Aus der Praxis: Rabattkarten abschaffen, Potenzial wecken

12.05.2026 09:00 Uhr | Lesezeit: 4 min
Mitarbeiterin Stefanie Griel ist mit Steffen Nickel zusammen aus Berlin nach Havelberg gekommen.
Mitarbeiterin Stefanie Griel ist mit Steffen Nickel nach Havelberg gekommen.
© Foto: Steffen Nickel

Mit einem umfassenden Modernisierungskonzept will Tankstellenbetreiber Steffen Nickel eine Shell Station im ländlichen Havelberg auf Erfolgskurs bringen.

In dem anerkannten Erholungsort Havelberg (Sachsen-Anhalt) mit seinen knapp 6.500 Einwohnern geht es wesentlich gemütlicher zu als in der gut 100 Kilometer entfernten, süd-östlich gelegenen Hauptstadt. Das ist einer der Gründe für den Berliner Tankstellenbetreiber Steffen Nickel, sich hier ein zweites Standbein neben seiner Aral Station in Berlin zu eröffnen. "Mir wurde die Shell Tankstelle in Havelberg zur Pacht angeboten und da habe ich zugeschlagen, weil die Standortbedingungen sehr gut sind und hier noch einige Potenziale schlummern", erklärt der gebürtige Berliner. Und bereut seine Entscheidung bis jetzt nicht: "Es ist schön, in einer ländlichen Tankstelle zu arbeiten, wo alles nicht so stressig abläuft wie in der Großstadt, wo wir herkommen."

Pferdemarkt und Kaserne

Auch privat hat es den 45-Jährigen und seine Frau bereits vor fünf Jahren aufs Land gezogen, und zwar nach Brandenburg. "Deshalb fiel es mir auch nicht schwer, mich für das wunderschöne Havelberg zu entscheiden", erzählt Nickel. "Außerdem kenne ich Havelberg schon von dem legendären Pferdemarkt." Der ist der größte seiner Art in Europa und zieht jährlich rund 200.000 Besucher in die alte Dom- und Hafenstadt am Zusammenfluss von Elbe und Havel. "Die Lage mit nur zwei Tankstellen vor Ort und die Bundeswehrkaserne vor der Tür sind gute Voraussetzungen", zählt Steffen Nickel weitere Standortfaktoren auf. 1.500 Soldatinnen und Soldaten sind in der Havel-Elbe-Kaserne in unmittelbarer Nähe stationiert. Die befindet sich an der Pritzwalker Straße 20, der ausgebauten Bundesstraße B107, und ist umgeben von gewerblich und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ein Edeka- und ein Aldi-Nord-Markt sind in unmittelbarer Nähe angesiedelt.

Nickel weiß, worauf er sich einlässt, als er die in die Jahre gekommene Station im März dieses Jahres übernimmt. Er ist seit 2015 in der Tankstellenbranche selbstständig und hat vor über zehn Jahren mit einer Aral Tankstelle angefangen, nachdem er bereits elf Jahre als Stationsleiter Erfahrungen gesammelt hatte. "Man kann sagen, dass ich mich über 21 Jahre vom Mitarbeiter zum Tankstellenmehrfachbetreiber hochgearbeitet habe." Nach 2015 kamen zwei weitere Tankstellen dazu, von denen er zwei Aral Standorte zwischenzeitlich aus vertraglichen Gründen wieder abgeben musste. "Die Tankstellen habe ich immer mit meiner Frau zusammen gemanagt, da man alleine schnell an seine Grenzen stößt", gibt er zu. In Havelberg stehen dem Pächter-Ehepaar sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und eine Auszubildende zur Seite. Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten vom Vorgänger übernommen werden und drei sind mit den Nickels aus Berlin gekommen.

Eins nach dem anderen

Der Standort in Havelberg verfügt über einen Shell Select Shop mit Café, eine Waschanlage und einen Hermes-Paketshop. "Es ist leider an allen Ecken und Enden Modernisierungsbedarf", erläutert Nickel. Doch das soll nicht so bleiben. "Geplant ist viel, aber es braucht seine Zeit." Sein Modernisierungskonzept sieht unter anderem einen neuen Shop mit großem Backloader vor, einer gekühlten Getränkezelle, die von hinten nachfüllbar ist. Außerdem will Nickel das Bistro umfassend modernisieren. Auch die Waschanlage soll komplett saniert und mit einem modernen Waschportal ausgestattet werden. "Da sind wir gerade in den Sanierungsverhandlungen mit dem Eigentümer", erzählt Nickel. Er will ein Projekt nach dem anderen angehen.

Die Tangermünder Nährstange

Zuerst hatte es einige Zeit Probleme mit dem technischen Betriebssystem gegeben, die zunächst bewältigt werden mussten. Derzeit wird das Sortiment im Shop überarbeitet. Nickel hat das Angebot verkleinert und die Preise verändert, und zwar gesenkt. "Im Bistrobereich ist es schon geschehen, dass wir die Preise nach unten angepasst haben. Frei nach dem Motto ,leben und leben lassen'." Viele Artikel seien sogenannte Ladenhüter gewesen. Die Regalfläche wurde umgebaut und verkleinert. "Ich habe nur die Artikel im Sortiment gelassen, die auch verkauft werden, und sie um fehlende gute Artikel erweitert. Auch ein paar regionale Besonderheiten wie die Tangermünder Nährstange, ein altes DDR-Produkt."

Rabattkarten abgeschafft

Die Rabattkarten, die es bislang an der Station gab, hat Nickel alle abgeschafft. Nur zusätzliche Arbeit und die Gefahr einer hohen Fehlerquote, so sein Argument. Stattdessen hat er die Kaffeepreise um zehn Prozent nach unten angepasst. "So bekommt jeder seinen Rabatt, auch wenn er keine Rabattkarte hat. Ich stehe für ehrliche Preise."

Der hochmotivierte Pächter freut sich, dass sein Konzept, das er sich selbst erarbeitet hat, offenbar aufgeht und sich bereits die ersten Umsatzzuwächse bemerkbar machen. Dabei kann er sich auf gute Kontakte zu seinen Lieferanten verlassen, die er sich durch seine langjährige Tätigkeit in der Branche aufgebaut hat. Und auf professionelle Beratung, insbesondere durch die Lüning-Gruppe, die rund 800 Tankstellen im Norden und Westen Deutschlands mit Shop-Artikeln beliefert und ihm in allen Fragen rund um den Shop beratend zur Seite steht.

Solaranlage? Klare Empfehlung

Auch das Tankstellengebäude selbst wird schrittweise rundherum erneuert. Es beginnt derzeit mit der Sanierung des Daches und der Fassade. "In diesem Atemzug kommt eine große Solaranlage mit Speicher auf das Dach, wodurch man auf lange Sicht Geld spart, da die Strompreise ja nicht weniger werden", erklärt Nickel. Von seinen anderen Tankstellen bringt er die entsprechende Erfahrung mit. "Ich habe da mit einer guten Firma zusammengearbeitet und die Projekte umgesetzt." Er könne nur jedem empfehlen, eine Solaranlage zu installieren, so Nickel. Gerade jetzt, wo die Materialpreise für Solar fallen würden. Außerdem, weiß er, sei eine Solaranlage ein gutes Steuersparmodell.

Der Berliner betrachtet alle Bereiche der Tankstelle aus der Perspektive eines erfahrenen Unternehmers. "Wenn wir all diese Pläne umgesetzt haben", so Steffen Nickel, "erhoffe ich mir auch wie bei meinen vorherigen Tankstellen eine Steigerung des Umsatzes."

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