Sonntag, 21.10.2018
30.06.2017
   

Mitgliederversammlung

Steuerberater Michael Dagit, Dirk Claussen, Geschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV), und Jürgen Ziegner, Geschäftsführer beim Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG).

Informierten die Mitglieder über aktuelle Entwicklungen in der Branche (v. l.): Steuerberater Michael Dagit, Dirk Claussen, Geschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV), und Jürgen Ziegner, Geschäftsführer beim Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG).

Schleswig-Holstein ist zufrieden

Die Tankstellenbetreiber in Schleswig-Holstein haben aktuell nur wenige Probleme. Daher verlief die Mitgliederversammlung des Landesverbands in einer entspannten Atmosphäre.

Rund 60 Prozent der Tankstellen in Schleswig-Holstein sind Mitglieder des Landesverbands – ein Organisationsgrad, von dem andere Tankstellenverbände nur träumen können. Und so konnten Rechtsanwältin Birgit Hamann und Geschäftsführer Jan-Nikolas Sontag auch in diesem Jahr zahlreiche Mitglieder begrüßen, die der Einladung der Fachgruppe Tankstellen ins Verbandshaus des Kfz-Gewerbes gefolgt waren. Dennoch war Hamann nicht ganz zufrieden. „Ich hätte mir noch etwas mehr Resonanz gewünscht. Doch tatsächlich läuft es im Moment bei den meisten Mitgliedern ziemlich gut, die Leute sind zufrieden, und deshalb gibt es auch weniger Gesprächsbedarf als in früheren Zeiten“, so Hamann.

Dies konnte auch Jürgen Ziegner, Geschäftsführer beim Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG), bestätigen. „Die letzten drei Jahre waren für die Branche tendenziell ungewöhnlich gut. Wegen der niedrigen Kraftstoffpreise blieb der Absatz stabil, der durchschnittliche Gewinn pro Pachtstation stieg in Deutschland nach Informationen einiger Mineralölgesellschaften auf über 40.000 Euro, und selbst die Preiserhöhungen, die aufgrund des Mindestlohns in den Shops umgesetzt werden mussten, haben sich nicht negativ auf den Umsatz ausgewirkt“, resümierte Ziegner.

Auch bezüglich der Verlängerung des Steuervorteils für Autogas war der ZTGGeschäftsführer optimistisch: „Es ist uns in den vergangenen Wochen in Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden zum Glück gelungen, einige maßgebliche Politiker davon zu überzeugen, dass es nicht sinnvoll ist, den einzigen funktionierenden Alternativkraftstoff abzuwürgen. Ich denke, dass wir eine Verlängerung des Steuervorteils hinbekommen werden“, sagte Ziegner. Mit dieser Einschätzung sollte er Recht behalten: Die Steuerbegünstigung für Autogas wurde inzwischen bis Ende 2022 verlängert, allerdings sinkt die Ermäßigung ab 2019 um jeweils 20 Prozent pro Jahr.

Auf die gute Zusammenarbeit nicht nur mit den befreundeten Verbänden, sondern auch innerhalb des ZTG wies auch Geschäftsführer Sontag hin. „Gerade bei aktuellen politischen Fragen ist das funktionierende Netzwerk der Landesverbände für uns sehr wichtig. So konnten wir vor kurzer Zeit bei Anfragen zum Thema Alkoholverkaufsverbot auf die Expertise des Landesverbands Baden-Württemberg zurückgreifen“, erläuterte Sontag.

Kassenschau bereits ab 2018

Steuerberater Michael Dagit von der Steuerberatungsgesellschaft Wotax übernahm an diesem Abend die Aufgabe, warnend auf ein Thema hinzuweisen, das Betreiber wie Verbände in den nächsten Jahren beschäftigen wird. Unter dem Titel „Kassenk(r)ampf: Gut vorbereitet die digitale Betriebsprüfung überstehen“ gab er wichtige Tipps und Hinweise zur Kassenprüfung. Weil die Finanz- ämter die Tankstellenbranche als bargeldintensives Gewerbe einstufen, wird die Kasse immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt jeder Prüfung. Und mit der entsprechenden Software kann der Prüfer heute in wenigen Sekunden alle Daten analysieren und die Schwachstellen aufdecken.

Dabei gibt es zahlreiche Fallstricke. So sollte der Betreiber den Eigenverbrauch immer per Karte bezahlen, um die namentliche Zuordnung zu ermöglichen. Dagit empfiehlt zudem die manuelle Erfassung, denn diese befreie vom Risiko der pauschalen Besteuerung von Eigenentnahmen. Auch der häufige Einsatz der Stornotaste kann zu Problemen führen, wenn die Gründe nicht ausreichend dokumentiert sind. „Wer schreibt, der bleibt, und je mehr man dokumentiert, desto weniger Stress gibt es in der Prüfung“, empfahl Dagit.

Ein weiteres Problem ist der vorverlegte Termin für die Möglichkeit der Kassenschau: Bereits ab dem 1. Januar 2018 und damit zwei Jahre früher als ursprünglich geplant können die Finanzämter unangekündigt die Kassen prüfen. Finden sie Unregelmäßigkeiten, wird sofort eine Betriebsprüfung veranlasst. „Die Kasse kann rückwirkend für drei Jahre geprüft werden, und das heißt für alle, dass die Kasse ab dem Geschäftsjahr 2015 sauber sein muss. Für viele ist es daher höchste Zeit, tätig zu werden“, erklärte Dagit.

E-Fuels sind im Kommen

Einen Blick in die Zukunft der Mobilität warf zum Abschluss Dirk Claussen, Geschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV). „Die Energiewende bedroht das Geschäftsmodell der Branche“, sagte Claussen und verwies auf das derzeit in der Diskussion stehende, drohende Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in manchen deutschen Städten und die Überlegungen rund um die komplette Abschaffung des Verbrennungsmotors. Es sei daher höchste Zeit, die Vorteile von Mineralölprodukten deutlich zu machen, darunter ihre gute Transportfähigkeit und die bewährte Infrastruktur.

Die Mineralölbranche und auch die Automobilindustrie wollen dabei in Zukunft verstärkt auf sogenannte synthetische Kraftstoffe setzen. Dazu zählen klimaneutrale E-Fuels, die mit Hilfe der Elektrolyse aus regenerativem Strom und unter Zugabe von Kohlenstoffdioxid erzeugt werden und zum Beispiel dem herkömmlichen Kraftstoff beigemischt werden könnten. Zwar gibt es erste Pilotanlagen, doch bis zur Produktion relevanter Mengen sei es noch ein weiter Weg. „Die notwendigen Investitionen erfordern ein Geschäftsmodell, und ohne staatliche Förderung wird es nicht gehen“, fasste Claussen zusammen.

(Autorin: Dagmar Ziegner; der Artikel erscheint in Sprit+ 7.2017)

 

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