Eine aktuelle bundesweite Ipsos-Studie im Auftrag von Philip Morris International (PMI) zeigt: Trotz de-facto Verbot sind tabakfreie Nikotinbeutel in Deutschland weit verbreitet. Ein Drittel der untersuchten Produkte sind Fälschungen. Die bestehende Nachfrage wird nachweislich über inoffizielle Vertriebswege und den Schwarzmarkt bedient. So belegt die Untersuchung, dass tabakfreie Nikotinbeutel bereits in 15,8 Prozent der kleinen unabhängigen Verkaufsstellen und Tabakfachgeschäfte angeboten werden.
Nur eine sinnvolle staatliche Regelung, inklusive Nikotinobergrenzen und Bestimmungen zu Inhaltsstoffen und Verpackungsaufmachung, garantiere Jugendschutz und die Einhaltung von Qualitätsstandards. Darüber hinaus sorge eine angemessene Besteuerung der Produkte für zusätzliche Steuereinnahmen für den Bund. Die aktuelle Situation oder ein Verbot führten nur dazu, dass die organisierte Kriminalität als Einzige profitiert, so Philip Morris.
Wer die Beutel konsumiert
Laut Bundesinstitut für Risikobewertung konsumierten 2022 bereits zwei Prozent der Bevölkerung Nikotinbeutel regelmäßig, 14 Prozent probierten sie schon aus. Das entspricht einer Anzahl von über 1,5 Millionen regelmäßiger Konsumenten bzw. über elf Millionen Menschen, die die Produkte mindestens einmal konsumiert haben. Philip Morris geht davon aus, dass diese Zahlen mittlerweile noch angestiegen sind.
Verschiedene Gerichtsurteile und Behörden stufen tabakfreie Nikotinbeutel rechtlich als Lebensmittel ein, was ein de-facto Verbot darstellt. Dies spielt der Organisierten Kriminalität in die Hände, die die hohe Nachfrage bedient und erhebliche Gewinne erzielt.
Forensische Untersuchungen der angebotenen tabakfreien Nikotinbeutel zeigen: Ein Drittel aller untersuchten Produkte sind Fälschungen. Das entspricht bezogen auf die Gesamtstichprobe jeder siebten Packung. Bei gefälschten Produkten handelt es sich um Erzeugnisse, die unter widrigen Umständen hergestellt werden und keinerlei Produktions- und Qualitätskontrollen unterliegen. Für Händler und Verbraucher ist meist nicht erkennbar, ob es sich um gefälschte Produkte handelt.
In Österreich für rund 6 Euro legal erhältlich
Die Preise für gefälschte tabakfreie Nikotinbeutel sind laut Ipsos-Umfrage hoch – aktuell über 9,00 Euro. Sie liegen bei einem Vielfachen der Produktionskosten, damit werden die Produkte fast doppelt so teuer verkauft, wie im benachbarten Österreich, wo die tabakfreien Nikotinbeutel schon im Markt erhältlich sind und durchschnittlich für circa 6,00 Euro legal verkauft werden. Das macht sie für die Organisierte Kriminalität hochprofitabel und noch interessanter als Zigaretten. Hier liegt der illegale Gewinn für gefälschte Packungen mit zwei bis drei Euro weit darunter.
"Die Studie belegt eindrucksvoll, dass bereits ein etablierter Markt für tabakfreie Nikotinbeutel existiert – Tendenz steigend! Das aktuelle Verbot fördert illegale Strukturen und den Handel mit Produktfälschungen. Wir brauchen eine Regulierung, die Verbraucherschutz, Jugendschutz und Steuergerechtigkeit sicherstellt – und zwar jetzt", so Tammo Körner, Senior Manager Fiscal Affairs & Illicit Trade Prevention bei Philip Morris. "Wie wir am Beispiel von Schweden sehen, kann durch eine gezielte Regulierung von Nikotinbeuteln die Raucherprävalenz gesenkt werden. Deutschland sollte dieses Potenzial nutzen."
"Wer daran glaubt, dass die Menschen keine tabakfreien Nikotinbeutel kaufen, nur weil diese verboten sind, ist auf dem Holzweg"
Matthias Junkers, Geschäftsführer vom Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller (BDTA).
Etablierter Schwarzmarkt
Wie etabliert der Schwarzmarkt für tabakfreie Nikotinbeutel inzwischen ist, zeigt die Studie auch. So wurden in fast 16 Prozent der Verkaufsstellen tabakfreie Nikotinbeutel zum Verkauf angeboten. „Die aktuelle Rechtslage ist für Handel, Behörden und Verbraucher gleichermaßen untragbar“, so Matthias Junkers, Geschäftsführer vom Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller (BDTA). "Wer daran glaubt, dass die Menschen keine tabakfreien Nikotinbeutel kaufen, nur weil diese verboten sind, ist auf dem Holzweg." Steffen Kahnt, Geschäftsführer vom Bundesverband des Tabakwaren-Einzelhandels (BTWE) ergänzt: "Die Produkte boomen trotz fehlender Zulassung. Wer auf Prohibition setzt, setzt auf Mafia statt auf Einzelhandel, setzt auf Schwarzmarkt statt auf Steuereinnahmen, setzt auf Verwahrlosung statt auf Jugendschutz."
Gleichzeitig kann die behördliche Kontrolle mit der aktuellen Marktsituation nicht flächendeckend Schritt halten und bleibt oft chancenlos. Die großen regionalen Unterschiede bei der Verfügbarkeit von tabakfreien Nikotinbeuteln verkomplizieren behördliche Kontrollen, denn in manchen Regionen sind die Produkte weiter verbreitet – in über 20 Prozent der untersuchten kleinen unabhängigen Verkaufsstellen und Tabakfachgeschäften – in anderen Regionen bieten nur rund 9 Prozent der Geschäfte tabakfreie Nikotinbeutel an. Hinzu kommt, dass in 19,1 Prozent der Fälle Nikotinbeutel offen im Geschäft präsentiert wurden. In 60,3 Prozent der Fälle wurde eine reguläre Abrechnung über das Kassensystem angeboten.
"Die Nachfrage existiert und wird über den Schwarzmarkt bedient2 verdeutlicht Thomas Liebel, Bundesvorsitzender der BDZ Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft. Liebel fordert eine klare Regulierung tabakfreier Nikotinbeutel, die den Kontroll- und Sicherheitsbehörden "die entlastende Rechtssicherheit verschafft, um besser gegen den illegalen Handel mit tabakfreien Nikotinbeuteln vorgehen zu können. Das Tabakerzeugnis- und Tabaksteuergesetz bieten die nötige Struktur, um den Schwarzmarkt einzudämmen, Jugend- und Verbraucherschutz durchzusetzen, dem Handel klare Vorgaben zu geben und darüber hinaus wichtige Steuereinnahmen zu sichern."