Mit den weiter ungelösten Spannungen im Nahen Osten liegen die Benzinpreise in Deutschland nur knapp unter ihrem Rekordhoch. Superbenzin der Sorte E10 kostete nach Angaben des ADAC am Samstag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,165 je Liter. Damit fehlen nur wenige Cent zum Allzeithoch von 2,203 Euro aus dem März 2022.
Für Diesel mussten Autofahrer am Samstag im Durchschnitt 2,260 Euro je Liter zahlen, wie der ADAC weiter mitteilte. Bei Diesel ist der Abstand zum Höchstwert aus dem April mit rund 20 Cent noch deutlich größer. Gemessen am Freitag blieben die Spritpreise kaum verändert.
In den vergangenen Tagen und Wochen waren die Spritpreise gestiegen, besonders bei Diesel. "Nach aktuellem Stand zeichnet sich ab, dass 2026 das bislang teuerste Tankjahr überhaupt werden könnte und damit den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2022 übertreffen würde", prognostiziert der ADAC.
Debatte um Entlastung für Autofahrer
Grund für den Preisdruck ist einerseits der weiter ungelöste Iran-Krieg, mit dem die Rohölpreise an den Weltmärkten zuletzt geklettert sind. Aber auch das Niedrigwasser am Rhein machte sich an den Tankstellen bemerkbar, da es die Transportkosten erhöhte. E10 ist die günstigste gängige Benzinsorte in Deutschland. In der Regel ist sie 5 bis 6 Cent billiger als Super E5, das weniger Biosprit enthalten darf.
Hohe Spritpreise führen regelmäßig zu Forderungen nach Entlastung der Autofahrer. Von Anfang Mai bis Ende Juni galt ein Tankrabatt, mit dem die Bundesregierung den Anstieg der Spritpreise dämpfte. Nach dem Auslaufen der Steuersenkung haben die Preise an den Zapfsäulen wieder angezogen.
Zuletzt unternahm Finanzminister Lars Klingbeil mit fünf europäischen Kollegen einen neuen Vorstoß für eine Übergewinnsteuer bei Ölkonzernen. Sie machen sich in einem Brief an die irische EU-Ratspräsidentschaft stark für eine solche Abgabe auf europäischer Ebene, die Mineralölfirmen auf kräftig gestiegene Profite wegen des Iran-Kriegs zahlen sollen.
"Einen der größten Versorgungsschocks seit Jahrzehnten"
"Wir erleben einen der größten Versorgungsschocks seit Jahrzehnten und überall auf der Welt wächst der Unmut über den Anstieg der Lebenshaltungskosten", heißt es in dem Schreiben an den irischen Finanzminister Simon Harris, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Bisher ergriffene staatlichen Maßnahmen hätten nicht gereicht, um die Preise für Unternehmen und Bürger dauerhaft zu senken oder zu stabilisieren, schreiben die Finanzminister aus Portugal, Spanien, Österreich, Italien, Polen und Deutschland. "Deshalb brauchen wir ein gemeinsames Vorgehen, das sicherstellt, dass diejenigen, die von der Krise profitieren, ihren Teil dazu beitragen, die Belastung für die breite Bevölkerung zu verringern."
Unterdessen verkündeten Ölkonzerne wie Shell, BP und Total Energies stark gestiegene Gewinne. Da der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus seit Kriegsbeginn Ende Februar stark eingeschränkt ist, sind die Preise für Alternativen zu Rohöl aus dem Persischen Golf hoch geschossen.