Frustration oder Leistungsdruck: Wirtschaftskriminelle oft langjährige männliche Mitarbeiter

24.08.2011 13:00 Uhr
Bestechung ist laut Studie eine "gängige" Methode" für die "Akzeptanz von überhöhten Projektkosten".
Fast alle Betrüger sind Mehrfachtäter.
© Foto: photos.com

Sie greifen in die Firmenkasse oder nehmen Bestechungsgelder an: Häufig sind es langjährige Mitarbeiter in Führungspositionen, die sich auf Kosten ihres Unternehmen bereichern.

Ausgerechnet langjährige Mitarbeiter in Führungspositionen schaden laut einer Studie ihren Firmen durch kriminelles Verhalten am häufigsten. Aus Frustration oder Leistungsdruck greifen sie in die Firmenkasse oder lassen sich bestechen. Nach einer am Mittwoch in Frankfurt veröffentlichten internationalen Untersuchung des Beratungsunternehmens KPMG ist der Täter in den meisten Fällen männlich (87 Prozent), Mitte 30 bis Mitte 40 und bekleidet eine Führungsposition (82 Prozent), vor allem im Finanzbereich oder Vertrieb. Der durchschnittliche Schaden pro Fall liegt demnach bei einer Million Euro. In drei von vier Fällen nutzten die Täter laxe interne Kontrollen aus. Die meisten Wirtschaftskriminellen (60 Prozent) sind länger als fünf Jahre im Unternehmen, wenn die Tat aufgedeckt wird, ein Drittel sogar zehn Jahre und mehr. Die häufigsten Delikte sind Betrug beim Einkauf von Waren und Dienstleistungen oder der Griff in die Unternehmenskasse. Auch gefälschte Finanzkennzahlen, um Verluste oder schlechte Entwicklungen zu verschleiern, sind den Angaben zufolge relativ häufig. "Die Annahme von Bestechungsgeldern für die Akzeptanz von überhöhten Projektkosten ist ebenfalls eine gängige Methode", sagte KPMG-Partner Frank Hülsberg. Veränderungen der persönlichen Lebensumstände, Frustration und Leistungsdruck sind häufig Gründe, warum einst zuverlässige Mitarbeiter dem eigenen Unternehmen schaden. KPMG zufolge gibt es meist schon früh erste Hinweise. Ein Warnsignal sei beispielsweise, wenn ein Mitarbeiter offensichtlich über seine Verhältnisse lebe. Der Studie zufolge wurden jedoch nur 6 Prozent aller Hinweise verfolgt, ein Rückgang um fast 20 Prozentpunkte gegenüber der Untersuchung aus dem Jahr 2007. "Das ist umso fataler, als die ganz überwiegende Mehrheit der Betrüger, nämlich 96 Prozent, Mehrfachtäter sind", sagte Hülsberg. Die Einhaltung von Gesetzen und internen Richtlinien ist in den meisten deutschen Großunternehmen allerdings inzwischen Chefsache: Fast die Hälfte (45 Prozent) hat ein eigenes Vorstandsressort Compliance eingerichtet oder die Zuständigkeit direkt dem Vorstandschef zugeordnet, wie aus einer KPMG-Umfrage bei 36 großen Unternehmen hervorgeht. (dpa/beg)

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Sprit+ Online ist der Internetdienst für den Tankstellenmarkt und richtet sich an Tankstellenunternehmer, Waschbetriebe, Mineralölgesellschaften und Verbände. Neben tagesaktuellen Nachrichten mit besonderem Fokus auf die Bereiche Politik, Shop/Gastro, Tank-/Waschtechnik und alternative Kraftstoffe enthält die Seite ein Branchenverzeichnis. Ergänzt wird das Online-Angebot um betriebswirtschaftliche Führung/Personalien und juristische Angelegenheiten. Relevante Themen wie E-Zigaretten, Energiemanagement und Messen findet man hier ebenso wie Bildergalerien und Videos. Unter #HASHTAG sind alle wichtigen Artikel, Bilder und Videos zu einem Themenspecial zusammengefasst. Ein kostenloser Newsletter fasst 2x wöchentlich die aktuellen Branchen-Geschehnisse zusammen.