Samstag, 29.01.2022
24.05.2017
   

Euro-6-Nachrüstung für Diesel im Test

Abgas sauber, aber viele Fragen offen

Dieselfahrverbote würden vor allem die Fahrer relativ neuer Euro-5-Modelle hart treffen. Diese können nun auf eine Nachrüstlösung hoffen – sollten dabei aber nicht allzu optimistisch sein.

Die Nachrüstung von Euro-5-Motoren auf Euro-6-Standard ist prinzipiell möglich. Aber: Serienreif ist die Technik noch nicht. Und Nachteile hat sie auch noch, wie ein Test des ADAC jetzt ergeben hat.

Die Experten des Automobilclubs haben sich den Prototypen eines Nachrüstsatzes des Abgasspezialisten Twintec vorgenommen. Er besteht im Wesentlichen aus einem sogenannten SCR-Katalysator, wie er auch in der Serie für Euro-6-Diesel eingesetzt wird. Die Technik zeigte sich im Test mit einem Euro-5-Diesel von VW prinzipiell wirksam, der Stickoxidausstoß konnte laut ADAC in allen überprüften Fahrsituationen auf Euro-6-Niveau reduziert werden – auch im realen Straßenverkehr. Einschränkungen gab es lediglich kurz nach dem Kaltstart.

Allerdings hatte der Einbau des Nachrüstsatzes auch unerwünschte Folgen. So ließ die zusätzliche Technik den Strombedarf und damit den Kraftstoffverbrauch um rund fünf Prozent steigen. Zudem wird zur Abgasreinigung der Zusatzstoff Adblue benötigt; den Bedarf geben die Tester mit 1,5 bis 3 Liter je 1.000 Kilometer an. Ein entsprechend großer Zusatztank ist also ebenfalls nötig.

Größtes Problem ist jedoch die aktuell fehlende Serienreife. Unter anderem müssen laut dem Automobilclub noch Fragen zu Dauerhaltbarkeit, Systemeinbindung und Betriebssicherheit geklärt werden. Auch müsse sichergestellt sein, dass durch die Nachrüstung solcher Systeme nicht neue umweltschädliche Stoffe freigesetzt würden. Eine Überdosierung von Adblue beispielsweise kann für einen erhöhten Ausstoß an Ammoniak sorgen. Offen ist auch noch die Frage nach dem Preis und ob ein Einbau überhaupt möglich ist. Denn in vielen Fahrzeugmodellen dürfte der Platz im Motorraum schlicht zu klein für den zusätzlichen Kat sein. (sp-x)

 

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