Dienstag, 15.06.2021
01.05.2020
   

SB-Waschpark

Waschpark Mönneke

Für die SB-Wäsche stehen vier überdachte Boxen und ein Freiwaschplatz zur Verfügung.

Münzfreie Zone

Im niedersächsischen Wennigsen hat Mönneke Mineralöl den wohl ersten SB-Waschpark Deutschlands eröffnet, an dem man ausschließlich bargeldlos bezahlen kann. Die Kunden nehmen das Angebot erstaunlich gut an.

Die 14.000 Einwohner große Gemeinde Wennigsen 15 Kilometer südwestlich von Hannover bietet ein Heimatmuseum, das Widdergut Vier Eichen, die Kornbrennerei Warnecke – und seit Herbst 2019 den ersten SB-Waschpark in Deutschland, an dem man ausschließlich bargeldlos bezahlen kann. „Ich mag keine Münzen entsorgen, ich mag die Zähler nicht kontrollieren und ich möchte mir keine Gedanken darüber machen, ob ich schwarze Schafe unter den Mitarbeitern habe, die das Geld nicht richtig entnehmen“, erklärt Eike Mönneke, der mit seinem Unternehmen Mönneke Mineralöl neben 30 Tankstellen drei SB-Waschparks in Delligsen, Löhne und Salzgitter betreibt. Statt auch in Wennigsen „tonnenweise Münzen durch die Gegend zu fahren“, entschied sich der Mittelständler dazu, bei seinem vierten Waschpark neue Wege zu gehen.

An die konkrete Planung des 2015 ­erworbenen Grundstücks ging es 2017, Spatenstich war im Februar 2019. In neunmonatiger Bauzeit entstand auf dem rund 3.500 Quadratmeter großen Gelände eine Portalwaschanlage der Baureihe Varius von Christ. Die Taktanlage, die in einer 30 Meter langen Halle inklusive Vorwaschplatz untergebracht ist, bietet drei Basisprogramme und die Zusatzoptionen SUV und Unterbodenwäsche. „Bei Waschstraßen entscheide ich mich in der Regel für Holz, bei den Portalanlagen für Christ“, sagt Mönneke. Die Monteure des Herstellers aus Memmingen wohnen quasi um die Ecke, sodass bei Problemen schnell ­jemand vor Ort ist und die Anlage wieder zum Laufen bringt.

Bei den SB-Waschplätzen vertraut Mönneke ebenfalls auf Christ und entschied sich für vier Plätze unter einem Glasdach sowie einen Freiwaschplatz für größere Fahrzeuge wie Transporter. Für die Reinigung der Innenflächen stehen sieben ebenfalls überdachte SB-Staubsauger von Aircontrol zur Verfügung. Um den Kunden das mühsame Geturne mit dem Staubsauger durch das Auto zu ersparen, befinden sich auf beiden Seiten des Fahrzeugs die blauen Staubsaugerschläuche, die beide freigeschaltet werden.

 „Früher konnte man bei uns gratis staubsaugen. Dieses Angebot haben dann aber Autofahrer genutzt, die eigentlich nicht unsere Kunden waren“, berichtet der Unternehmer.  Ärgerlich wurde es immer dann, wenn sie bei einer naheliegenden Waschstraße die günstigen Waschkonditionen in Anspruch genommen haben und zu Mönneke zum Gratis-Saugen kamen, weil hier das Service-Angebot besser war. „Das ärgert den Kaufmann in mir“, sagt der Niedersachse. Deswegen seien die Staubsauger inzwischen wieder blockiert und lassen sich für einen Euro vier Minuten lang frei schalten.  Wer dagegen in der angrenzenden TAS-Tankstelle von Mönne­ke eine Wäsche kauft, erhält einen Kassenzettel mit einem Code, der sowohl an der Portalwaschanlage als auch an den Staubsaugerplätzen eingescannt werden kann und diese dann in Betrieb setzt. Wer also eine Wäsche kauft, kann kostenfrei staubsaugen.

Keiner von vielen

Soweit ist der SB-Waschpark in Wennig­sen einer von vielen in Deutschland, wäre da nicht die Abneigung des Geschäftsführers gegen Münzgeld und darauf basierend das Konzept, dort komplett darauf zu verzichten. Um an der Portalwaschanlage, den SB-Wasch- und Staubsaugerplätzen zu zahlen, hat der Kunde stattdessen drei Möglichkeiten: Wie bereits beschrieben geht er an die Tankstellenkasse, kauft das gewünschte Programm für die Portal­waschanlage in bar oder mit Karte, erhält einen Kassenzettel mit Code und kann diesen an der Anlage einscannen. Als ­zweite Option können die Kunden ihre Girocard oder ab Quartal 2/2020 ihre Kreditkarte an das Terminal halten, den gewünschten Betrag auswählen, bestätigen und ihr Fahrzeug reinigen.

