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Ladenbau: Schönheit ist nicht alles

Ein heller Eingang, eine gerade Sichtachse auf das Bistro, freie Laufwege – das sind laut Ladenbauer Heinrich Stracke Erfolgsfaktoren im Shop.
© Foto: Heinrich Stracke

Shopeinrichter verschreiben sich nicht nur der Ästhetik. Ihre Kunden erwarten, dass der Umsatz nach dem Eingriff steigt. Ladenbauer Heinrich Stracke schildert, worauf es dabei ankommt.


Datum:
15.02.2017
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Ladenbauern kommt oft eine ähnlich undankbare Aufgabe wie Schönheitschirurgen zu: Beide werden von ihren Kunden erst konsultiert, wenn es um die Fassade schlecht bestellt ist. Und beide sollen für möglichst wenig Geld ein Ergebnis zaubern, das weit über ein einfaches Facelifting hinausgeht. Zudem eint Shop- und Körperoptimierer die oberste Prämisse: Ästhetik. Während sich der Schönheitspatient aber nach der OP an seiner Jugendlichkeit genügt, geht es dem Tankstellen-Patienten um viel mehr: Er geht die Risiken und Kosten der Operation nur ein, weil er sich einen Gewinn verspricht: eine Steigerung des Shopumsatzes. Welche grundlegenden Prinzipien die Chirurgen von Heinrich Stracke bei ihren Patienten anwenden, verrät Geschäftsführer Andreas Strömer.

Den ersten Makel entdecken Ladenbauer manchmal noch, bevor sie mit dem Skalpell den ersten Schnitt wagen: nämlich dann, wenn der Shop mit physischer Kraft zu betreten ist. „Auch wenn es traurig ist, dass das im Jahre 2017 noch erwähnt werden muss, aber eine Automatiktür ist state of the art!“, formuliert Strömer dezidiert. Ist die Schwelle genommen, sollte der Eingang der hellste Bereich im Beleuchtungsplan sein, „damit sich der Gast willkommen fühlt und nicht, als würde er eine Höhle betreten“, empfiehlt Strömer.
Dazu gehört auch, dass Geschirrabräumwagen und offene Mülleimer nicht die ersten Blickfänger beim Betreten sind. Wenn es der Platz hergibt, lohnt es sich, dem Ankömmling erst einmal 1,5 bis zwei Meter Raum zu geben, um sich orientieren zu können. Warenträger die zu nah am Eingang stehen, fallen ohnehin der Orientierungsphase des Kunden zum Opfer.

Übersichtliche Shops zeichnen sich durch klare Sichtachsen aus. Selbst wenn eine Gondel nur einen oder 1,20 Meter hoch ist, würden manche Shopkunden dies bereits unterbewusst als störende Barriere wahrnehmen. Strömer rät daher: „Sichtachsen sollten zum Backshop und zur Getränkekühlung sein, da hier neben der Kassenzone der größte Impuls stattfinden kann.“ Auch sollten Betreiber darauf achten, den durch Shopeinrichter reiflich durchdachten Aufbau des Shops, nicht durch den Einsatz von zahlreichen Industrieaufstellern wieder zu konterkarieren. Diese Tipps hätten sich aus Studien und Erfahrungen der Kunden profiliert und über die Jahre Anspruch auf Allgemeingültigkeit erworben.

Patentrezepte kann es nicht geben

Ansonsten lautet das Credo, welche Behandlungsmethode zu wählen ist, wie auch eben bei menschlichen Patienten so oft: Das muss man im Einzelfall betrachten. Weil der Wettbewerb im Tankstellenmarkt hart ist und die Gebäudekörper häufig extrem unterschiedlich aufgebaut sind, bedarf es einer individuellen Analyse der standortlichen Gegebenheiten. Auch das Kundenverhalten differiere im allgemeinen Nord-Süd- und Urbanen-Ländlichen-Gefälle, bemerkt Strömer, wodurch ein und derselbe Eingriff nie an zwei Orten gleich gut gelingen kann.

Von einer vormals praktizierten Technik möchte der Geschäftsführer von Stracke dringend abraten: „Die Zwangsführung des Kunden, wie man es früher häufig getan hat, entspricht nicht dem heutigen Convenience-Gedanken und kann einem vom Kunden auch übel genommen werden.“ Fühlt sich der Tankstellenkunde also in der Wahl seines Laufwegs im Shop bevormundet oder genötigt, wird er eher nicht ins Regal greifen.

Für die Shops, die sich noch nicht reif fürs Messer fühlen, hat Schönheitschirurg Strömer einen trivialen, augenzwinkernden Rat: „Ein aufgeräumter, übersichtlicher Shop hilft manchmal mehr als eine neue Holzblende. Auch wenn ich als Ladenbauer das vielleicht anders argumentieren sollte.“

(Autor: Michael Simon; der Artikel ist erschienen in Sprit+ 1./2.2017)

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