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Serie "Die nächste Generation": Im Sinne der Tradition

Michael Dittert verstärkt seit Herbst 2018 die Geschäftsführung des Familienunternehmens Oel-Heimburger mit Sitz in Rottweil.
© Foto: Annika Beyer

Eigentlich wollte Michael Dittert Lehrer werden. Doch während des Referendariats entschied sich der heute 34-Jährige um – und sorgte mit der Kehrtwende dafür, dass Oel-Heimburger ein Familienunternehmen blieb.


Datum:
17.12.2019
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„Ich hatte schon immer Benzin im Blut“ – dieser Satz fällt meist, wenn man mit Nachfolgern von Familienunternehmen aus der Mineralölbranche spricht. Es folgt der klassische Lebenslauf: Während der Schulzeit an der Tankstellenkasse gejobbt, dann ein BWL- oder VWL-Studium, währenddessen erste operative Einsätze im Unternehmen oder beim befreundeten Wettbewerb, schließlich – meist schon mit Ende 20 oder Anfang 30 – der Eintritt in die Geschäftsführung.

In diesem Sinne ist Michael Dittert eine Ausnahme, denn lange Zeit war nicht klar, dass der heute 34-Jährige in die Geschäftsführung des Rottweiler Mittelständlers Oel-Heimburger eintreten würde. Stattdessen entschied sich Dittert zunächst für ein Lehramtstudium auf Latein und Geschichte. Nach dem Staatsexamen folgte während des Referendariats jedoch der „Praxisschock“, wie er es selbst nennt. „Das Studium hat mir immer Spaß gemacht. Aber dann wurden die Bildungspläne umgestellt und ein Schuljahr wurde gestrichen. Damit hatte ich dann ehrlich gesagt meine Mühe“, erinnert sich der heutige Juniorchef.

Dass die ursprüngliche Berufswahl für den Sohn letztendlich nicht zufriedenstellend war, blieb von den Eltern Jutta und Deinhard Dittert nicht unbemerkt. So überraschte der Vorschlag der Mutter nicht: Der damals 28-Jährige könne doch das Familienunternehmen weiterführen, das sie und ihre Schwestern von ihrem Vater Artur Heimburger übernommen hatten. Bisher war dieser Berufsweg für beide Söhne – der ältere Bruder Thomas arbeitet als Ingenieur bei Bosch – keine Option gewesen. „Unsere Eltern haben uns zu nichts gedrängt, sondern immer gesagt: ‚Macht, was ihr für richtig haltet‘“, betont Dittert junior.

Angesichts der Unzufriedenheit mit dem Studium, kam er ins Grübeln. Hinzu kam: Der Onkel, der eigentlich als neuer Geschäftsführer angedacht war, entschied sich, lieber in der Schweiz zu bleiben. Die Familientradition siegte und Dittert beschloss, „es einfach zu probieren“. „Das war eine tolle Entscheidung. Die Firma würde es sonst heute wahrscheinlich so nicht mehr geben, weil wir verkauft hätten“, begrüßt Dittert senior den Entschluss seines Sohnes. Und auch die Inhaberinnen zeigten sich erleichtert, schließlich hat der Großvater Josef Heimburger das Unternehmen 1906 gegründet und der Vater Artur Heimburger es groß gemacht.

Sprache versus Zahlen

Um eine Grundlage für die Praxis zu erlernen, wechselte Dittert aus dem Reich der Geisteswissenschaften in die Welt der Zahlen und studierte noch mal drei Jahre BWL an der Fachhochschule in Aalen. Hier wird die Staffelstabübergabe wieder klassisch. „Mir haben beide Richtungen Spaß gemacht. Aber bei den Zahlen finde ich so schön, dass sie etwas Eindeutiges haben“, zieht Dittert heute den Vergleich. Praxiserfahrungen während des Studiums sammelte er bei einem mehrwöchigen Praktikum bei der Sprint Tank in Berlin. Das halbjährige Pflichtpraktikum absolvierte er ganz branchenfremd bei einem Fensterbauer in Rudersberg. „Das war überraschend spannend und vom Vertriebsmodell gar nicht so unähnlich zu unserer Branche“, erzählt Dittert.

Mit dem theoretischen Rüstzeug gewappnet ging es dann wirklich in die Praxis – vom Schwarzwald in die Hansestadt Hamburg, wo Dittert eineinhalb Jahre bei der Oil! in der Technikabteilung arbeitete. Im Oktober 2018 ging es schließlich zurück nach Baden-Württemberg und es folgte der Eintritt in die Geschäftsführung – neben seinen Eltern. „Quasi vom Praktikanten zum Geschäftsführer“, scherzt Dittert junior. Zum Glück aber ohne Sprung ins kalte Wasser. „Hier sitzen sehr viele Leute, die richtig gut wissen, was sie tun“, betont der Nachfolger.

Außerdem ist der 67-jährige Seniorchef nach wie vor topfit und steht seinem Sohn bei Fragen immer zur Seite. „Ich mache aber schon deutlich weniger als früher. Ich betreue noch ein paar Kunden und bin aus alter Verbundenheit weiterhin im Verband aktiv“, sagt der ehemalige Vorsitzende des Bundesverbands freier Tankstellen und ergänzt schmunzelnd: „Alle Dinge, die neu sind, betreffen mich dagegen eigentlich nicht mehr.“

Eines dieser neuen Themen, das dann eben beim Sohn als erstes großes Projekt auf dem Tisch gelandet ist, war die Gasrückführung. „Als Thema ist das ärgerlich, aber für mich war das ganz praktisch, weil ich bei der Oil! ja schon viel mit Technik zu tun hatte.“ Außerdem sei das eine gute Möglichkeit gewesen, die Standorte zu besuchen sowie die Partner und Mitarbeiter an den Tankstellen kennenzulernen. Auch die ersten Vertragsverlängerungen hat der Junior hinter sich und so die Gelegenheit, sich mit den komplexen Kontrakten auseinanderzusetzen. „So wächst man langsam in die neue Position rein, aber das ist natürlich noch nicht abgeschlossen“, weiß der 34-Jährige.

Ob er sich in 30 Jahren immer noch an der Spitze des ­Familienunternehmens sieht? „Ja, ich denke schon. Die Arbeit ist vielseitig und man muss sich ständig auf Neues einstellen, auch wenn das manchmal nicht so schöne Dinge wie Gesetzesänderungen sind.“ Außerdem seien die menschlichen Begegnungen mit den Mitarbeitern schön. Natürlich werde sich in den kommenden Jahrzehnten die Mineralölbranche verändern etwa durch neue Antriebsformen wie die Elektromobilität, aber mit einem Komplettumbruch rechnet er nicht. „Never change a running system – das funktioniert hier alles gut. Wir werden kosmetische Anpassungen vornehmen müssen, aber alles komplett zu ändern wird nicht notwendig sein“, ist Dittert überzeugt.

(Autorin: Annika Beyer; Der Artikel erschien in Sprit+ Ausgabe 12.2019.)

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