Sonntag, 26.09.2021
18.04.2020
   

Serie "Die nächste Generation"

Markus Leikermoser

Der 32-jährige Markus Leikermoser arbeitet seit acht Jahren im Familienunternehmen. Sich selbst sieht er als ruhigen Planer.

Mit ruhiger Hand

Juniorchef Markus Leikermoser setzt beim österreichischen Mittelständler Leikermoser Energiehandel auf Regionalität und Qualität. Neue Ideen setzt er mit viel Leidenschaft, aber gut überlegt um.

Um als Familienunternehmer erfolgreich zu sein, sind einige Faktoren sehr hilfreich: wissen, was man möchte und was man tut, sich selbst hinterfragen und ein gutes Verhältnis mit dem Vater. „Und ein bisschen Leidenschaft mitbringen“, ergänzt Markus Leikermoser, Prokurist beim öster­reichischen Mittelständler Leikermoser Energiehandel. Der 32-Jährige arbeitet seit acht Jahren im Familienunternehmen und ist für das Tankstellengeschäft sowie die administrativen Prozesse wie Digitali­sierung zuständig.

Sein Vater Franz, der das Unternehmen in der heutigen Form aufgebaut hat, kümmert sich um den Energiehandel, also Kraftstoffe, Heizöl, Adblue, Schmierstoffe, Bioenergie wie Holzpellets. Gegründet wurde die Firma von den Großeltern Herta und Franz. Sie eröffneten 1959 die erste Tankstelle der Familie, zusammen mit dem Hotel Hubertushof in Anif bei Salzburg, das heute Leikermosers Onkel führt.

Auf Umwegen heim

Der Weg in das Familienunternehmen war nicht von Beginn an vorgezeichnet. „Mich hat das Thema Maschinenbau immer sehr interessiert. Deshalb habe ich es als Schwerpunkt an der Höheren Technischen Lehranstalt gewählt. Aber dann habe ich in der Branche gearbeitet und es war doch nicht das, was ich mir vorgestellt hatte“, erzählt er. Auf der Suche nach einem neuen Weg stieß er auf den Studiengang Energie- und Rohstoffwirtschaft, der gut zu seinen Interessen und seinem Vorwissen durch das Aufwachsen mit Gesprächen über das Familienunternehmen passte.

Nach dem Abschluss stieg er bei Leikermoser ein. Sein Vater übertrug dem Sohn rasch die Verantwortung für die 31 Tankstellen unter BP-Flagge und der Eigenmarke LM Energy: „Nach dem Motto: ‚Da hast du die Tankstellen, mach was draus‘“, erinnert sich Leikermoser. Und das tat er: Pünktlich zum 60-jährigen Firmenjubiläum im vergangenen Jahr kleideten die Österreicher ihre Stationen ins Festtagsgewand. Sie erneuerten die Portalwaschanlagen und SB-Plätze, bauten eine neue Waschstraße und ergänzten das „One-Stop-Shop“-Konzept um neue Komponenten.

In den Shops setzt der Juniorchef nun auf regionale und lokale Produkte und auf starke Markenpartner. Beispielsweise beliefert unter anderem die kleine Salzburger Biermanufaktur „Die Weisse“ die Shops mit dem gleichnamigen bekannten Bier, für das viele Leute laut Leikermoser extra in die Stadt kommen. Lokale Bäckereien versorgen die Bistros mit Bioprodukten und die integrierte Enoteca bietet ­lokale Weine an. Zudem gibt es ausschließlich Red Bull zu kaufen, keinen anderen Energydrink. So möchte er seinen Kunden signalisieren: „Wir konzentrieren uns auf die stärksten Marken, die stärksten Partner und gute regionale Produkte.“

Bislang geht das Konzept zur Zufriedenheit seines Erstellers auf. Erweitern möchte er die Standorte, wenn die Möglichkeit besteht, um neue Dienstleistungs- und Gastronomieangebote. Was in Deutschland bereits seit einigen Jahren Trend in den Tankstellen ist, lässt sich nach Leikermosers Einschätzung in Österreich aber nicht ganz so leicht umsetzen, denn das gastronomische Angebot im Land ist bereits umfangreich. „Da braucht es einfach ein durchdachtes Konzept und ein ­gutes Team, um eine Idee zum Erfolg zu führen“, gesteht Leikermoser.

