Alternative Antriebe: Daimler baut Brennstoffzelle zusammen mit Ford und Nissan

29.01.2013 16:00 Uhr
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Daimler-Forschungschef Thomas Weber.
© Foto: Daniel Kopatsch/dapd

Brennstoffzellen mit Wasserstoff treiben schon heute ganze U-Boote an und setzen nur Wärme und Wasserdampf frei. Daimler wappnet sich für seine Forschung an dem umweltfreundlichen Zukunftsthema mit zwei bekannten Partnern. Doch es warten viele Hürden - angefangen beim Tanken.

Im Rennen um alternative Antriebe stellt der Autobauer Daimler seine Forschung für die Brennstoffzelle auf neue Beine. Die Schwaben verzahnen ihre bestehende Zusammenarbeit mit Ford und Nissan und wollen ein neues Brennstoffzellensystem künftig gemeinsam als Trio entwickeln. Bei dem alternativen Antrieb wird Wasserstoff im Auto zu Energie - als Emissionen fallen nur Wasserdampf und Wärme an. Die Technik gilt als vielversprechender Weg auf der Suche nach Antriebslösungen für das Ende des Erdölzeitalters.

Daimler hatte Anfang 2008 in Kanada begonnen, mit Ford an einem Herzstück der Brennstoffzelle zu tüfteln. Mit Nissan ist Daimler schon über den Partner Renault verbandelt. Die Brennstoffzelle gilt rein von ihrer Leistungsfähigkeit schon als einsatzbereit - doch hohe Entwicklungs- und Herstellungskosten lähmen noch ihren Durchbruch, da die für eine wirtschaftliche Rechnung nötigen Stückzahlen fehlen.

Letzte Hemmnisse beseitigt
"Die Technik ist fertig und reif", sagte Daimler-Forschungschef Thomas Weber am Montag (28. Januar) bei der Bekanntgabe der Partnerschaft in Kirchheim unter Teck nahe Stuttgart. Die neue Partnerschaft der drei Hersteller beseitige nun letzte Hemmnisse. "Diese Kooperation gibt uns die klare Chance, dass wir das Thema im Volumen von drei Herstellern machen." Die weltumspannende Kooperation teile die Kosten durch drei - aber steigere die Kraft bei Forschung und Entwicklung entsprechend. "Die Kooperation erhöht unsere Kapazität um knapp 50 Prozent", sagte Daimlers Chef für neue Antriebe, Herbert Kohler.

Die gemeinsame Technik solle als ein Antriebssystem allen Partnern für deren großen oder kleinen Wagen zur Verfügung stehen. Die "großflächige Markteinführung" sei für 2017 geplant. Bisher hatten die Schwaben ihre kompakte B-Klasse mit Brennstoffzelle 2014 auf den Markt bringen wollen - dieses Ziel eines "Zwischenschritts" werde nun übersprungen, sagte Weber. "Wir glauben, dieses Zeitfenster 2017 ist das Datum, um mit vernünftigen Stückzahlen anzutreten." Daimler nennt ein sechsstelliges Volumen als anfängliche Plangröße für das Trio und das Jahr 2017 - Details etwa zur Aufteilung unter den drei Konzernen oder Absatzzielen fehlen.

Vor wenigen Tagen hatten BMW und Toyota eine ähnliche Zusammenarbeit bei der Brennstoffzellentechnik mit dem Ziel 2020 verkündet. Die Autobauer arbeiten derzeit alle an umweltfreundlichen Alternativen zu den Verbrennungsmotoren, weil das Ölzeitalter zu Ende geht. Neben reinen Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeugen wird an Mischformen - Hybriden - mit herkömmlichen Verbrennern getüftelt.

Das Problem: Die Tankstellen
Nach Darstellung des Stuttgarter Dax-Konzerns gibt es derzeit in ganz Deutschland aber nur 15 Wasserstofftankstellen. Mit einer Tankfüllung kommt die bisher in Kleinstserie produzierte Mercedes-B-Klasse auf gut 300 Kilometer Reichweite. Für 2016 rechnet Daimler mit rund 85 Tankstellen hierzulande, 2020 sollen es dann 500 bis 1.000 Orte sein.

Die aktuelle CO2-Bilanz der Brennstoffzelle - inklusive der Energie, die zur Wasserstoffgewinnung draufgeht - ist laut Daimler um 20 Prozent besser als die Werte herkömmlicher Verbrennungsmotoren. (dpa/beg)

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