Mittwoch, 21.02.2018
03.11.2017
   

Kolumne

Uschi Horsten-Schmiedel

Kolumnistin Horsten-Schmiedel wirbt für ein besseres Miteinander von Betreibern, Mitarbeitern, Außendienst und Gesellschaft.

Miteinander stärker

Wir sind nicht allein auf der (Arbeits-)Welt. Ist das gut oder schlecht? Es kommt darauf an, ob die Beteiligten miteinander, nebeneinander oder gegeneinander arbeiten.

Viele Menschen sind es, mit denen wir im Berufsleben interagieren – Kunden, Mitarbeiter, Behörden, Lieferanten, Dienstleister, Handwerker, Kollegen, Berater, Vertragspartner und etliche mehr. Oft wollen mehrere gleichzeitig im Mittelpunkt stehen. Sie werden das kennen: Ein Kunde bittet Sie mit einem Extrawunsch auf das Tankfeld, während Sie gerade einen Mitarbeiter in eine Shoparbeit einweisen wollten, doch ein Handwerker will noch schnell etwas wegen einer anstehenden Reparatur klären und das Telefon klingelt, der Bezirksleiter ist dran wegen der aktuellen Aktion ... In dem Moment erscheinen uns die Mitmenschen anstrengend.

Ein anderer Fall ist ein Treffen mit Kollegen. Sie können von Ihrem Tankstellenalltag erzählen und alle verstehen Sie nur allzu gut. Auch wenn viele durcheinandersprechen, tut es gut, unter Gleichgesinnten zu sein. Der Austausch belebt und macht irgendwie leicht ums Herz. Wenn Chef und Mitarbeiter gemeinsam anpacken, geht die Arbeit besser von der Hand und ist auf mehrere Schultern verteilt. Der gemeinsame Alltag mit den gleichen Kunden und wiederkehrenden Aufgaben schweißt das Team zusammen.

Harmonie mit der Zentrale

In meiner Zeit als Tankstellenpächterin hat mich besonders das Spannungsfeld mit den Angestellten der Mineralölgesellschaft umgetrieben. Die Zentrale habe ich meist als gute Unterstützung empfunden. Zwar hat sie uns Pächter mit Informationen über das Kassensystem, das Intranet, das Mailsystem und vor allem mit jeder Menge Material per Post bombardiert. Die großen Pakete mit den Werbemitteln und Plakaten bedeuteten einmal im Monat immer viel Arbeit. Dennoch habe ich alles zeitgerecht und gut umgesetzt, denn die Aktivitäten waren hilfreich und angemessen für das laufende Geschäft. Auch wenn ich häufig von Pächterkollegen gehört habe, sie fühlten sich gegängelt, so haben für mich die Vorteile klar überwogen. Das Tagesgeschäft nahm mich so ein, dass ich um die Vordenker in der Zentrale und die einheitliche Umsetzung an einer Vielzahl von Tankstellen derselben Marke froh war.

Der Kontakt mit dem Außendienst war leider häufig von Unverständnis geprägt. Als Pächterin musste ich zahlreiche Schwierigkeiten aus dem Weg räumen, um die tägliche Betreibung der Tankstelle überhaupt sicherzustellen. Der Ausgleich der personellen Engpässe und die Ausfälle von technischen Geräten kosteten mindestens 50 Prozent meiner Arbeitszeit. Warenfluss, Buchhaltung und Kontrolltätigkeiten nahmen einen weiteren großen Anteil ein. Erst dann war Zeit für zusätzliche Aktionen und Verkaufsförderung. Anders beim Bezirksleiter: Der fokussierte sich auf die nationalen Aktionen plus zusätzlicher Bezirksaktionen plus stationsindividueller Verkaufsanstrengungen …, alle anderen Themen wurden als selbstverständlich vorausgesetzt. So überschnitten sich unsere Hauptanliegen nur geringfügig, was mir noch heute als aufreibend für beide Seiten erscheint. Zusammenarbeit stelle ich mir anders vor.

Mein Rat an die Vermittler zwischen Unternehmen und Betreiber heißt: mehr loben, Situation entspannen, Luft lassen und wissen, dass es im Alltag von Pächtern und Außendienst wenige Themenüberschneidungen gibt. Damit wird die Zusammenarbeit weniger belastend für beide Seiten. Also: Für viele von Ihnen, bei denen jetzt Jahresgespräche anstehen, wünsche ich ein Innehalten und ein Betonen der Gemeinsamkeiten. Es läuft so vieles gut, die wachsenden Anforderungen sollten maßvoll gestellt und miteinander angegangen werden. Wenn beide Parteien gern mitziehen, dann ergibt sich das Miteinander, das sich beide Seiten zu Recht wünschen.

(Autorin: Uschi Horsten-Schmiedel; der Artikel erschien in Sprit+ 10./11.2017.)

 

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