Im Rechtsstreit um vermeintlich "aktiviertes Wasser" sieht sich der Reinigungskonzern Kärcher als klarer Etappensieger über die verklagte US-Firma Tennant. Die Amerikaner hätten ihre angefochtene Werbeaussage "deutlich abgeschwächt" - noch vor dem Gerichtsurteil, das Ende April fallen soll. Das teilte der Weltmarktführer für Reinigungstechnik am 8. März am Stammsitz in Winnenden mit.
Der Streit dreht sich um Maschinen, die Wasser angeblich nur mit Strom zur Reinigungskraft einer Chemikalie verhelfen. Kärcher hält dieses Versprechen für äußerst unsauber.
Tennant behauptet in seinem Internetauftritt nicht mehr, dass die umstrittene ec-H2O-Technologie "Wasser in eine starke Reinigungslösung" verwandele. Am 8. März hieß es nur noch, dass die Geräte Wasser "in eine innovative Reinigungslösung" verwandelten. Das bewertet Kärcher nur als wachsweiche "unverbindliche Aussage".
Geht es wirklich ohne Chemie?
"Mit der Umstellung der Werbung von Tennant hat Kärcher eines seiner wesentlichen Ziele erreicht", sagte Kärchers Vize-Chef Markus Asch. Die zwei Wettbewerber konkurrieren bei Scheuersaugmaschinen, die etwa zur Reinigung von Bahnsteigen oder Schulfluren zum Einsatz kommen. Die Amerikaner werben damit, dass sich Kunden mit der sogenannten ec-H2O-Technologie den Reinigerzusatz sparen könnten. Kärcher hält dagegen, dass die Wirkung so erstens schlechter sei und zweitens das Hinterherputzen für ein gleiches Ergebnis - dann womöglich mit Chemie - am Ende doch teurer sei.
Wer in dem Streit um "irreführende Werbung" juristisch Recht hat, will das Landgericht Stuttgart Ende April verkünden.
Ein unabhängiger Wissenschaftler für physikalische Chemie hat sich für die Nachrichtenagentur dpa den Fall angeschaut. Er glaubt nicht an den angeblichen Erfolg der elektrischen Aktivierung. Der Effekt, bei dem Tennant das Wasser unter Strom setze und damit in seine Bestandteile aufspalte, halte nur Sekundenbruchteile und niemals lange genug, um wie eine ordentliche Reinigungschemikalie zu wirken. Ähnliche Argumente führt ein von Kärcher beauftragter Gutachter ins Feld. (dpa/kak)