Vorschriften, Tipps und Ratschläge: Wasserrecycling

11.05.2026 14:06 Uhr | Lesezeit: 4 min
Ein Auto in einer Waschanlage
© Foto: Zulfahmi Khani/Unsplash

Wasserrecycling gehört heute zum Standard moderner Pkw-Bürstenwaschanlagen. Dabei stellen sich hohe ökologische, wirtschaftliche, bauliche und rechtliche Anforderungen an die Wiederaufbereitungssysteme - für einen sicheren Betrieb und eine lohnende Investition. Denn mit einer Wiederaufbereitungsanlage können rund 85 Prozent Frischwasser eingespart werden.

Vor dem Kauf und der Installation einer Abwasseraufbereitungsanlage sind stets die gesetzlichen Rahmenbedingungen - Bau- und Betriebsgenehmigungen für Waschanlagen und Abwassersysteme - zu überprüfen. Bei der Neuerrichtung eines Waschplatzes sind in Deutschland Wasserrecyclingsysteme vorgeschrieben.

Hinsichtlich der Einleitung von Abwasser gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste ist eine wasserrechtliche Genehmigung des Gesamtsystems. Dafür reicht der Betreiber der Anlage einen Antrag bei der zuständigen Wasserbehörde ein. Nach Prüfung und positiver Beurteilung erteilt diese die Genehmigung zum Betrieb der Anlage.

Die Alternative ist die Installation einer bauartzugelassenen Wasserrecyclinganlage. In diesem Fall informiert der Betreiber die Wasserbehörde, dass er eine Anlage gemäß Bauartzulassung betreibt, wodurch keine weiteren Prüfungen und Genehmigungen notwendig sind.

Bei bereits bestehenden Waschanlagen entscheiden Betreiber und Wasserbehörde, ob der nachträgliche Einbau eines Wiederaufbereitungssystems sinnvoll ist - unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten.

Bauliche Gestaltung

In Waschanlagen ist eine Trennung von Wasch- und Niederschlagswasser vorgeschrieben. Eine Überdachung des Waschplatzes ist daher empfehlenswert, um eine Vermischung sicher zu vermeiden. Außerdem muss der Platz über ein ausreichendes Innengefälle zum Abfluss verfügen, flüssigkeitsdicht sein und widerstandsfähig auf die zu erwartenden mechanischen Belastungen (Befahrbarkeit) reagieren. Als Material dafür eignet sich unter anderem wasserundurchlässiger Beton (zum Beispiel B 25 / WU).

Die Recyclinganlage ist wie folgt aufgebaut: Der Vorschlammfang für das grobe Abscheiden großer Schwebstoffmengen ist der erste Schritt, was den weiteren Reinigungs- und Entsorgungsaufwand verringert. Der Vorschlammfang ist gesetzlich nicht notwendig, wird aber aus technischen Gründen empfohlen. Im nächsten Schritt folgt ein ausreichend dimensioniertes Absatzbecken (Schlammfang) für im Waschwasser mitgeführte, kleinere Mengen an Schwebstoffen. Zu beachten ist hier, dass durch die bauliche Gestaltung der Wasserstrom derart verlangsamt werden muss, dass sich Sinkstoffe weitgehend absetzen können. Die Auslegung der Bodenplatte des Waschplatzes ist entsprechend den Vorgaben zu dimensionieren und auszustatten.

Für Waschplätze und Portalwaschanlagen kommen drei verschiedene Recyclingsysteme mit unterschiedlichen Medien in Betracht: Sandfilteranlagen, Fliehkraftabscheider und solche, die auf biologischer Basis arbeiten.

Sandfilteranlagen

Moderne Sandfilter-Recyclinganlagen werden zur Aufbereitung von ölfreiem Abwasser eingesetzt, wie es bei der maschinellen Oberwäsche von Fahrzeugen anfällt. Geringe und nur zeitweilig auftretende Einträge an Öl werden vom System toleriert. Im Sandfilter werden die Schmutzpartikel aus dem Brauchwasser gefiltert und dieses anschließend in das Absatzbecken ausgeleitet. Das gereinigte Wasser wird der Anlage für die nächsten Wäschen wieder zugeführt. Um unangenehme Gerüche zu vermeiden, wird das Recyclingwasser umgewälzt und im Pumpspeicherbecken belüftet.

Sandfiltersysteme können Partikel bis max. 20 µm abscheiden und, je nach Größe, 3.000 bis 16.000 Liter Recyclingwasser in der Stunde aufbereiten. Die Anlagen haben einen niedrigen Energiebedarf und brauchen nur wenig Platz, so können sie auch in beengten Technikräumen untergebracht werden. Für eine schnelle Erstinstallation – und damit geringe Einbaukosten – sind Sandfilteranlagen mit allen Komponenten bereits werksseitig vormontiert. Auf dem Baukastenprinzip beruhende Modelle können individuell zusammenstellt werden. Das senkt die Anschaffungskosten für den Betreiber, denn die Investition beschränkt sich auf das, was tatsächlich benötigt wird.

