Dienstag, 25.06.2019
12.04.2019
   

Die nächste Generation

Matthias und Henning Rakelbusch

Matthias (l.) und Henning Rakelbusch vor einer alten Zapfsäule in der Firmenzentrale.

Jetzt Chefs, bald Chefs

Die Cousins Henning und Matthias Rakelbusch sind die designierten Nachfolger beim gleichnamigen Mineralölhändler. Harting Mineralöle haben sie jetzt schon übernommen.

Vier Männer namens Rakelbusch in ­einem Unternehmen von 70 Mitarbeitern, da kann man schon mal durcheinanderkommen. Als zum 1. Januar 2019 Henning und Matthias Rakelbusch, die beiden Nachfolger, die Harting-Unternehmensgruppe übernahmen, berichteten die Lokalblätter: „Die Rakelbusch GmbH übernimmt Harting Mineralöle.“ Leider nicht ganz korrekt, denn noch sind die beiden nicht Geschäftsführer von Rakelbusch. Das sind immer noch ihre Väter. Und in einem ­Bericht waren die Nachfolger plötzlich Brüder.

Hier nun also die korrekte Darstellung der Rakelbusch’schen Geschäfts- und Verwandtschaftsverhältnisse: Henning und Matthias sind Cousins, Geschäftsführer von Harting Mineralöle und zukünftige Geschäftsführer von Rakelbusch. Friedrich und Peter sind Brüder und führen derzeit gemeinsam in vierter Generation das Unternehmen Rakelbusch, das sie in den nächsten drei Jahren an ihre Söhne übergeben wollen. Matthias ist der Sohn von Peter, Henning ist der Sohn von Friedrich.

Demokratischer Dienstag

Henning Rakelbusch ist derzeit bei Rakelbusch für den Vertrieb und die IT verantwortlich, Matthias betreut und entwickelt die Tankstellen und Waschstraßen weiter. Immer dienstags haben die vier Rakelbuschs ein Jour fixe, wo alle neuen Ideen und Impulse besprochen und abgestimmt werden. „Es gibt immer einen, der den Hut aufhat und verantwortlich ist, aber in unseren regelmäßigen Gesprächen können wir von den Erfahrungen unserer Väter profitieren“, beschreibt Henning Rakelbusch die Zusammenarbeit. Die eigenen Vorschläge und Ideen könne man so durch Wissen und Erfahrungen der anderen unterfüttern.

Dabei haben die Jungen genug freie Hand, um ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln. „Wir sehen unsere Väter als Mentoren. Es ist ein fließender Übergang, uns wird Freiraum gelassen, sodass wir uns und das ganze Geschäft entwickeln können“, sagt Matthias Rakelbusch. Neues auszuprobieren ist immer möglich, auch wenn man dabei einmal auf die Nase fällt. Wichtig ist nur, dass das Auf-die-Nase-Fallen im kleinen Maßstab stattfindet. Zum Beispiel gab es schon Werbeaktionen, in die größere Erwartungen gesteckt wurden als am Ende dabei rauskam.
Andersherum gab es aber auch Aktionen, für die wenig Erfolg vermutet wurde, die aber sehr erfolgreich waren. „Wir sind so aufgestellt, dass wir vernünftig handeln und kein zu großes Risiko eingehen, weil wir Verantwortung unseren Mitarbeitern und uns selber gegenüber haben“, erklärt Henning Rakelbusch. „Es darf uns wehtun, aber uns nicht kaputt machen“, fasst Matthias Rakelbusch die Philosophie zusammen.

Von der Pike auf

Beide Nachfolger arbeiteten schon in ihrer Schulzeit als Aushilfen an den väterlichen Tankstellen mit und kennen das Geschäft dadurch von der Pike auf und aus verschiedenen Perspektiven. Der 35-jährige Henning studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt auf mittelständischer Wirtschaft in Hannover und arbeitete nach dem Abschluss zunächst bei Höft und Wessel, damals der große Hersteller von Ticket­automaten der Deutschen Bahn. Nach zwei Jahren stieg er 2011 ins Familienunternehmen ein.

