Donnerstag, 28.05.2020
05.07.2016
   

Uniti Expo

Esso-Europachef Hugo Detré

Hugo Detré, seit 2013 Retail Director Europe & Africa bei Exxon Mobil, erstaunt die Diskussionen über Kraftstoffpreise in deutschen Medien.

Esso flirtet mit dem Mittelstand

Mit welcher Strategie stellt sich Exxon Mobil dem Wettbewerb? Das fragte Sprit+ die Deutschland- und Europachefs der Mineralölgesellschaft und erfuhr: Es ist noch viel zu tun – gerade in Deutschland. // Teil 2: Hugo Detré

Herr Detré, in den letzten Jahren hat sich viel bei Esso in Deutschland bewegt. Manche kritisieren, dass das längst überfällig war. Warum hat das so lange gedauert?

Alles, was wir tun, müssen wir europäisch und letzten Endes global gewichten. Wenn Sie zurückschauen auf die Jahrtausendwende, als sich Exxon und Mobil Oil weltweit zusammengeschlossen haben, wurde sehr viel Zeit damit zugebracht, diese beiden Unternehmen zu verschmelzen. Dabei hatte Deutschland keine hohe Priorität, weil hier die Integration problemlos lief, da Mobil keine Tankstellen hatte.

Diese Phase ist vorbei und wir können uns in Deutschland und anderen europäischen Ländern darauf konzentrieren, globale Projekte in die verschiedenen Märkte zu bringen. Ein Beispiel dafür ist Synergy. Die Ergebnisse in den Ländern, in denen das Konzept schon eingeführt wurde, sind sehr ermutigend. Dabei steht Synergy nicht nur für die Premiumkraftstoffe, sondern wir arbeiten an der kompletten Kraftstofffamilie. Darüber hinaus investieren wir nicht nur in unser Tankstellennetz, sondern auch in die Logistik und Raffinerien. Damit leisten wir einen Beitrag zur Versorgungssicherheit in Europa.

Wie wichtig ist der deutsche Markt innerhalb Europas für Exxon Mobil?

Von der Anzahl der Stationen her hat zwar Italien das größte Netz. Wenn man dagegen auf das Absatzvolumen und die Kapazität schaut, dann ist Deutschland vergleichbar mit UK. Damit ist Deutschland für uns ein sehr wichtiger Markt in Europa, nicht nur wegen der Grö­ ße und des Potenzials, sondern auch wegen der Anbindung zu unseren Raffinerien in Antwerpen und Rotterdam.

Wie unterscheidet sich denn der deutsche Tankstellenmarkt von anderen?

Jeder Markt ist natürlich anders. Für mich liegt der größte Unterschied bei den Preisdiskussionen in den Medien, obwohl Deutschland eine große wirtschaftliche Kraft hat. Und dann gibt es einen weiteren Unterschied, nämlich wie das Tankstellennetz hier organisiert ist. Agenturgeschäft haben wir auch in anderen Märkten, allerdings nicht so ausgeprägt wie in Deutschland.

Gibt es Konzepte, die beispielsweise hier getestet und dann in andere Länder übertragen werden?

Es gibt natürlich einen engen und regelmäßigen Austausch zwischen den verschiedenen Märkten und den verantwortlichen Managern. Wenn etwas in einem Markt erfolgreich ist, testen wir, ob es woanders genauso gut funktioniert. Größere Themen wie Synergy sind dann sogar global getrieben. Allerdings haben wir in der Vergangenheit solche Projekte noch nicht in Deutschland getestet und von hier aus auf andere Märkte übertragen. Das heißt natürlich nicht, dass das immer so bleiben wird. Aber für ein amerikanisches Unternehmen ist es schon von der Sprache her einfacher, neue Ansätze in UK auszuprobieren.

Wie stellt sich Exxon Mobil für die Zukunft auf, wenn die Kraftstoffabsätze in Europa wie prognostiziert sinken werden?

Ja, die Absätze werden sinken, aber es wird immer noch Kraftstoff verkauft werden. Selbst für 2040 rechnen wir damit, dass zwei Drittel des Energiebedarfs im Verkehrssektor durch fossile Kraftstoffe gedeckt werden. In den verschiedenen Teilen der Welt wird die Entwicklung aber unterschiedlich sein: Manche Märkte werden wachsen, andere werden sich eine Zeit lang stabilisieren und dann sogar schrumpfen. Deshalb muss es das Ziel sein, das Angebot für den Kunden so zu gestalten, dass Angebot und Nachfrage im Einklang sind.

(Der Artikel erschien in Ausgabe 7.2016 von Sprit+; Das Gespräch führte Annika Beyer.)

 

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