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Uniti Cards- und Automations-Forum 2018: Branche im Sinneswandel?

In der großen Hamburger Runde diskutierten Vertreter der Mineralölbranche gemeinsam mit ­Experten aus der Automobilbranche über Digitalisierungsstrategien.
© Foto: Annika Beyer

Die Digitalisierung macht auch nicht vor der Tankstellenbranche halt. Welche Folgen das hat und wie man damit umgehen soll, war eines der Hauptthemen auf dem Uniti Cards- und Automations-Forum 2018.


Datum:
01.02.2018
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Vor dreißig Jahren ist man in sein eigenes Auto eingestiegen und einfach von A nach B gefahren. Und wenn sich der Tankfüllstand dem Ende neigte, hat man halt einen kurzen Stopp an der nächsten, im Idealfall günstigsten Tankstelle gemacht und dort bar oder vielleicht schon mit ­Karte bezahlt.

So einfach ist das heute nicht mehr: Immer häufiger ist es nicht das eigene Auto, sondern ein Carsharing-Fahrzeug, in dem man Platz nimmt. Und getankt werden muss zwar vorerst noch selbst, aber wie bezahlt? Bar, mit EC-Karte, Kreditkarte, Tankkarte, App oder sogar über das Cockpit? Und über wen wird die Zahlung abgewickelt? Über die Bank, die Mineralölgesellschaft, den Automobilhersteller oder einen anderen Dienstleister? Eines ist klar: Jeder will ein Stück vom Kuchen und möglichst viele Autofahrer an sich binden. Was der Kunde will, nämlich mit Sicherheit keine zehn parallellaufenden Lösungen, schien erst einmal irrelevant zu sein – bisher.

Denn inzwischen wird in der Branche heftig diskutiert, ob denn nun eine Eigen- oder doch eine Branchenlösung der richtige Weg ist, auch wenn man sich dann eventuell den Kunden „teilen“ muss. Wie eine solche Lösung aussehen könnte, beherrschte daher nicht nur ei­nige Vorträge auf dem Uniti Cards- und Auto­mations-Forum in Hamburg. Auch die große Hamburger Runde mit Vertretern der A-Gesellschaften, des Mittelstands, der Automobilbranche und Zahlungsverkehrsdienste nahm sich diesem Thema an.

Kundennutzen und Reichweite

Einig war man sich bei den folgenden Punkten: Egal, wer die Lösung anbietet, für den Kunden muss sie einfach sein, sie muss eine möglichst hohe Reichweite erzielen und es sollten sich neben dem Tanken auch andere Services wie Parken und die Mautabwicklung einbinden lassen. Konzepte, wie sie etwa Volkswagen Financial Services und der Zahlungsverkehrs- und Transaktionsdienstleister Worldline präsentierten, könnten diese Anforderungen erfüllen, sind aber unabhängig von den Mineralöl­unternehmen.

„Die Technologie der Vernetzung muss branchenübergreifend sein. Aber es gibt den Shell-Kunden und den Esso-Kunden und wir müssen jeweils für unsere Kunden individuelle Angebote machen können“, gab Klaus-Peter Rapp von Esso zu bedenken. „Grundsätzlich stehen wir branchenübergreifenden Kooperationen offen gegenüber. Aber ich glaube auch, dass jeder von uns das Interesse hat, den Kunden direkt ansprechen zu können und konkrete, individuelle Angebote zu machen“, stimmte Thomas Strauß, Tankstellendirektor bei Total, zu.

Daher verwundert es nicht, dass die A-Gesellschaften, die dank ihrer Netzgröße zumindest eine gewisse Reichweite erzielen, weiterhin an Eigenlösungen beispielsweise in Form von Apps tüfteln. Aktuell ist die App Aral me in der Mache, wie Jennifer Brekau, Mitglied des Aral-Vorstandes, verriet. Trotzdem sei man natürlich offen für neue Partner und Kooperationen. 

„Ich bin fest davon überzeugt, dass der Kundennutzen darüber entscheiden wird, was der Autofahrer haben will“, ­sagte Patrick Carré, General Manager Retail ­D-A-CH bei Shell Deutschland. Sein Unter­nehmen hätte jetzt schon viele Kunden, die daran interessiert seien, per App zu zahlen. „Da sollte man nicht darauf warten, bis sich irgendwann die Plattformfrage geklärt hat“, forderte Carré und ergänzte: „Man sollte den Ballon steigen lassen und sehen, was passiert, und gleichzeitig immer ein Auge darauf haben, was sich auf der Plattformseite tut.“

Und der Mittelstand? Der hat ebenfalls den Kundennutzen im Blick. „Die Branche muss sich auf einen Standard einigen, um hier für den Kunden einen größeren Nutzen zu verschaffen. Die Indi­vidualität der einzelnen Marktteilnehmer soll dabei natürlich erhalten bleiben“, beschrieb Holger Mark, Vorstandsvorsitzender der Avia, seine Vorstellung von einer Lösung. Eine EC-Karte lasse sich ja auch bei anderen Banken benutzen. „Ich bin davon überzeugt, dass die MÖG und der Mittelstand in dieser dynamischen Zeit zu klein und zu träge sind, um sich von außen etwa gegen einen kreativen Branchenfremden zu wehren“, befürchtete Mark.

„Die Digitalisierung wird den Verkaufsprozess aufnehmen. Das Payment wird dann Teil der Prozesskette sein und es ist für alle wichtig, diese Prozesskette zu beherrschen“, betonte Zahlungsexperte Jens Stolte. Deshalb sei es vielleicht im Sinne der mittelständischen Unternehmen, mit einem großen Player zu kooperieren. „Denn wenn die Fahrzeuge selbst die Tankpunkte vorschlagen – und das wird im Zuge der Digitalisierung sicherlich passieren – dann muss man sehen, dass man noch dabei bleibt“, sagte Stolte weiter.

Daten austauschen

„Jeder hat schon in einer gewissen Art und Weise ein eigenes Ökosystem. Das auf links zu bürsten und nun zu sagen, wir machen jetzt eine Plattformlösung, halte ich für falsch gedacht“, vertrat Markus Etzel, Sales Specialist Conncted Car and Value Added Services bei Worldline, die Meinung. Daher halte er auch ein Nebeneinander verschiedener Plattformen für denkbar – vorausgesetzt ein Datenaustausch untereinander sei im Sinne des Kundennutzens möglich.

Dieser Meinung war auch Heino Kantimm, Chief Expert Connected Verhicles bei SAP, in einem späteren Vortrag. Er schlug vor, nicht in den Kategorien „mein Kunde, dein Kunde“ zu denken, sondern in „unser Kunde“. „Wäre es nicht sinnvoller, sich zusammenzutun, um im Interesse des gemeinsamen Kunden eine bessere Leistung anbieten zu können? Das wäre in einem Plattformmodell hervorragend möglich“, war Kantimm überzeugt. 

(Autorin: Annika Beyer; Der Artikel erschien in Sprit+ 1./2.2018)

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