Der Werdegang von Matthias Rakelbusch ist ähnlich: Er studierte erst in Jena, dann in Hannover, ebenfalls BWL, aber mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft und Con­trolling. Danach war er ein Jahr in Frankfurt bei einer Corporate Finance Boutique, bis 2015 der Wechsel zu Rakelbusch kam.

Die Entscheidung, in das väterliche Unternehmen einzusteigen, fiel beiden leicht. Besonders spannend an der Branche finden sie den Facettenreichtum und die fortwährenden Veränderungen: „Unsere Väter sagen immer, wenn ihnen vor 20 Jahren jemand gesagt hätte, dass sie ­irgendwann mal Brötchen verkaufen würden, dem hätten sie den Vogel gezeigt“, erzählt Henning Rakelbusch. Dass der Trend zum Shopgeschäft geht, haben die Rakelbuschs erkannt und deshalb die Shops modernisiert. Das soll nicht nur die Kunden hereinlocken, sondern auch den Mitarbeitern nutzen: „Wenn sich der Mitarbeiter wohlfühlt, fühlt sich auch der Kunde wohl“, ergänzt Matthias Rakelbusch.

Dabei sind die Juniorchefs offen für Ideen ihrer Mitarbeiter: „In Barsinghausen haben wir eine Shopleitung, die sehr rege und aktiv ist und viele Impulse und Ideen hereinbringt“, erzählt Matthias ­Rakelbusch. Sie ließen den Mitarbeitern ­freien Raum dafür. „Wir haben unsere ­Vorstellungen und Ziele, die sie erreichen sollen. Ihre Ideen können sie gerne umsetzen, wenn das zum Ziel führt.“

In Familienhand bleiben

Neue Wege ergeben sich mitunter über Kontakte in verschiedenen Erfahrungsaustauschgruppen, in denen die Väter, vor allem Friedrich Rakelbusch, sehr aktiv sind. So kam die Übernahme von Harting Mineralöle zustande. Die Kinder von ­Rüdiger Harting wollten, anders als die beiden Rakelbusch-Nachfolger, nicht das Geschäft des Vaters übernehmen. Deshalb suchte er den Kontakt zu Rakelbusch. „Ihm war wichtig, sein Unternehmen in Familienhand zu geben, an Eigentümer, die es genauso führen würden wie er selbst“, erzählt Matthias Rakelbusch. Das haben die beiden ihm versprochen.

Mit der Übernahme von Harting Mineralöle hat sich die Unternehmensgröße verdoppelt – sowohl die Anzahl der Mitarbeiter als auch der Umsatz. Die Harting-Unternehmensgruppe hat 70 Mitarbeiter und sieben Tankstellen. Rakelbusch selbst hat fünf Tankstellen und eine Automatentankstelle auf dem Firmengelände sowie ebenfalls 70 Mitarbeiter. Die zwei jungen Rakelbuschs möchten in Zukunft weiter die Augen offen halten für Möglichkeiten, neue Standorte zu erschließen oder weitere Firmen zu übernehmen. „Aber nie auf Teufel komm raus und nie, dass wir uns übernehmen würden, sondern vorsichtig“, betont Henning Rakelbusch.

Viel Freizeit bleibt bei so ambitionierten Plänen nicht. Als Tankstellenunter­nehmer müssen sie an sieben Tagen in der Woche erreichbar sein. „Wir haben durch die Selbstständigkeit und dadurch, dass wir mit vier Leuten da sind und gute Mitar­beiter haben, Flexibilität“, erklärt Henning ­Rakelbusch. Das sei so bei Unternehmern und allen, die selbstständig sind.
Sie hätten sich ihren Weg in dem Wissen ausgesucht, dass es kein üblicher Job sei, bei dem man um 17 Uhr den Stift fallen lässt. „Wir kennen es gar nicht anders. Wir sind damit aufgewachsen und haben gesehen, wie die Väter von früh bis spät ­unterwegs sind und trotzdem das Privatleben nicht vernachlässigen“, fügt Matthias Rakelbusch hinzu. Vor allem empfinden die beiden ihren Alltag nicht als Arbeit, weil er ihnen Spaß macht.

(Autorin: Julia Richthammer; der Artikel erschien in Sprit+ Ausgabe 4/2019)

 

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