Die steigenden Ölpreise sind nach Einschätzung des deutschen BP-Chefs Uwe Franke nicht durch die reale Lage auf globalen Ölmärkten zu erklären. „Da ist viel Psychologie dabei und die Hoffnung, dass der weltweite Ölbedarf wieder steigt“, sagte Franke nach Auskunft des Nachrichtenportals „Finanznachrichten“ („FN“) in Hamburg. Derzeit seien auf dem Markt weder stark anziehende Nachfrage noch ein knappes Angebot zu beobachten. Das Gegenteil sei der Fall, da Saudi-Arabien derzeit über die ungenutzte Förderkapazität von sechs Millionen Barrel pro Tag verfüge. Der Preis für Rohöl ist laut „FN“ in der vergangenen Woche auf mehr als 75 Dollar gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit einem Jahr. Gemessen an seinem Tiefststand am Jahresbeginn habe sich der Ölpreis mehr als verdoppelt. „Diesen Anstieg sollten wir nicht überbewerten“, sagte Franke. Es gebe keinen Grund zu der Annahme, dass der Preis kurzfristig weiter steige. Auch die deutschen Verbraucher seien noch nicht übermäßig betroffen. Das Öl sei zwar teurer geworden, der Dollar aber billiger. „An den Tankstellen sind die Benzinpreise unter den üblichen Schwankungen durch den Wettbewerb weitgehend stabil und für die Verbraucher akzeptabel“, sagte der deutsche Chef des Mineralölkonzerns. Ein Liter Benzin kostet seit einem halben Jahr im bundesweiten Durchschnitt um die 1,30 Euro. Der größte Teil davon sind Steuern. Die Lage der Ölwirtschaft in Deutschland hat sich durch den Wirtschaftseinbruch und veränderte Rahmenbedingungen in den vergangenen Wochen verschlechtert. Der Trend zum Diesel hält laut „FN" an. Wegen des rückläufigen Verbrauchs hätten die Raffinerien in Europa mittlerweile Überkapazitäten bei der Benzinproduktion von 20 bis 25 Prozent und die überschüssige Produktion lasse sich immer schwerer exportieren. Erste Raffinerien würden bereits aus wirtschaftlichen Gründen vorübergehend stillgelegt. (ag)
Einschätzung: BP: Ölmarkt verfügt über freie Kapazitäten
Deutscher Chef der Mineralölgesellschaft BP sieht Anstieg beim Ölpreis gelassen