Mineralölgesellschaften: Hohe Ölpreise sorgen für Gewinnsprünge

30.10.2026 08:56 Uhr | Lesezeit: 3 min
Zinsen
Zusätzliche Erträge aus Handel und Raffinerien überwogen die Belastungen durch Liefer- und Produktionsschwierigkeiten deutlich.
©Foto: patpitchaya - stock.adobe.com

Der Iran-Krieg treibt Öl- und Gaspreise nach oben. Shell, Total Energies und Repsol melden kräftige Gewinnsprünge. Während Anleger zugreifen, wächst der politische Streit um die Profite.

Die durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Öl- und Gaspreise lassen die Kassen bei den Ölmultis klingeln. Total Energies, Shell und Repsol meldeten Gewinnsprünge. Aktionäre sollen durch Aktienrückkäufe profitieren. An der Börse legten die Aktien am Donnerstag zu. Scharfe Kritik an den Zahlen kam aus der deutschen Politik. Schon länger gibt es eine Debatte über eine sogenannte Übergewinnsteuer.

Der Ölpreis für Brent lag im dritten Quartal durchschnittlich bei mehr als 90 US-Dollar pro Barrel, aktuell sind es rund 113 Dollar. Vor Kriegsbeginn Ende Februar waren es weniger als 70 Dollar. 

Shell und seine Konkurrenten betrieben ihre Raffinerien in den vergangenen Monaten so intensiv wie möglich. Zusätzliche Erträge aus Handel und Raffinerien überwogen die Belastungen durch Liefer- und Produktionsschwierigkeiten deutlich. Auch der Ausfall von Flüssigerdgaslieferungen aus dem Persischen Golf bescherte großen Energiekonzernen unerwartete Gewinne, obwohl sie im Nahen Osten Produktionsausfälle hinnehmen mussten.

Shell: Gewinn verdoppelt

Shell verdoppelte den bereinigten Gewinn im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 10,8 Milliarden Dollar (9,7 Milliarden Euro). Das ist der zweithöchste Quartalsgewinn der Unternehmensgeschichte. Shell übertraf damit die Analystenerwartungen. Einen noch höheren Quartalsgewinn hatte der Konzern nur 2022 nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine erzielt.

Bei Total Energies stieg der bereinigte Nettogewinn im Jahresvergleich auf mehr als das Doppelte. Er erreichte gut 9 Milliarden Dollar. 

Repsol vervielfachte den bereinigten Gewinn von 0,75 auf gut 2,7 Milliarden Euro. Das spanische Unternehmen kündigte sein drittes Aktienrückkaufprogramm in diesem Jahr an. Noch in diesem Jahr sollen weitere Aktien im Wert von 950 Millionen Euro zurückgekauft werden. 

Shell kündigte Aktienrückkäufe von fünf Milliarden Dollar an, zwei Milliarden mehr als im abgelaufenen Quartal. Total Energies will im Schlussquartal und im ersten Quartal 2027 eigene Aktien für 2,5 Milliarden Dollar zurückkaufen.

Aktienrückkäufe können den Wert der verbleibenden Aktien steigern, wenn die erworbenen Papiere eingezogen werden. Dadurch steigt der Gewinnanteil der verbleibenden Aktien.

Grüne und Linke fordern erneut Übergewinnsteuer 

Die gestiegenen Öl- und Dieselpreise sowie die hohen Konzerngewinne sorgen für politische Diskussionen. Von der Bundesregierung werden weitere Maßnahmen gefordert über den Tankrabatt hinaus. 

"Während wir alle unter hohen Spritpreisen und den Folgen der Klimakrise ächzen, erbeuten Shell, Total und die anderen Ölkonzerne auch in diesem Quartal wieder Rekordprofite. Statt diese gemeingefährlichen Übergewinne zu besteuern, kippt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil den Ölbossen mit seinem wirkungslosen Tankrabatt zusätzlich Steuergelder in den Rachen", sagte die klimapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lisa Badum. 

Der finanzpolitische Sprecher der Linke-Bundestagsfraktion, Christian Görke, forderte ebenfalls eine Übergewinnsteuer: "Übergewinne kann man definieren, und man kann sie national in einem Land besteuern. Klingbeil und die SPD dürfen sich jetzt nicht weiter hinter der EU verstecken. Sie könnten sofort ein neues Gesetz in den Bundestag einbringen, angelehnt an das von 2022, das wäre überhaupt kein Problem."

In Hamburg demonstrierten Greenpeace-Aktivisten an einer Shell Tankstelle für eine Übergewinnsteuer. Greenpeace beklagt eine "Preiserpressung" der Konzerne, wie es in einer Mitteilung hieß.

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