Schleppende Umstellung: 85 Prozent sind nicht fit für SEPA

26.07.2013 11:07 Uhr
Vom 1. Februar 2014 an dürfen Kreditinstitute Überweisungen und Lastschriften von Unternehmen und Vereinen nur im SEPA-Format bearbeiten.

Eine Kontonummer mit 22 Stellen, das klingt kompliziert. Tankstelleunternehmer müssen sich damit aber auseinandersetzen: In gut sechs Monaten beginnt die SEPA-Pflicht.

Unternehmen und Vereine in Deutschland stellen nur schleppend auf das neue Zahlungssystem SEPA mit seinen internationalen Kontonummern um. Banken- und Industrieverbände sehen ein halbes Jahr vor dem Start noch erheblichen Handlungsbedarf, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

Vom 1. Februar 2014 an dürfen Kreditinstitute Überweisungen und Lastschriften von Unternehmen und Vereinen nur im SEPA-Format bearbeiten. Die dafür nötige Gläubiger-Identifikationsnummer wurde nach Angaben der Bundesbank in Deutschland aber erst in 632.092 Fällen vergeben (Stand 23. Juli 2013) - obwohl es bundesweit 3,6 Millionen Unternehmen und rund 580.000 eingetragene Vereine gibt. Damit sind erst rund 15 Prozent der Unternehmen und Vereine für SEPA gerüstet. 

"In den größeren Unternehmen scheint das Thema SEPA inzwischen angekommen zu sein. Doch vielfach ist die Umstellung erst kurz vor knapp geplant", erklärte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. "Bei der SEPA-Lastschrift wird sich vor dem vierten Quartal vermutlich kaum etwas bewegen." 

Ein "alarmierendes Signal" nennt eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) die geringe Zahl vergebener Gläubiger-IDs. "Es ist allerhöchste Eisenbahn", mahnt sie. "Es ist ja nicht damit getan, die neue Kontonummer aufs Briefpapier zu drucken. Es muss ein komplett neues Bezahlverfahren implementiert werden." 

Nicht bis Weihnachten warten
Ähnliche Stimmen kommen aus dem genossenschaftlichen Lager. "Viele mittelständische Unternehmen und Vereine unterschätzen bislang noch den mit der SEPA-Einführung verbundenen zeitlichen Aufwand", bilanzierte Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Anfang Juli. Der Zulauf zu Informationsveranstaltungen sei enorm, doch dabei dürfe es nicht bleiben. Martin: "Daher mein Aufruf an alle Unternehmen und Vereine: Stellen Sie ihre SEPA-Fähigkeit vor Weihnachten her!" 

Der Handelsverband HDE forderte jüngst mehr Engagement der Politik bei der Information über den einheitlichen Euro-Zahlungsraum. "SEPA betrifft alle, egal ob Unternehmen oder Verbraucher. Die Aufklärung über die neuen gesetzlichen Anforderungen sollte daher in erster Linie vom Gesetzgeber erfolgen", erklärte HDE-Experte Ulrich Binnebößel. Schließlich sei SEPA ein politisches Projekt und die engen Fristen seien gegen die Überzeugung weiter Teile der Wirtschaft gesetzt worden. Gleichwohl müssten Unternehmen jetzt handeln und ihre Systeme umstellen, mahnte der HDE. Aktuell läuft bei dem Verband eine Umfrage, ob und inwieweit SEPA im Einzelhandel schon angekommen ist.

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