Ähnlich funktioniert die dritte Möglichkeit: das unternehmenseigene Gutscheinkartensystem, das Automaten- und Kassenhersteller Bungalski extra für den Waschpark in Wennigsen weiterentwickelt hat. „Wir haben für diesen Standort unser Kundenkartensystem auf komplett neue Beine gestellt“, erläutert Mönneke. Die Kunden können an den TAS-Tankstellen die „Glanzkarte“ wie eine Prepaidkarte mit dem gewünschten Betrag aufladen und so lange waschen, bis das Guthaben aufgebraucht ist. Unter www.glanzkarte.de kann der Autofahrer seine Karte aber auch personalisieren, indem er die Kartennummer sowie seine persön­lichen Daten hinterlegt. Über Paypal lässt sich das Konto mit dem gewünschten Betrag aufladen, weitere Bezahloptionen ­sollen laut Mönneke folgen. Der Vorteil: Wer seine Karte verliert, kann das an den Mittelständler melden und erhält eine neue. Zudem bekommt der ­Kunde bestimmte Rabatte wie eine Gratis-Geburtstagswäsche.

Ebenfalls auf der Agenda steht, die Glanzkarte in eine App zu integrieren, ­sodass der Kunde statt der Plastikkarte sein Smartphone ans Terminal hält und dann damit bezahlt. Dieser Plan scheitert aktuell noch an den Handyherstellern. „Vereinbarungen mit Apple oder Google zu treffen, ist für einen Mittelständler nicht so einfach. Aber das bekommen wir auch hin“, ist der Geschäftsführer optimistisch.

Die aufwendige Umsetzung der beiden letzteren Bezahloptionen erforderte eine enge Zusammenarbeit von Bungalski, Waschanlagenhersteller Christ und Netzbetreiber Lavego: An der Taktanlage sowie an den SB-Plätzen befinden sich Automaten, die mit insgesamt 13 Terminals ohne PIN-Pad von CCV ausgestattet sind. Eine Glasfaserleitung verbindet das Kassen­system in der angrenzenden Tankstelle mit den Terminals im Waschpark. „Wir können von der Tankstelle aus jedes Zahlungsterminal einzeln ansteuern und gege­benenfalls auch einzelne Terminals und die damit verbundene Anlage stilllegen“, erklärt Mönneke.

Die abgewickelten Transaktionen laufen automatisch direkt in den Kassen­abschluss. So kann der Unternehmer abends nachvollziehen, an welchen Boxen tagsüber wie viel gewaschen oder gesaugt wurde. Die Zählerstandsüber­wachung ­entfällt ebenso wie Arbeit für die interne Buch­haltung – und vor allem der Einsatz der Münzen.

Ein Neubau, ein Umbau

Parallel zum Waschpark eröffnete Mönneke auf der gegenüberliegenden Straßen­-seite eine umgebaute Tankstelle unter der Marke TAS. Bereits seit den 60er Jahren befand sich auf dem Grundstück eine Shell-, dann eine Total-Station. 2016 ­konnte der Unternehmer das insgesamt 1.400 Quadratmeter große Grundstück erwerben, riss das vorhandene Shop­ge­bäude komplett ab und baute dort eine 160 Quadratmeter große Station. „Da im Tankstellenbereich aktuell nicht klar ist, wohin die Reise geht, haben wir im Prinzip das Tankfeld so gelassen, zwei neue Zapfsäulen hingestellt und das Dach neu gemacht“, beschreibt Mönneke den Umbau. Der Shop misst 87 Quadratmeter mit Kassenbereich und Bistro mit fünf tiefen und fünf hohen Sitzplätzen. Im Sommer stehen acht weitere Sitzplätze auf der Terrasse zur Verfügung.

Vier Monate nach der Eröffnung zählt Mönneke an der Taktanlage etwa 800 Wäschen im Monat. „So kurz nach der Inbetriebnahme des Waschparks und für die Jahreszeit ist das schon ganz gut. Es darf aber noch ein wenig besser werden, denn die Anlage ist auf die doppelte Anzahl ­Wäschen ausgelegt“, sagt der Unternehmer. Insgesamt werden die Technik und der großzügige Aufbau der Anlage und der Staubsauger sehr gut angenommen.
Doch nicht jeder Kunde ist ein Münzgegner wie Mönneke: „Bei reinen Kontaktloslösungen sind die Kunden wie erwartet sehr gespalten. Viele sind total begeistert, dass sie ohne Münzen sofort und einfach waschen können oder freuen sich über die Mehrwerte der Kundenkartenlösung.“ ­Andere vermissen aber auch den Münz­geldeinwurf und empfinden den ­Umweg über die Kundenkarte beziehungsweise die Tankstelle als lästig. „Eine Kombination, wie wir sie jetzt an anderen Standorten von uns nachrüsten, ist sicher aus Kundensicht optimal, löst unser Bargeldentsorgungsproblem allerdings leider nicht“, bedauert der Firmenchef.

(Autorin: Annika Beyer; Der Artikel erschien in Sprit+ Ausgabe 4/2020.)

 

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