaftskrise macht sich bemerkbar: Tankstellen bekommen Krise zu spüren

03.05.2010 11:00 Uhr
Supermarkt-Tankstelle Deutschland
Supermarkt-Tankstelle in Deutschland.
© Foto: Manfred Ruopp

Aus dem aktuellen EID (Energie Informations Dienst): Die Auswirkung der Finanz- und Wirtschaftskrise hinsichtlich Einkommen von Privathaushalten und Zukunftseinschätzungen von Verbrauchern haben seit Herbst 2008 auch das Einkaufsverhalten von Kunden an der Tankstelle beeinflusst. Diese Veränderungen versuchte die britische Beratungsfirma Datamonitor mit einer Befragung von 8.000 Autofahrern in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien und der Tschechischen Republik zu ermitteln. Als erstes wird das Auto weniger benutzt. Das machte sich in der zweiten Hälfte letzten Jahres besonders stark in Großbritannien bemerkbar. Während im Durchschnitt der acht Länder das Auto von 22 Prozent der Befragten in geringerem Maß benutzt wurde, waren es bei den Briten 30 Prozent. Weniger als 10 Prozent der Autofahrer wichen auf andere Transportmittel aus oder gingen mehr zu Fuß, knapp 5 Prozent stiegen auf Bahnen und Busse des öffentlichen Personennahverkehrs um. 13 Prozent ließen im Durchschnitt der acht Länder das Auto einfach stehen und unternahmen weniger Fahrten. 3,7 Prozent der Befragten blieben zu Hause, weil sie weniger einkauften. Andere kauften nicht weniger als früher ein, aber bündelten ihre Einkäufe, so dass sie dazu weniger mit dem Auto zu fahren brauchten. Von diesem neuen Trend zum Bündeln der Einkäufe profitieren Supermärkte und Einkaufszentren mit einem umfassenden Warenangebot zur Deckung des Wochenbedarfs der Haushalte. Knapp 5 Prozent der Autofahrer gaben an, auf diese Weise Fahrten zu vermeiden. In Frankreich, Großbritannien, Polen und Tschechien erreichte diese Rate 9 Prozent. Damit wird nicht nur Kraftstoff gespart, sondern auch das wöchentliche Tanken mit den Einkäufen beim Supermarkt erledigt. Im Durchschnitt der acht Länder haben deshalb in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres 14 Prozent der Autofahrer häufiger als früher bei Supermärkten getankt. In Großbritannien haben sich nahezu ein Drittel und in Tschechien fast ein Fünftel der Autobesitzer so verhalten. Die tschechischen Filialen der Supermarktketten Tesco, Globus und Marko konnten damit ihre Kraftstoffabsätze steigern und einen Marktanteil von knapp 7 Prozent erringen. In Polen und Spanien deutet sich über das Verhalten der Autofahrer eine ähnliche Entwicklung an. Datamonitor hat die Autofahrer entsprechend ihrer Neigung zum Wechsel von konventionellen Tankstellen zu Supermärkten in vier Gruppen eingeteilt: In Autofahrer, die überwiegend an Markentankstellen oder zumeist bei Supermärkten zu tanken pflegen, an denen es Markenbenzin und –diesel gibt. Markentanker, die zwischen Juli und Dezember letzten Jahres zu Supermärkten abgewandert sind, und Verbraucher, die schon seit langem fast ausschließlich bei Supermärkten tanken. Zu der letzten Gruppe gehören im Durchschnitt der acht Länder 8 Prozent, wobei der Anteil in Deutschland bei 14 Prozent und in Tschechien bei 13 Prozent liegt. Neben der Bündelung der Einkäufe sind Supermärkte attraktiv, weil sie im Ruf günstiger Preise stehen. Und der Kraftstoffpreis hat für den Kaufentscheid eine noch stärkere Bedeutung erlangt. 45 Prozent der Autofahrer in den acht Ländern haben vor dem Tanken erst die Kraftstoffpreise geprüft. Laut Jeater hängt das auch mit den enorm schwankenden Kraftstoffpreisen zusammen, aber es zeigt auch, dass sich Autofahrer vor dem Tanken zunehmend bei Preisportalen im Internet über Kraftstoffpreise informieren. Trotz eines erheblichen Anteils von Kraftstoffkunden, die preisbewusster werden und an Supermärkten tanken, kommt es bei den konventionellen Tankstellen darauf an, ihr Angebot für Autofahrer nicht allein am Preis zu orientieren, sondern ihre gesamte Station attraktiv zu machen, um ihre Kunden zu halten und möglicherweise abgewanderte Kunden zurückzuholen. Preis und Standort werden im Tankstellengeschäft immer die größte Bedeutung behalten. Aber es zeigt sich, dass auch andere Dinge eine Rolle spielen, wie zum Beispiel Imbiss und Kaffee oder Loyalty-Cards.

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