"Der Konflikt im Nahen Osten macht deutlich, wie teuer und gefährlich die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Öl- und Gasimporten ist", betont Christian Hower-Knobloch, CEO von Nexogas. "In der Diskussion darüber wird jedoch häufig nur über Strom gesprochen. Das reicht nicht aus. Denn für eine klimaneutrale Volkswirtschaft braucht Deutschland auch grüne Moleküle – für Industrie, Verkehr und Wärme. Laut Studien werden davon bis zum Jahr 2045 jährlich rund 560 Terawattstunden benötigt. So viel klimafreundliche Energie lässt sich ohne Wasserstoff und Biomethan nicht erzeugen. Während Wasserstoff viel Aufmerksamkeit erhält, wird Biomethan unterschätzt – obwohl es zentrale Vorteile vereint.
Die Vorteile von Biomethan
Biomethan ist speicherbar, sofort verfügbar und gelangt über eine in Deutschland bereits bestehende Infrastruktur zu Verbrauchern und Unternehmen: das Gasnetz. Vor allem aber ist es regional erzeugbar. Es entsteht aus Bioabfällen, landwirtschaftlichen Reststoffen oder begrenzt aus Anbaubiomasse. Damit ist Biomethan sowohl ein Klimaschutzinstrument als auch ein Beitrag zu Versorgungssicherheit und geopolitischer Unabhängigkeit. Es muss nicht durch die Straße von Hormus.
Das große Interesse der Investoren
Aktuell werden jährlich rund 12 Terawattstunden Biomethan ins deutsche Gasnetz eingespeist. Das Potenzial liegt deutlich höher: jeweils etwa 100 Terawattstunden aus Abfällen, Anbaubiomasse und europäischen Importen sind möglich. Mit diesen 300 Terawattstunden könnte Biomethan mehr als die Hälfte des künftigen Bedarfs an grünen Molekülen decken. Das Interesse der Erzeuger ist vorhanden: Investitionen im Milliardenbereich stehen bereit. Was fehlt, sind verlässliche politische Rahmenbedingungen für den deutschen Markt.
Die falschen Signale des Gesetzgebers
Genau hier liegt das Problem. Einerseits signalisiert der Gesetzgeber mit dem Gebäudeenergie- und Modernisierungsrecht, dass grüne Gase gewollt sind und gebraucht werden. Andererseits gefährden geplante Änderungen im Energiewirtschaftsrecht die Investitionssicherheit. Demnach soll das Privileg für den Netzanschluss von grünen Gasen wegfallen. Außerdem soll der Gasnetzbetreiber das Anschlussverhältnis mit dem Biomethanhersteller mit einer Kündigungsfrist von zehn Jahren beenden können. Damit würden den Biomethanherstellern ihre Investitionen in die kapitalintensiven Anlagen entwertet. Denn Banken und Investoren brauchen eine gesicherte Laufzeit von 20 Jahren für eine Finanzierungszusage.
In anderen Ländern wird gezeigt, wie man es richtig macht. Die Franzosen und die Niederländer setzen konsequent auf Biomethan – nicht mit hohen Subventionen, sondern mit klaren politischen Bekenntnissen. Genau das braucht auch Deutschland: Planungssicherheit statt Förderchaos."