Kimafreundliche Politik: „Vertrauen des Mittelstands ist gesunken“

09.02.2026 17:05 Uhr | Lesezeit: 3 min
In seinem Vortrag ging Perkmann auf Herausforderungen bei der Erreichung der Klimaziele ein und nahm dabei vor allem die Politik in die Pflicht, aktuelle Rahmenbedingungen zu überdenken
Thomas Perkmann ging auf Herausforderungen bei der Erreichung der Klimaziele ein und nahm dabei vor allem die Politik in die Pflicht, aktuelle Rahmenbedingungen zu überdenken
© Foto: Gadplan

Unsichere politische Rahmenbedingungen, fehlende Planungssicherheit und zu komplexe Förderprogramme hemmen Investitionsentscheidungen, meint Thomas Perkmann, Vorstandsvorsitzender der Westfalen-Gruppe. Als eine der zentralen Hürden benannte Perkmann die hohen Energiepreise in Deutschland.

Eine erfolgreiche Klima- und Energiewende der deutschen Wirtschaft ist zwar ohne den Mittelstand nicht denkbar. "Doch gerade kleine und mittlere Unternehmen tun sich derzeit schwer, in klimafreundliche Technologien zu investieren und ihre Geschäftsmodelle entsprechend auszurichten", erklärte Thomas Perkmann, Vorstandsvorsitzender der Westfalen-Gruppe, beim Führungstreffen Energie im Rahmen der E-World in Essen. Westfalen versorgt rund 70.000 Gewerbekunden mit Industriegasen, Kraftstoffen und Wärmeenergie.

"Wir erleben die Stimmung unserer Kunden sehr unmittelbar", so Perkmann vor Vertretern aus Energiewirtschaft und Politik. "Unsichere politische Rahmenbedingungen, fehlende Planungssicherheit und zu komplexe Förderprogramme hemmen Investitionsentscheidungen. Hinzu kommen eine geringe Zahlungsbereitschaft für klimafreundliche Produkte sowie die weiterhin hohe Wettbewerbsfähigkeit fossiler Technologien. Diese Kombination ist Gift für den Hochlauf nachhaltiger Lösungen."

Als eine der zentralen Hürden benannte Perkmann die im internationalen Vergleich weiterhin hohen Energiepreise in Deutschland: "Das Vertrauen des Mittelstands in eine klimafreundliche Politik ist den vergangenen Jahren spürbar gesunken. Umso wichtiger sind wettbewerbsfähige Energiekosten sowie verlässliche und langfristige Rahmenbedingungen. Gerade mittelständische Unternehmen benötigen Planungssicherheit, wenn sie hohe Investitionen stemmen sollen."

Wasserstoff bleibt in der Nische

Auch Westfalen selbst musste ambitionierte Transformationsziele an die aktuellen Marktgegebenheiten anpassen. So wollte das Unternehmen innerhalb von fünf Jahren rund 500 Millionen Euro in neue Geschäftsfelder investieren. "In einigen Bereichen verläuft die Entwicklung jedoch langsamer als erhofft – insbesondere beim Wasserstoff", erläuterte Perkmann. Zwar sei grüner Wasserstoff in bestimmten industriellen Anwendungen perspektivisch unverzichtbar und technisch grundsätzlich verfügbar, aktuell verhindere jedoch vor allem das hohe Kostenniveau einen breiteren Markthochlauf. Die Nachfrage bleibe bislang auf Nischen beschränkt.

Etwas optimistischer zeigte sich Perkmann mit Blick auf andere Bereiche der Energiewende. "Im Pkw-Segment ist die Elektromobilität gesetzt, bei schweren Nutzfahrzeugen ist der technologische Pfad hingegen noch offen", sagte er. Auch in der Energieversorgung spiele Elektrifizierung eine Schlüsselrolle, denn mit der Wärmepumpe stehe eine geeignete Technologie zur Verfügung. Nach einer leichten Markterholung 2025 zeigten sich aktuell jedoch erneut Verunsicherungen, ausgelöst durch die politische Diskussion um das Gebäudeenergiegesetz. Dadurch werde vorhandenes Potenzial gebremst.

Perkmanns Fazit: "Wenn wir wollen, dass der Mittelstand die Klima- und Energiewende mitträgt, brauchen wir mehr Klarheit, mehr Verlässlichkeit und wirtschaftlich tragfähige Lösungen. Nur dann werden Investitionen wieder in der nötigen Breite stattfinden."

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