Klare Vorgaben: USA diktiert Autobauern Spritspar-Kurs

29.08.2012 17:17 Uhr
Bald Geschichte: Auf amerikanischen Highways verbrauchen Autos im Schnitt knapp 9 Liter Sprit.
Bald Geschichte: Auf amerikanischen Highways verbrauchen Autos im Schnitt knapp 9 Liter Sprit.
© Foto: Jens-Ullrich Koch/ddp

US-Präsident Barack Obama fordert, dass sich der Spritverbrauch von Autos bis 2025 halbieren muss. Das steht jetzt für die Industrie in einem Regelwerk verbindlich festgeschrieben. Ausnahmen gibt es für Geländewagen und Pick-up.

Im Land der unbegrenzten Spritschlucker tut sich was: In den USA verkaufte Neuwagen dürfen vom Jahr 2025 an nur noch halb so viel Kraftstoff verbrauchen wie heute. Präsident Barack Obama zurrte nach monatelangen Diskussionen ein Regelwerk fest, nach dem Autos mit durchschnittlich 4,3 Litern pro 100 Kilometer auskommen müssen. Im vergangenen Jahr hatte der Verbrauch auf den Highways nach Angaben des Verkehrsministeriums bei 8,6 Litern gelegen.

"Diese Standards für den Treibstoffverbrauch sind der wichtigste Schritt, den wir jemals unternommen haben, um unabhängig vom ausländischen Öl zu werden", erklärte Obama am 28. August in Washington. Teures Benzin hemmt die US-Wirtschaft. Jeden US-Dollar, den die Amerikaner an der Zapfsäule ausgeben, müssen sie an anderer Stelle sparen.

Doch ausgerechnet für die durstigen Pick-up-Trucks und Geländewagen gibt es großzügige Sonderregelungen. Während der Verbrauch von Pkw von Jahr zu Jahr um 5 Prozent sinken soll, sind es bei den schweren, geländegängigen Fahrzeugen im Schnitt zunächst lediglich 3,5 Prozent. Anders könnten die Hersteller die typischen Eigenschaften dieser Wagen nicht erhalten, begründete der Gesetzgeber die Ausnahme: eine hohe Zuladung und Anhängelast.

Daimler und VW regen sich auf  

Zu den Kritikern dieser Regelung gehören die deutschen Autobauer Daimler und Volkswagen. "Die Bürden sind nicht gleichmäßig in der Branche verteilt worden", erklärte VW in einer Stellungnahme. Hersteller, die hauptsächlich Pkw verkauften, seien benachteiligt. Denn sie müssen den Verbrauch ihrer Flotte überdurchschnittlich stark senken. Die großen US-Autobauer General Motors, Ford und Chrysler stellten sich dagegen hinter die Ziele: Das Trio macht einen guten Teil seines Geschäfts mit eben jenen Spritschluckern.

In den USA ist der Anteil von Geländewagen und Pick-up auf den Straßen wesentlich höher als in Deutschland. Nach Daten des Marktforschers Autodata sind in den ersten sieben Monaten des Jahres beinahe so viele sogenannte Light Trucks in den Vereinigten Staaten verkauft worden wie Kompaktwagen oder Limousinen: 4,0 Millionen zu 4,4 Millionen.

Die „dicken“ Autos dürfen nach dem Regelwerk im Jahr 2025 noch 5,4 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen. Bei Pkw sind es 3,8 Liter. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte, die einzelne Modellen deutlich übertreffen dürfen. Die Umweltschutzbehörde EPA geht etwa für den beliebten Pick-up Chevrolet Silverado von einem Verbrauch von 6,6 Litern aus. Dagegen soll ein kompakter Honda Fit seinen Verbrauch auf 3,5 Liter zügeln.

Die Bayern stellen sich der Aufgabe

Obama hatte seinen Spritspar-Plan bereits im Juli vergangenen Jahres vorgestellt, unterstützt von 13 Autofirmen, darunter BMW. Man nehme die Herausforderung an, hatte der bayerische Hersteller erklärt und war damit aus der deutschen Phalanx ausgeschert. Auch die großen japanischen und südkoreanischen Hersteller stellten sich hinter die Verbrauchsvorschriften. Nun sind die neuen Standards in Kraft. Sie führen Sparziele fort, die bereits heute bis ins Jahr 2016 hinein gelten.

Die Verbrauchsvorgaben sollen neben dem Umweltgedanken auch den Geldbeutel der Bürger schonen - in Zeiten eines Wahlkampfs ums Präsidentenamt ein willkommener Nebeneffekt: Die Konsumenten würden durch die größere Effizienz ihrer Wagen insgesamt rund 1,7 Billionen US-Dollar (1,35 Billionen Euro) Spritkosten sparen, rechnete das Weiße Haus vor. Der Ausstoß klimaschädliche Treibhausgase solle um 6 Milliarden Tonnen sinken. (dpa/kak)

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

WEITERLESEN



NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Sprit+ Online ist der Internetdienst für den Tankstellenmarkt und richtet sich an Tankstellenunternehmer, Waschbetriebe, Mineralölgesellschaften und Verbände. Neben tagesaktuellen Nachrichten mit besonderem Fokus auf die Bereiche Politik, Shop/Gastro, Tank-/Waschtechnik und alternative Kraftstoffe enthält die Seite ein Branchenverzeichnis. Ergänzt wird das Online-Angebot um betriebswirtschaftliche Führung/Personalien und juristische Angelegenheiten. Relevante Themen wie E-Zigaretten, Energiemanagement und Messen findet man hier ebenso wie Bildergalerien und Videos. Unter #HASHTAG sind alle wichtigen Artikel, Bilder und Videos zu einem Themenspecial zusammengefasst. Ein kostenloser Newsletter fasst 2x wöchentlich die aktuellen Branchen-Geschehnisse zusammen.