Sonntag, 01.08.2021
15.10.2015
   

Esso

Jörg M. Heilingbrunner, Geschäftsführer bei Scheidt & Bachmann

Jörg M. Heilingbrunner, Geschäftsführer bei Scheidt & Bachmann: „Ziel ist es, bis Ende 2017 alle Stationen mit unserem System ausgestattet zu haben.“

zum Themenspecial IG Esso

Die große Umstellung

Esso hat sich entschieden, das Kassensystem für das deutsche Tankstellennetz auf das System von Scheidt & Bachmann umzustellen. Was das für die Tankstellenbetreiber bedeutet, weiß ­Jörg M. Heilingbrunner, Geschäftsführer des Familienunternehmens mit Sitz in Mönchengladbach.

Anfang September wurde bekannt, dass Esso das Tankstellennetz Deutschland mit über 1.000 Tankstellen auf ein Kassensystem aus Ihrem Haus umrüstet. Wie geht es jetzt weiter?
Heilingbrunner: In den nächsten Monaten stimmen wir mit Esso die Spezifikationen und Anforderungen ab. Anschließend beginnt die Entwicklungsphase. Nach deren Abschluss starten umfangreiche Tests, damit sichergestellt ist, dass das System problemlos läuft. Dann geht es in die Pilot­phase. Das wird einige Monate dauern, um Erfahrungen zu sammeln und Probleme, die in der Praxis auftreten könnten, zu lösen. Es ist ja nicht so, dass wir das Kassensystem für sich alleine betrachten können, sondern es muss sich an andere Esso-Systeme anbinden lassen. Erst wenn diese Schnittstellen funktionieren, können wir den Rollout starten. Ziel ist es, bis Ende 2017 alle Stationen mit unserem System ausgestattet zu haben.

Was passiert an der einzelnen Station?
Heilingbrunner: Wir werden die Hardware komplett tauschen, das heißt, wir in­stallieren an jeder Station neue Kassensysteme mit der entsprechenden Peripherie und einer Verbindung zwischen Forecourt und Kassensystem. Die Kartenterminals werden übernommen. Wir versuchen, alles an einem Tag umzusetzen und den ­Stillstand der Station auf wenige Stunden zu redu­zieren.

Wodurch zeichnet sich das neue System aus?
Heilingbrunner: Teil des TMS 30 ist beispielsweise die Kasse mit einem Touchdisplay, die leicht bedienbar ist und den ganzen Zahlungsablauf deutlich vereinfacht. Ein weiterer Vorteil ist, dass es sich hier um ein integriertes System handelt, bei dem über den Sitemaster alle Bestandteile miteinander verbunden sind – von der Zapfsäule auf dem Forecourt über den Point of Sale und das Backoffice bis zum Headoffice. Es gibt auch neue Funktionalitäten, die die alte ­Kasse noch nicht hatte.

Zum Beispiel?
Heilingbrunner: Das TMS 30 bietet beispielsweise eine Handhabung für verkaufsfördernde Aktionen. Das System bietet darüber hinaus umfangreiche Warenwirtschaftsfunktionalitäten, die zur Optimierung des Tankstellengeschäftes beitragen. Allgemein kann man ­sagen, dass etwa 80 Prozent der Anforderungen von Esso bereits über unser System abgedeckt werden, aber 20 Prozent sind spezifische ­Neuanforderungen von Esso, die noch zu entwickeln sind.

Wie werden die Partner auf den Umgang mit dem neuen System geschult?
Heilingbrunner: Derzeit sind wir im Gespräch, um unser Schulungskonzept auf die Anforderungen von Esso abzustimmen. ­Voraussichtlich wird es regional mit etwas zeitlichem Vorlauf zum Rollout Schulungen für die Partner geben.

Was passiert, wenn es zu einem Störfall beim Kassensystem kommt?
Heilingbrunner: Wir bieten der Esso ein umfangreiches Servicepaket. Es beinhaltet vier Bausteine: Es gibt den First Level, also den technischen Helpdesk. Hier werden ­Anfragen der Tankstellenpartner zum System oder Meldungen von Störungen entgegengenommen. In der Regel können hier ­
bereits 80 Prozent der Probleme behoben werden.

Und die restlichen 20 Prozent?
Heilingbrunner: Die Dinge, die der Helpdesk nicht lösen konnte, gehen in den ­Second Level. Hier wählt sich unser Mit­arbeiter über eine sichere Verbindung auf die Station ein und versucht, das Problem zu lösen. Und dann gibt es noch eine kleine Anzahl von einem bis zwei Prozent, die in den Third Level gehen. Da müssen Releaseveränderungen durchgeführt werden, die dann gezielt auf die ­Station downgeloaded werden. Für Dinge, die nur durch einen ­Vor-Ort-Einsatz geregelt werden können, wie eine defekte Anzeige, haben wir bundesweit ein Team von mehr als 50 Servicetechnikern, die zur Station kommen. Um den Erfolg ­dieser Maßnahmen zu kontrollieren, gibt es monatliche ­Reportings, so dass wir gegenüber Esso aufzeigen können, ­inwieweit wir unsere vertraglichen Verpflichtungen einhalten.

Wie stellen Sie sich auf mögliche Weiterentwicklungen des Systems ein?
Heilingbrunner: Das aktuelle System ermöglicht, darauf aufzubauen. Wir können es kontinuierlich weiterentwickeln und neue Anforderungen, Technologien und neue Zahlarten integrieren. Ziel ist natürlich, das komplette Netz einheitlich und gleich­-mäßig mit Informationen zu beliefern, um den Aufwand für die Esso-Partner vor Ort auf ein Minimum zu reduzieren.

(Das Gespräch führte Annika Beyer.)

Das ist geplant
Ab 2016 wird Scheidt & Bachmann seine Hardware sowie das TMS 30 (Tankstellen Management System) innerhalb des Tankstellennetzes der Esso Deutschland installieren. TMS 30 beinhaltet die neueste Version der POS-Touchlösung, das Back Office System (BOS), den Sitemaster und das Scheidt & Bachmann Zentralsystem NMS (Network Management System). Die Lösung ist angebunden an die Esso-Gesellschaftszentrale und weitere Dienstleister. Das Paket wird durch einen Servicevertrag für die installierten Systeme abgerundet. 

 

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