Dienstag, 29.09.2020
22.06.2020
   

CO2-Kompensation

Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, gemeinsam mit Axel Niesing und Georg Willer beim offiziellen Projektstart Mitte Juni (v. l.) am Unternehmenssitz in Kiel.

Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, gemeinsam mit Axel Niesing und Georg Willer beim offiziellen Projektstart Mitte Juni (v. l.) am Unternehmenssitz in Kiel.

Willer-Wald wächst

Für rund 300.000 Euro hat Anton Willer Brachland in Schleswig-Holstein gekauft, um dort Bäume zu pflanzen. Mit dem Willer-Wald will das Kieler Familienunternehmen einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Ein Cent pro Liter – diesen freiwilligen Aufschlag bieten inzwischen einige Gesellschaften an, damit die Kunden ihren CO2-Ausstoß durch das Autofahren kompensieren können. Mit dem Betrag werden dann über Agenturen gesteuert Aufforstungsprojekte beispielsweise in Asien oder Südamerika finanziert. Einen ganz anderen Ansatz hat das norddeutsche Unternehmen Anton Willer gewählt, weil der Geschäftsführung die CO2-Kompensation über Agenturen zu intransparent erscheint. „Man weiß nicht genau, was mit dem Geld passiert und ein Projekt am anderen Ende der Welt ist für den Autofahrer in Deutschland nur schwer greifbar, auch wenn es ökologisch sinnvoll sein mag“, beschreibt Axel Niesing, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens, die Bedenken.

Als regionales Unternehmen mit Zentrale in Kiel entschied man sich deshalb dafür, den Beitrag zur Nachhaltigkeit in der eigenen Heimat zu leisten – aus eigener Tasche, ohne Preisaufschlag für den Autofahrer. Da Schleswig-Holstein mit nur elf Prozent Waldfläche mit Abstand das waldärmste Bundesland in Deutschland ist, sollten also hier und nicht in Indonesien oder Brasilien Bäume gepflanzt werden. Damit war die Idee für den Willer-Wald geboren. Das Konzept: Pro verkauften Kubikmeter Kraftstoff an den knapp 30 BFT-Willer-Tankstellen bepflanzt das Unternehmen einen Quadratmeter mit regionalen Baumsorten. Doch woher eine ausreichend große Fläche nehmen? Nach einer zeitaufwendigen Grundstückssuche wurde die Mineralölgesellschaft schließlich im Kreis Dithmarschen 80 Kilometer westlich von Kiel fündig. Mit nur drei Prozent Waldanteil liegt der Landkreis noch einmal unter dem Wert in Schleswig-Holstein und hält bundesweit den Negativrekord.

Das wird sich nun ändern: Anton Willer kaufte dort rund 230.000 Quadratmeter Brachland, das entspricht über 32 Bundesliga-Fußballfeldern. Bereits Ende März wurden auf 80.000 Quadratmetern, also einer Fläche von elf Fußballfeldern, 1,5 bis zwei Meter hohe Bäume gepflanzt, die Kohlendioxid binden und Sauerstoff produzieren. Damit geht das Unternehmen quasi in Vorleistung, denn die Fläche entspricht etwa dem Kraftstoffverkauf innerhalb eines Jahres. Die Investition für die Grundstücke belief sich auf etwa 300.000 Euro, die Ausgaben für die Aufforstung kann Niesing noch nicht genau beziffern. Für die laufenden Kosten fällt jedoch jährlich noch einmal ein fünfstelliger Betrag an.

Als prominente Unterstützung konnte die Geschäftsführung Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, als Schirmherr gewinnen. „Die Unternehmerfamilie Willer beziehungsweise die Anton Willer GmbH & Co. KG nimmt hier eine beispielhafte Vorreiterrolle ein, der hoffentlich noch viele folgen werden“, sagte der CDU-Landeschef anlässlich des offiziellen Projektstarts in der Unternehmenszentrale in Kiel, die wegen Corona von März auf Mitte Juni verschoben wurde.

Nachahmer gesucht

Informiert werden die Kunden über entsprechende Hinweise an den Tankstellen und im Internet auf schlautanken.sh. Als Marketingbudget will Niesing die Investition jedoch nicht bezeichnen, lieber als Umweltbudget. „Und natürlich wollen wir als Vorbild vorangehen und hoffen, dass wir mit dieser Aktion Nachahmer in der Branche finden“, ergänzt er. Dann wird es vielleicht bald die Westfalen-Wiese, die Heimburger-Heide, die Allguth-Au, den Score-Sumpf oder das Mönneke-Moor geben. (ab)

 

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