Politikerinnen in Saudi-Arabien haben erstmals offiziell eine Aufhebung des Fahrverbots für Frauen gefordert. Latifa Schaalan, ein Mitglied des Schura-Rates, sagte am Dienstagabend (8. Oktober) vor Journalisten in der Hauptstadt Riad, die weiblichen Ratsmitglieder hätten einen Antrag gestellt, diesen Vorschlag im Rat zu diskutieren.
Sie betonte, ihre Initiative stehe nicht in Zusammenhang mit dem Aufruf einiger Aktivistinnen, die Frauen ermuntert haben, sich am 26. Oktober hinter das Steuer zu setzen. Bei ähnlichen Aktionen waren früher bereits Frauen festgenommen worden.
Autofahren wirkt sich negativ auf Gesundheit der Eierstöcke aus
Das islamische Königreich Saudi-Arabien ist das einzige Land der Welt, das es Frauen verbietet, Auto zu fahren. Die Mitglieder des Schura-Rates werden vom König ernannt. König Abdullah hatte Anfang des Jahres erstmals weibliche Ratsmitglieder ernannt. Der Rat hat nur beratende Funktion. Ein saudischer Geistlicher hatte zuletzt für einen Aufschrei der Empörung gesorgt, als er behauptete, das Autofahren wirke sich negativ auf die Gesundheit der Eierstöcke aus.
Saudi-Arabier sind die größte Rowdys
Übrigens sind Diplomaten aus Saudi-Arabien und Russland in Berlin als größte Verkehrsrowdys der ausländischen Vertretungen aufgefallen. Auf den Straßen der Hauptstadt wurden im Vorjahr insgesamt 20.714 Ordnungswidrigkeiten von Fahrzeugen mit Diplomatenkennzeichen registriert, wie Innensenator Frank Henkel (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage der CDU hin mitteilte. Falschparken, Behinderungen anderer, Alkohol am Steuer, überhöhte Geschwindigkeit - im Vergleich zu 2011 stieg die Zahl der Verstöße um mehr als 1800. Schon in der Vorjahresstatistik lagen rücksichtslose Fahrer aus Saudi-Arabien und Russland auf den ersten Negativ-Plätzen.
Konsequenzen müssen die Verkehrssünder nicht fürchten. Die diplomatische Immunität schließe jegliche Strafverfolgung aus, so Senator Henkel. Ermittlungsverfahren werden regelmäßig eingestellt, Ordnungswidrigkeiten nicht verfolgt. Der Landeskasse seien rund 300.000 Euro allein durch nicht eingetriebene Verwarnungsgelder entgangen, hieß es in der Antwort. In Berlin waren laut Innensenat bis Ende Juni dieses Jahres 2825 Fahrzeuge des diplomatischen Corps mit Sonderkennzeichen zugelassen. (dpa/beg)