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Appell: Den wirtschaftlichen Neustart mit Klimaschutz verbinden

IWO und MWV wünschen sich ein verlässliches Umfeld für die Markteinführung synthetischer Kraft- und Brennstoffe.
© Foto: IWO

MWV und IWO fordern, nach Überwindung der Corona-Krise die wirtschaftliche Wiederbelebung zu nutzen, um mit CO2-reduzierten Kraft- und Brennstoffen für mehr Klimaschutz in den Bereichen Verkehr und Wärme zu sorgen.


Datum:
24.04.2020
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Die anstehende wirtschaftliche Wiederbelebung nach Überwindung der Corona-Krise bietet die Möglichkeit, mit CO2-reduzierten Kraft- und Brennstoffen für mehr Klimaschutz in den Bereichen Verkehr und Wärme zu sorgen. Darauf verweisen der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) und das Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO) in einem gemeinsamen Appell.

„Die Chancen für eine Weichenstellung, die Wirtschaftswachstum und mehr Klimaschutz verbindet, sind nach der Corona-Krise gegeben. Durch das nun notwendige staatliche Engagement kann die erneuerbare Energieerzeugung nicht nur im Stromsektor einen wichtigen Schub erhalten“, erklären MWV-Hauptgeschäftsführer Christian Küchen und IWO-Geschäftsführer Adrian Willig. „Dazu sollte insbesondere auch die Förderung erneuerbarer Kraft- und Brennstoffe gehören, denn mit diesen lassen sich Impulse für Wirtschaft und Klimaschutz gezielt verbinden.“ Sie fordern die Bundesregierung dazu auf, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen – auch auf europäischer Ebene. Dazu gehöre insbesondere eine kluge und konsequente CO2-Bepreisung. Zahlreiche Studien belegen, dass erneuerbare flüssige Energieträger notwendig sind, um die Klimaziele zu erreichen. Dabei handelt es sich zum einen um fortschrittliche Biokraftstoffe und zum anderen um mittels regenerativ erzeugten Stroms hergestellte synthetische Kraft- und Brennstoffe, so genannte Power-to-X- (PtX)-Produkte. Sie schließen die Lücke, die durch Energieeffizienz oder die direkte Nutzung von „grünem“ Strom in Deutschland nicht abgedeckt werden kann. „Daher benötigen wir auch künftig einen technologieoffenen Energiemix, zu dem treibhausgasarme und perspektivisch CO2-neutrale Kraft- und Brennstoffe zählen“, so Küchen und Willig.

Bis zu 470.000 neue Arbeitsplätze durch PtX  

Voraussetzung sei zunächst selbstverständlich, dass die Welt die Corona-Krise in den Griff bekomme. „In der anschließenden Phase des Hochlaufens der industriellen Produktion sollte die Chance genutzt werden, einen wachsenden Markt für erneuerbare Kraft- und Brennstoffe zu schaffen. Das würde sich sowohl für den Klimaschutz als auch für die deutsche Wirtschaft und potenzielle Partnerländer sehr positiv auswirken“, so Küchen und Willig. PtX lasse sich in vielen Weltregionen aufgrund besserer Standortbedingungen für erneuerbare Energien günstiger realisieren als hierzulande. Willig: „Die heimische Wirtschaft könnte in einem globalen Markt für alternative Kraft- und Brennstoffe die Rolle eines Technologie-, Maschinen- und Anlagenexporteurs übernehmen. Sie ist hier heute bereits führend.“ Dadurch könnten sich einer Studie von IW Köln/Frontier Economics zufolge hierzulande bis 2050 zusätzliche Wertschöpfungseffekte von jährlich im Schnitt 36,4 Milliarden Euro sowie bis zu 470.000 neue Arbeitsplätze ergeben. In die wirtschaftliche Wiederbelebung sollte die Bundesregierung daher konkrete Maßnahmen integrieren, die ein verlässliches Umfeld für die Markteinführung synthetischer Kraft- und Brennstoffe schaffen. Nach einem Markthochlauf im Straßenverkehr seien die erneuerbaren Energieträger dann auch in den anderen Sektoren wie Luftfahrt, Schifffahrt, Gebäudebereich und der Industrie nutzbar, so MWV und IWO.

Umstellung von Energiesteuer auf CO2-Bepreisung

Neben Investitionen in Forschung und Markteinführungsprogramme sowie die Anerkennung regenerativer Brenn- und Kraftstoffe in Regelungen und Gesetzen, gehöre auch eine kluge und zukunftsweisende CO2-Bepreisung zu den notwendigen Rahmenbedingungen, so Küchen. „Dabei kann es in Anbetracht der aktuellen ökonomischen Herausforderungen nicht darum gehen, Kraft- und Brennstoffe einfach zu verteuern. Wir müssen vor allem dafür sorgen, dass ihre Treibhausgasemissionen sinken.“ Dies wäre durch eine konsequente Umgestaltung der Energiesteuern zu einem CO2-Bepreisungssystem möglich. Daher sollte sich die Bundesregierung auf EU-Ebene im Rahmen des „Green Deals“ für eine Umstellung der Energiesteuer in eine CO2-Bepreisung einsetzen. „Das würde zum Beispiel bei Benzin bereits kurzfristig ein kräftiges Preissignal in der Größenordnung von 300 Euro pro Tonne CO2 ermöglichen, ohne die Verbraucher zusätzlich zu belasten“, so Küchen. Ein solches Modell würde deutliche, auch international sichtbare, Investitionsanreize schaffen und damit einen Markthochlauf erneuerbarer Kraftstoffe unterstützen. „Die Bundesregierung sollte sich zudem für die Anerkennung treibhausgasreduzierter Kraftstoffe im Rahmen der Flottenregulierung stark machen“, fordern Küchen und Willig. Ein Fahrzeug, das mit erneuerbaren Kraftstoffen betrieben wird, dürfe nicht anderes behandelt werden als ein Elektrofahrzeug. (red)

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