Der 32-Jährige beschreibt sich selbst als ruhigen, überlegten, aber durchsetzungsfähigen Menschen. Kein Wunder also, dass er eine solche Entscheidung ebenfalls in Ruhe trifft. Außerdem verfolgt er die ­Philosophie, dass Kreativität Zeit braucht. „Man kann nicht zwischen Tür und Angel jeden Tag unter Volldruck Kreativität ausleben“, ist er überzeugt. Für Kreativität müsse man sich hinsetzen, tief durchatmen und darüber nachdenken, was man eigentlich anders oder neu machen könne. „Wenn man sich diese Zeit nicht nimmt und sich mal zurücklehnt, alles aus der Vogelperspektive betrachtet und sich auch mal selbst in Frage stellt, gibt es keine Entwicklung.“

Entwicklungen, die den Salzburger derzeit beschäftigen, sind die Mobilitäts- und Energiewende und die Frage, welche seiner Standorte für die Zukunft aus­reichend Platz bietet um neue Konzepte zu realisieren. „Ich denke, das Einzige, was in unserer Branche sicher ist, ist die Veränderung“, beschreibt er die aktuelle Lage. Niemand wisse genau, wie sich die neuen Mobilitätsangebote entwickeln. Umso wichtiger sei es, sich alle Optionen offen zu halten, seien es E-Fuels, Wasserstoff oder Elektromobilität.

Gerüstet für die Zukunft

Leikermoser geht davon aus, dass bei den geplanten Zuwachsraten an Elektromobilität mittelfristig, in fünf bis zehn Jahren, sehr wahrscheinlich der Höhepunkt von Diesel und Benzin erreicht sein wird und anschließend die Kraftstoffumsätze wie in Norwegen zurückgehen. Deshalb ist für ihn eines der großen Zukunftsthemen die Standortwahl. An Standorten, mit einem zu geringen Verkehrsaufkommen, haben die Leikermosers bereits in der Vergangenheit „andere Projekte realisiert“, erklärt der Juniorchef. Da Tankstellen meist über eine gute Lage verfügen, eignen sich die Grundstücke beispielsweise auch für Supermärkte oder Wohnbau. Aktuell befindet sich ein großes Wohnbauprojekt in Salzburg in der Einreichphase.

Das andere große Zukunftsthema ist nach Auffassung des Salzburgers Qualität, sowohl im Shop wie auch bei den Kraftstoffen. Deshalb setzt er auf eine Markenpartnerschaft mit BP und ist überzeugt, dass auf langen Strecken ausschließlich ­Ultraschnellladesäulen der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen können.

Nicht nur Qualität und Standortwahl sind unerlässlich für eine erfolgreiche ­Zukunft, ohne eine gute Zusammenarbeit in der Führungsetage geht nichts. „Das Wichtigste ist, dass man zusammenhält. Wenn jeder nur für sich und am anderen vorbeiarbeitet, ist das das Schlimmste für ein Unternehmen“, betont Leikermoser. Vater und Sohn sind sehr unterschiedliche Charaktere, der Junior beschreibt Vater Franz als Vertriebstyp, als Motivierer, sich selbst sieht er als ruhigen Planer. Doch gerade das macht die beiden zu einem guten Team, da sie sich sehr gut ergänzen.

Etwas sehr Wichtiges haben sie aber gemeinsam: Beide können zurückstecken. Zwar hat jeder seinen eigenen Aufgabenbereich, in dem sie sich nicht gegenseitig hineinreden. Natürlich diskutieren sie ab und an dennoch intensiv über offene Themen. „Wir sind beide von Grund auf so gepolt, dass wir zwar durchsetzungsfähig sind, aber auch zuhören können. Es ist ein Geben und Nehmen“, beschreibt der Junior.

Auch die Leidenschaft für ihre Arbeit teilen Vater und Sohn. Bei Leikermoser junior geht das so weit, dass er sogar seine Frau damit angesteckt hat. Bei Neueröffnungen fiebert sie mit und wenn ihr Mann im Urlaub eine Tankstelle besichtigen oder seine geschäftlichen E-Mails überfliegen möchte, gibt es von ihr Freiraum und Verständnis dafür. Wer etwas Leidenschaft für den Beruf mitbringe, sei schließlich immer mit einem Fuß in der Firma, sagt Leikermoser.

Dennoch hat er eine realistische Perspektive auf das Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit: „Man muss die Kirche im Dorf lassen.“ Selbstverständlich gibt es Phasen, während der er jeden Tag zwölf Stunden arbeitet und die Zeit reicht trotzdem nicht für alle Aufgaben. Die wechseln sich dafür ab mit Wochen, in denen er um 18 Uhr nach Hause kommt und noch etwas für sich tun kann. Am liebsten tut Leikermoser das an der frischen Luft – wandern, joggen und als Österreicher natürlich Ski fahren. „Das ist kein Hobby, das ist Religion in Österreich.“ Das gibt dann wieder genug Energie, um den Arbeitsalltag mit Leidenschaft zu meistern.

(Autorin: Julia Richthammer; Der Artikel erschien in Sprit+ Ausgabe 3/2020.)

 

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