Die elektronische Steuerung der Anlagen gibt mittels eines übersichtlichen Servicemenüs jederzeit Auskunft über den Wartungszustand. Dadurch lassen sich Servicezeiten deutlich verkürzen und Kosten für den Anlagenbetreiber senken. Bei ständigem Betrieb wird ein Filtertausch einmal im Jahr empfohlen.

Anlagen mit Fliehkraftabscheider

Auch Wasserrecyclingsysteme, die nach dem Prinzip der Fliehkraftabscheidung arbeiten, verursachen nur geringe Kosten und einen niedrigen Wartungsaufwand. Bis zu 3.000 Liter Wasser durchlaufen in der Stunde einen trichterförmigen Hydrozyklon, der das Waschwasser in Rotation versetzt. Durch die Fliehkraft werden die Schmutzpartikel an die Wände gedrückt und sinken dann nach unten, von wo aus sie in das Absetzbecken ausgeleitet werden. Gleichzeitig entsteht ein zweiter kleiner Wirbel in der Mitte, der das gereinigte Wasser nach oben drückt. Dort wird es in einen Tank geleitet und den nächsten Wäschen wieder zugeführt. Der Vorteil: es ist kein Filtermaterial nötig, was die Wartungskosten reduziert. Außerdem finden die Systeme durch ihre kompakte Bauweise mit etwa 0,5 Quadratmetern Grundfläche und knapp zwei Metern Höhe auch in kleinen Technikräumen Platz.

Biologische Anlagen

Die dritte Möglichkeit, Waschwasser effizient und umweltfreundlich zu klären, bieten biologische Wasseraufbereitungssysteme. Sie können neben dem ölfreien Abwasser aus der Fahrzeugwäsche noch andere Abwasserströme behandeln, etwa aus Motorwäschen oder Waschplätzen. Das Waschwasser wird nach Durchlaufen der mechanischen Absetzstufe – zur Filterung der Schwebstoffe – in den sogenannten Bio-Reaktor gepumpt. Während es hier ständig durchlüftet wird, zersetzen Bakterienkulturen organische Abwasserinhaltsstoffe wie öl- und fetthaltigen Schmutz sowie Reinigungsmittel. Nach einem Nachklärschritt wird das Wasser der Waschanlage wieder zugeführt. Das gereinigte Wasser ist meist kristallklar und geruchsfrei und hat eine höhere Qualität als physikalisch aufbereitetes Abwasser. Im Gegensatz zu Sandfilter- oder Fliehkraft-Wasserrecyclinganlagen benötigen biologische Aufbereitungssysteme einen erhöhten Aufwand an Energie, da die Mikroorganismen ständig mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden müssen.

Wasserrecyclinganlagen sind in diesem Umfang auch für Lkw-Waschanlagen erhältlich. Lediglich im Wasserverbrauch und in der Beckengröße unterscheiden sie sich von den beschriebenen Anlagen für Pkw.

Qualität für zufriedene Kunden

Neben der Einhaltung aller Vorschriften sollten Qualität und Verlässlichkeit des Wasserrecyclingsystems bei der Kaufentscheidung im Vordergrund stehen. Denn wenn das Wasseraufbereitungssystem defekt ist, steht die gesamte Anlage. Die einzelnen Komponenten müssen robust und leicht zu warten sein. Eine Statusanzeige sollte darüber hinaus den Betreiber jederzeit über den Wartungsstand informieren können.

In diesem Zusammenhang ist der Service des Anlagenherstellers wichtig. Bundesweit flächendeckende Kundendienststützpunkte und Servicetechniker, die innerhalb von 24 Stunden vor Ort sind, und eine schnelle Ersatzteilbeschaffung minimieren Ausfälle und Wartungszeiten. Inspektionswartungsverträge, eine Hotline und regelmäßige Informationen runden den Service ab – zur Zufriedenheit von Kunden und Anlagenbetreibern.


Gesetze und Verordnungen zum Betrieb von Waschanlagen mit Wasserrecyclingsystemen

  • Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
  • Landeswassergesetz (LWG)
  • Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (Anlagenverordnung; VAwS)
  • Abwasserverordnung (AbvW) mit Anhang 49 einschließlich der Erläuterungen und Umsetzungserlasse der Bundesländer
  • kommunale Entwässerungssatzung, Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/ AbfG)
  • Landesbauordnungen (LBO) - Tankstellenverordnungen der Länder - kommunale Abwasserverwaltungsvorschriften


Waschanlage
Für Waschplätze und Portalwaschanlagen kommen drei verschiedene Recyclingsysteme mit unterschiedlichen Medien in Betracht: Sandfilteranlagen, Fliehkraftabscheider und solche, die auf biologischer Basis arbeiten.
© Foto: Stephanie Albert/Pixabay

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