ADAC: Viele Rastanlagen sind teuer, unsicher und kinderfeindlich

22.07.2011 09:20 Uhr
Die Rastanlage Rabensteiner Wald an der Autobahn A4 bei Chemnitz bekam nur ein "ausreichend".
Ein Picknick will hier kaum jemand machen, schon gar nicht mit Kindern.
© Foto: ADAC

Zu diesem Ergebnis kommt der Autoclub, nachdem er 50 Autobahn-Rastanlagen in Deutschland getestet hat. Immerhin: Die Toiletten sind sauberer geworden.

Nachdem der ADAC vor einigen Wochen Tankstellen an Deutschland Autobahn unter die Lupe genommen hatte, waren nun 50 Autobahn-Rastanlagen dran. Das Ergebnis ist wenig berauschend: Teuer und nicht immer familienfreundlich seien die Rastplätze entlang der Autobahnen. Auch für die Sicherheit der Besucher müsste mehr getan werden: Es mangelt an Fußwegen und sicheren Überwegen, wie der am Donnerstag veröffentlichte Test des Clubs ergab. Immerhin die Hälfte aller Anlagen bekam eine gute Note, einmal gab es sogar "sehr gut". Nur zwei Anlagen schnitten "mangelhaft" ab. Im Vergleich zu früheren Tests gebe es insgesamt Fortschritte, sagte Testleiterin Simone Saalmann. In Sachen Gastronomie und Service, vor allem aber in der Hygiene hätten sich die Anlagen verbessert, die Toiletten seien besser ausgestattet. "Da ist schon sehr, sehr viel besser geworden", betonte Saalmann. Die ADAC-Tester untersuchten 25 Raststätten und 25 Autohöfe. Beide müssten sich vergleichen lassen, sagte Saalmann. Die Autohöfe abseits der Autobahn hätten schon vor Jahren damit geworben, außer für Lastwagenfahrer auch für andere Reisende und Familien da zu sein. Dennoch bleiben Unterschiede: Während Raststätten besser auf Familien eingestellt sind, haben Autohöfe die günstigeren Preise. Aufholbedarf bleibt: Bei den Autohöfen erreichten nur zehn ein gut, bei den Raststätten waren es 14. Die Anlage Recknitz-Niederung an der Autobahn 19 in Mecklenburg-Vorpommern bekam ein "sehr gut". Sie überzeugte den ADAC mit einer gepflegten Außenanlage, leckerem Essen, einem schönen Kinderspielplatz und dem besten Hygienestandard. Schlechteste Raststätte wurde die Anlage Rabensteiner Wald an der Autobahn A 4 bei Chemnitz mit einem "ausreichend". Bester Autohof wurde mit einem "gut" Mecklenburg an der A24. Er punktete mit einer großen Auswahl an warmen Speisen, Picknicktischen und einem sauberen Sanitärbereich. Zwei Autohöfe fielen mit "mangelhaft" praktisch durch: Der Autohof Northeim (Niedersachsen) an der A 7, Schlusslicht war der Autohof Löbichau an der A4 in Thüringen. Verschmutzte Toiletten, mäßige Gastronomie, kein Spielplatz und kein Kinderstuhl im Tankstellen-Restaurant nannte der ADAC als Gründe. Inhaberin ist "stinksauer" Die Inhaberin des Restaurants auf demselben Gelände in Löbichau sieht nun ihren Ruf beschädigt und fürchtet um Gäste. Ihr Lokal wurde in den Test nicht einbezogen. "Ich bin stinksauer und habe meinen Anwalt eingeschaltet", sagte Restaurant-Inhaberin Elke Schade der Nachrichtenagentur dpa. Sie fordert Schadenersatz. Das Schreiben des Anwaltes sei eingetroffen, bestätigte Saalmann. Als Autohof sei aber nur die Tankstelle mit ihrem Shop und eigener Gastronomie ausgewiesen und daher auch nur diese getestet worden, betonte sie. Die Vereinigung Deutscher Autohöfe (Veda), der neun der getesteten Anlagen angehören, begrüßte die Qualitätsprüfungen des ADAC. Sieben der Veda-Autohöfe hätten "gut" abgeschnitten, zwei "ausreichend". "Um unsere Kunden von der Autobahn zu holen, müssen wir günstiger und besser sein. Eine vierköpfige Testfamilie spart bei uns beim Tanken und Essen rund 40 Euro gegenüber der Autobahn", so die Veda. "Sicherheit und Sauberkeit wollen und werden wir konsequent verbessern." Die Testbedingungen im Bereich Verkehrssicherheit seien für den Verband allerdings nicht nachvollziehbar - gerade die Autohöfe hätten etwa einen separaten Pkw-Bereich, der sicher begangen werden könne. Der Raststättenbetreiber "Tank- und Rast" sieht sich durch den Test bestärkt. "Das gute Abschneiden unserer Betriebe ist das Ergebnis unseres konsequenten Qualitätsmanagements und fortwährender Modernisierungsmaßnahmen", sagte Geschäftsführer Karl-H. Rolfes laut Mitteilung. "Wir sehen natürlich auch, dass es weiteres Verbesserungspotenzial gibt. Daran werden wir arbeiten, damit unsere Kunden immer wieder gerne zu uns kommen. Das gilt vor allem für Familien mit Kindern." Dass die hohen Preise die Besucher der Raststätten am meisten ärgern, hatte Ende Juni eine repräsentative Umfrage des Kölner Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Nachrichtenagentur dpa ergeben. Während mit der Qualität die Hälfte der Befragten zufrieden war, fanden drei von vier die Raststätten zu teuer. Grundlage: Familie mit Kleinkind Ärger machten besonders die Toilettengebühren: Die vielfach geforderten 70 Cent hielten vier von fünf Befragten für zu viel, auch wenn der Gast einen Bon von 50 Cent zum Einkauf bekommt. An den Autohöfen, das beweist laut ADAC der Test, geht es auch kostenlos. "Autohöfe haben in der Hygiene genauso gut abgeschnitten - und das alles umsonst", sagte Saalmann. Sechs ADAC-Tester hatten von Ende März bis Juli ohne Voranmeldung zweimal an unterschiedlichen Tagen in unterschiedlicher Besetzung die Anlagen geprüft. Grundlage waren die Bedürfnisse einer Familie mit vier Mitgliedern, eines davon ein Kleinkind. (dpa/beg)

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