Montag, 21.10.2019
28.12.2018
   

Serie "Der Tankstellenmittelstand"

Gerhard Bergler, Reinhard Kastner, Bergler Mineralöle

Blickfang des Autohofs ist der Turm, auch das Restaurant greift das Thema Mittelalter auf. ­Gerhard Bergler (l.) und Reinhard Kastner (r.) sind überzeugt, dass dieses Konzept zum Erfolg beiträgt.

Bergler im Porträt

Der Autohof Bergler im bayerischen Windischeschenbach ist zum zweiten Mal in Folge zum besten Autohof Deutschlands gewählt worden. Teil des Erfolgs ist sicherlich das Motto Ritterburg, das dem Besucher überall begegnet.

Schon von der Autobahn aus sieht man den ritterburgähnlichen Turm, der den Rasthof Neuhaus des Mittelständlers ­Bergler in Windischeschenbach überragt. ­Genau das war auch die Intention des Chefs Gerhard Bergler: „Die Idee war, einen archi­tektonischen Hingucker zu schaffen. Der Kunde muss uns von der Autobahn erkennen.“ Die klassischen Möglichkeiten seien ein Betonpylon oder eine Attikabeleuchtung gewesen, aber der 36-Jährige wollte mehr als nur einen typischen Autohof.

„Wir wollten das ‚Land und Leute‘-, das ‚Go local‘-Thema einbringen“, erklärt Bergler. Der Butterfassturm ist eine Nachbildung des Bergfriedes der im Nachbarort gelegenen Burg Neuhaus. Der Nachbau entspricht in Höhe und Länge der Ruine. Passend dazu ist auch das Restaurant „Zum Ritterturm“ mit Elementen aus dem Mittelalter dekoriert. Ritterrüstungen stehen an den Eingängen, die Wände sind in ­Burgmauernoptik bemalt.

Der Bau des Hinguckers hat sich gelohnt: Bei Lkw-Fahrern ist der Autohof gleichermaßen bekannt wie beliebt. Das zeigt die erneute Auszeichnung durch das Magazin Fernfahrer. Die Leser, eben Trucker, wählen dabei den besten Autohof Deutschlands. In fünf Kategorien erhalten die Teilnehmer Punkte, wer zusammengerechnet die meisten erhält, ist der Sieger. Nach zwei zweiten Plätzen 2015 und 2016 darf sich der Autohof Bergler nach 2017 nun auch 2018 Bester Autohof Deutschlands nennen. „Da bin ich sehr stolz drauf“, sagt Bergler. „Das ist wirklich eine Bewertung durch die Leser. Darauf kann man ­keinen Einfluss nehmen.“ Etwa 40.000 bis 50.000 Rückmeldungen lägen hinter der Auszeichnung, ergänzt Reinhard Kastner, Betriebsleiter des Autohofs.

Eigene Erfahrungen nutzen

Schon bei der Planung achtete Bergler speziell auf die Bedürfnisse seiner zukünftigen Kunden. Der Chef durchlief selbst alle Sparten des Familienunternehmens, war auch als Trucker auf den Autobahnen unterwegs und brachte diese Erfahrungen ein: Die Fahrwege bieten genug Platz, die Tankmöglichkeiten sind auf Lkw abgestimmt, die Stellplätze sind breit genug. Das werde von den Lkw-Fahrern honoriert, ist Bergler überzeugt. „Sie merken, da hat jemand mitgedacht, da hat einer selber den Lkw-Führerschein und sitzt am Steuer. Deshalb haben wir auch die beste Parkplatzwertung bekommen.“

Die einzelnen Wertungen nahmen Bergler und sein Team als Feedback: Wo sind sie besser, wo schlechter als der Wettbewerb? „Wir haben die Redaktion jedes Jahr befragt, was die Leser denn bei uns bemängelt haben?“, erzählt der Chef. Das ­seien oft kleine Faktoren gewesen, wie die Wlan-Abdeckung am Parkplatz. Das kostet das Unternehmen nicht viel, bedeutet für die Kunden aber einen großen Komfortgewinn.

So steigerte sich der Autohof von zwei Siegen, zwei zweiten Plätzen und einem dritten Platz in den Einzelwertungen auf nun vier Siege. „Jetzt fehlt uns nur noch der Sanitärbereich“, sagt Kastner. Der Autohof hat nur zwei Duschen, mehr war bautechnisch einfach nicht möglich, da das Gebäude lang und relativ schmal sein musste. „Es gibt Autohöfe, die haben sechs oder acht Duschen. Hier kann es vorkommen, dass man mal zwei Minuten warten muss“, erklärt Kastner. Es sei also nicht um gravierende Mängel gegangen.

Querdenken zulassen

Ein Vorteil der Bergler-Gruppe als Mittelständler sei die Möglichkeit, nicht nur auf Rendite achten zu müssen, sondern auch mal Querdenker zu sein. Das beginnt mit schnellen, unbürokratischen Änderungen, um die Zufriedenheit der Kunden zu steigern, und endet bei der Fokussierung auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter. „Es ist wichtig zu wissen, welchen Aufgabenbereich hat der Mitarbeiter, wie viel Stress hat er, wo sind die Probleme und vor allem, wie kannst du sein Arbeiten so angenehm wie möglich machen?“, erklärt der Oberpfälzer.

Das alte Motto seines Vaters ­–„Geld und Angst habe ich nie gehabt“ – prägt Bergler. „Wenn man immer im Wachstum ist, ist eben auch immer die Kasse etwas klamm“, erklärt er den Spruch. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg sind Synergieeffekte, die die Bergler-Gruppe mit ihren verschiedenen Sparten schon immer nutzen konnte. Kunden, die Entsorgungsdienste in Anspruch nehmen, können die Vertreter auch gleich Schmierstoffe anbieten. Wer Schmierstoffe kauft, bekommt auch Lkw-Diesel. So bezeichnet Bergler das Unternehmen auch passend als Gemischtwarenladen.

Seit einigen Monaten ist Bergler Vorstandsmitglied in der Vereinigung Deutscher Autohöfe (Veda). Er schätzt am Verband vor allem den offenen Austausch. „Man bekommt Informationen über die Branche, über die Lage, Treffen und Austausch mit Gleichgesinnten.“ Vor allem seien Autohofbetreiber nicht zwangsläufig direkte Konkurrenten. Ein Betreiber, der 400 Kilometer vom Bergler-Autohof entfernt sei, sage seine ehrliche Meinung, gebe ehrliche Ideen mit. „Dass ich als ­Junger, der in die Autohofbranche so reingerutscht ist, sich aber ganz tapfer schlägt, gefragt wurde, hat mich gefreut und auch ein Stück weit geadelt“, erzählt Bergler.

(Autorin: Julia Richthammer; Der Artikel erschien in Sprit+ Ausgabe 12.2018)

 

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