Montag, 17.06.2019
26.12.2018
   

Q1

Q1 Waschstraße Gelsenkirchen

Die taghelle Beleuchtung in der Q1-Waschhalle vertreibt bei den Kunden gerade abends Unwohlsein.

Erleuchtetes Wascherlebnis

Eine helle Waschhalle weckt die Aufmerksamkeit und ist bester Werbeträger zugleich. Q1 rüstete deshalb eine Waschstraße in Gelsenkirchen mit LED-Leuchten aus – innen, außen und an den Staubsaugern.

Haben Sie folgende Szene schon einmal in Ihrer Tankstelle beobachtet? Ein Kunde kommt zur Kasse und fragt, ob die Waschanlage in Betrieb ist. Verdutzt überlegt Ihr Kassierer, was die Frage soll und antwortet: „Ja, natürlich ist die Waschanlage in Betrieb. Warum?“ Die Erklärung des Kunden ist simpel: Es habe so dunkel in der Halle ausgesehen. Im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln liegt die Zahl der Autofahrer, die nicht nachfragen, und damit der Umsatz, der flöten geht, weil die dunkle Waschhalle wie geschlossen aussieht.

Fehlendes Licht kann außerdem Unwohlsein wecken und künftige Besuche der Waschanlage verhindern. Denn an trüben Tagen im Halbdunkel vor der Waschhalle zu stehen, macht niemandem Spaß. Können dann noch die Staubsauger- und ­Pflegeplätze bei mickriger Beleuchtung nur erahnt werden, wird jeder mühsam gewonnene Neukunde sich beim nächsten Mal für eine andere Station entscheiden.

Das lässt sich aber leicht verhindern: Wer seine Waschhalle attraktiver machen möchte, sollte nicht nur ein paar defekte Lampen tauschen. Auch wenn sich unter dem Gesichtspunkt der Energieeinsparung alte Leuchtstoffröhren sogar durch LED-Röhren ersetzen lassen, gilt das heute nur noch als Lösung für Lager- oder Nebenräume. Für Waschhallen gibt es deutlich bessere und effektivere Möglichkeiten, wie die Q1 im Gelsenkirchener Stadtteil Rotthausen zeigt.

Dort hat die Osnabrücker Mineralölgesellschaft Anfang des Jahres ein stillgelegtes Waschstraßengebäude übernommen und mit moderner Waschtechnik, um­fangreicher Sanierung und auffälliger Werbung neues Leben in die alten Gemäuer gehaucht. Ursprünglich plante Q1 kurz vor Umbaubeginn, die alte, aber ansonsten intakte Beleuchtung aus Kostengründen zu belassen. Der Gedanke wurde aber schnell fallen gelassen. Die neue Waschtechnik, aber auch die neu erstellten Sauger- und Pflegeplätze sollten mit Licht in Szene gesetzt werden und dem Kunden von weitem signalisieren, dass hier etwas Neues entstanden ist.

Dabei wird die Waschhalle während der gesamten Öffnungszeit beleuchtet. Dafür wurden alle eingesetzten HQI-Strahler entfernt und gegen LED-Waterproof-Leuchten gewechselt. Diese Technik ähnelt nur auf den ersten Blick herkömmlichen Leuchtstoffröhren, nach dem Einschalten ist es vom Tageslicht nicht zu unterscheiden und die Energiekosten reduzieren sich um fast 50 Prozent. Durch die großen Glasscheiben können die Autofahrer schon von weitem die drehenden Waschwalzen wie in einem Showroom sehen und der Kunde kann aus seinem Fahrzeug bei tagheller Beleuchtung jeden Reinigungsschritt verfolgen und sich sicher fühlen.

Mit einsetzender Dämmerung schaltet sich zudem die Außenbeleuchtung an. Sämtliche Lichtmasten wurden dafür zwar weiterverwendet, jedoch mit energiesparenden, aber dennoch leistungsstarken Lampenköpfen mit LED-Technik ersetzt. Der Außenbereich, der zuvor im Dunkeln wie ein alter belgischer Autobahn­abschnitt wirkte, erstrahlt heute damit hell und mit natürlicher Farbwiedergabe. Bei Mastleuchten mit LED fällt allerdings die Energieeinsparung mit 25 bis 30 Prozent geringer aus als in der Waschhalle.

Außerdem befindet sich an jedem Staubsauger eine weitere Beleuchtung, sodass die Kunden das kostenlose Angebot auch in den späten Abendstunden gerne nutzen. Adem Balaban, der die Umsetzung begleitet hat und seit April diesen Jahres die Waschstraße führt, gibt verschmitzt zu, in den ersten Wochen manchmal noch spätabends an seine Anlage zurückgekommen zu sein, weil sie beleuchtet „einfach nur toll aussah“.

Energiesparen mit (LED-)Köpfchen

Frank Kammel von Kammel Tankstellentechnik traf die Auswahl der Leuchten und führte die Installation durch. Er ist sich sicher, dass jede Waschhalle durch zeitgemäße und durchdachte Beleuchtung an Attraktivität gewinnt. Zu seinen Kunden gehören daher nicht nur die großen Gesellschaften, sondern auch immer mehr freie Tankstellen und Waschstraßen.
Auf die Frage, wie es mit der Wirtschaftlichkeit aussieht, gibt Kammel zu bedenken, dass die systematische Erneuerung der ­Beleuchtung aufgrund gesetzlicher Auflagen notwendig ist und daher nicht nur als reine Energiesparmaßnahme gesehen ­werden darf (siehe Kasten). Die etwas längere Amortisation sollte ­dabei Unternehmer nicht abschrecken. Mit 50.000 Betriebsstunden und dauerhaft wasserdichten Gehäusen fallen für die neuen LED-Leuchten keine Folgekosten an.

Balaban ist zufrieden mit dem Ergebnis. Der Betreiber hat seit der Eröffnung nur positive Resonanz erfahren. Waren es anfänglich nur die Anwohner aus Rotthausen und den direkt angrenzenden Stadtteilen, die sich über die gelungene Wiedereröffnung freuten, kommen nun zunehmend neue Kunden aus den Nachbarstädten Essen und Bochum hinzu und machen die Q1-Waschstraße zu ihrer Waschstraße.

(Autor: Michael Walter, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schäden an und durch Kfz-Waschanlagen und Technik von Kreislaufsystemen von Kfz-Waschanlagen; der Artikel erschien in Sprit+ 12/2018)

Öko-Design-Richtlinie

Die Öko-Design-Richtlinie, die die Europäische Kommission im Jahr 2005 beschloss, sieht den stufenweisen Ersatz von ineffizienten und umweltschädigenden Leucht­mitteln vor. So war bereits 2012 das Ende der guten alten Glühbirne besiegelt. 2015 und 2017 ging es dann den Quecksilberdampf-Hochdrucklampen und zuletzt auch den Halogen-Metalldampflampen und den Natriumdampf-Hochdrucklampen an den Kragen. All diese Leuchtmittel sind in der EU mehrere 100-Millionen-fach in Hallen, aber auch in Straßen- und Außenleuchten im Einsatz. Da derartige Leuchtmittel heute nur noch über Umwege zu beschaffen sind, sollte rechtzeitig gehandelt werden, bevor man im wahrsten Sinne des Wortes plötzlich im Dunkeln steht. (mv)

 

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