Sonntag, 12.07.2020
05.07.2019
   

Umfrage

Mehr als jeder zweite Deutsche hält E-Fuels für eine sinnvolle Alternative zu Elektroautos mit Batterien.

E-Fuels stoßen auf reges Interesse

Die Deutschen zeigen sich für klimaschonende Kraftstoffe offen, solange sie nicht viel teurer sind als herkömmlicher Sprit. Doch in der Politik ist man sich uneins, ob der Einsatz im Autoverkehr sinnvoll wäre.

Die Mehrheit der Bürger in Deutschland hat Interesse an klimaschonenden synthetischen Kraftstoffen. Sie dürften das Portemonnaie der Autofahrer aber nicht viel stärker belasten als herkömmlicher Sprit, wie eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Für knapp die Hälfte der Befragten sollten mit Öko-Strom hergestellte sogenannte E-Fuels unter 1,50 Euro pro Liter kosten. 28 Prozent fänden 1,5 bis zwei Euro in Ordnung. Damit dürften E-Fuels in der Regel nicht viel mehr kosten als ein Liter Superbenzin, dessen Preis laut Mineralölverband im Mai bei 1,53 Euro lag.

E-Fuels werden mit erneuerbaren Energien hergestellt. Dabei kann das Kohlendioxid (CO2) direkt aus der Luft stammen. Sie unterscheiden sich in ihren chemischen Strukturen und Grundeigenschaften nicht von herkömmlichem Diesel oder Benzin aus Erdöl. Diese klimaneutrale Form des Treibstoffs für Autos ist hierzulande nicht an Tankstellen zu kaufen, es gibt aber Pilotprojekte.

Aufwendige Herstellung

Zuletzt ist eine Debatte über die synthetischen Kraftstoffe entbrannt. Während die eine Seite einen guten Weg darin sieht, auch ältere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor klimaneutral fahren zu lassen, haben unter anderem Umweltschützer Vorbehalte. Sie kritisieren die niedrige Energieeffizienz. Denn das Verfahren zur Herstellung ist aufwendig.

Umweltschützer und Grüne wettern sogar gegen künstliche Kraftstoffe. "E-Fuels sind derzeit unbezahlbar teuer und ineffizient", sagte etwa der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer. Baden-Württembergs Innenminister und Vize-Chef der grün-schwarzen Landesregierung Thomas Strobl (CDU) hielt am Donnerstag dagegen: "Es geht darum, die beste Lösung für die Mobilität der Zukunft zu finden." Technologieoffenheit sei dabei der Schlüssel. "Dazu zählt, dass wir einerseits Elektromobilität durch Ladeinfrastruktur ermöglichen – genauso wie Forschungsförderung für Brennstoffzellen, Wasserstoffantriebe oder eben auch synthetische Kraftstoffe."

Die Unionsfraktion in Berlin hatte sich jüngst in einem Positionspapier für einen Ausbau der Förderung von E-Fuels ausgesprochen. Der FDP-Fraktionsvize im Bundestag, Michael Theurer, sieht das ähnlich: "Sowohl E-Fuels als auch die Brennstoffzelle können einen wichtigen Beitrag für CO2-Reduktion und Umsetzung der Energiewende liefern", sagte er.

Viele deutsche Autofahrer würden E-Fuels nutzen. Mehr als 50 Prozent der Befragten der YouGov-Umfrage halten E-Fuels für eine sinnvolle Alternative zu Elektroautos mit Batterien – fast zwei Drittel würden synthetische Kraftstoffe tanken. 72 Prozent finden, dass die Politik Alternativen zu herkömmlichen Kraftstoffen oder Elektroautos zu wenig fördert. Doch den eigenen Geldbeutel dürfte auch eine solche Förderung zumeist nicht belasten. Zusätzliche Steuern auf Diesel und Benzin etwa, um die Produktion von E-Fuels aufzubauen, lehnen 56 Prozent der Befragten ab. 29 Prozent wären dafür. (dpa)

 

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