Dienstag, 25.09.2018
07.09.2018
   

Die nächste Generation

Julia und Werner Eberhardt

Seit vier Jahren arbeiten Vater und ­Tochter zusammen, im Januar 2017 machte Werner Eberhardt sie zur Geschäftsführerin.

Mehr als die Tochter vom Chef

Seit vier Jahren arbeitet Julia Eberhardt im Familienunternehmen, dem Mineralölhändler Ernst Eberhardt. Seit Januar 2017 ist sie auch Geschäftsführerin.

Engagiert, lernfreudig, seit Teenager­zeiten mit der Mineralölbranche ver­traut, in der Region rund um Bruchsal verwurzelt und mit einem guten Verhältnis zum Senior und zu den Mitarbeitern: Julia Eberhardt, Juniorchefin des Mineralölhändlers Eberhardt, ist eine Nachfolgerin wie aus dem Bilderbuch. Das liegt zum Teil sicherlich daran, dass ihre Eltern die Tochter ihre Lebensentscheidungen komplett frei treffen ließen, sowohl was die Wahl des Studiums als auch die berufliche Zukunft anging.

Und so studierte die 29-Jährige zu­nächst BWL mit Vertiefung in Marketing und Innovationsmanagement im ­Bachelor und anschließend, weil ihr ­dieses Studium nicht technisch genug war, International Business and Engineering im Master. Schwerpunkt dabei waren erneuerbare Energien. Entsprechend schrieb Eberhardt ihre Abschlussarbeit bei Daimler im B­ereich Wasserstofftechnik.

Seit April 2014 arbeitet sie Vollzeit beim Mineralölhändler. Ein Teil ihres ­Lebens war das Familienunternehmen ­natürlich schon zuvor. Mit 16 Jahren b­egann sie ihre erste Aushilfstätigkeit in der Tankstelle auf dem Betriebsgelände in Bruchsal. Eine gute Schule: „Man sieht so viele unterschiedliche Kunden vor sich und lernt, offen zu kommunizieren und Probleme zu lösen. Selbst wenn es nur k­leine Probleme sind, wie einem Kunden beim Ölstand messen zu helfen.“

Von ­diesen grundsätzlichen Erfahrungen profitiere sie heute noch: „Wenn man die ­Basis versteht, fallen manche Entscheidungen leichter. Ich verstehe meine Shop­leiter, meine Mitarbeiter besser, wenn sie mit Problemen an mich herantreten. Ich sehe besser den Mehrwert, wenn ich mit dem Kassen­system umgehen kann, oder weiß, was hier abends an der Tankstelle los ist.“ Außerdem kenne sie so aus erster Hand, welche Kunden an die Tankstelle kommen, ­welche Neuerungen und neuen Produkte die Zielgruppe ansprechen.

Vertrauensbeweis
Seit Januar 2017 ist Eberhardt auf Wunsch ihres Vaters als Geschäftsführerin ein­getragen. „Das war ein großer Vertrauensbeweis und hat mich sehr gefreut“, erinnert sie sich. Die Zusammenarbeit mit dem Senior ist eng. Zwar habe jeder eigene Projekte, sagt die 29-Jährige, aber sie sprechen sich immer ab, beraten sich gegenseitig, unterstützen sich. „Der Rückhalt ist wichtig. Wenn ich ein Projekt starte, weiß ich genau, ich habe die Unterstützung meines Vaters.“ So profitiert die Juniorin von ­Wissen und Erfahrung des Seniors, der sie oft zu Terminen mitnimmt, um sie vorzustellen und ihr neue Einblicke zu verschaffen. „Er ist mein Mentor“, sagt sie.

Dass manche sie vielleicht als „Toc­hter vom Chef“ abstempeln, macht der Juniorchefin nichts aus. „Das bin ich ja“, sagt sie lachend. Sobald sie eingearbeitet und die direkte Ansprechpartnerin von Kunden, Kollegen und Lieferanten ist, verflüchtigt sich ein solcher Stempel wieder, ist sie überzeugt. „Die Identifikation mit dem ­Beruf ist das Entscheidende. Wie man arbeitet, ob man erfolgreich arbeitet, Durchsetzungsvermögen und auch ein bisschen Mut hat, das zu tun, was man möchte.“ Mit guter Arbeit bekomme man auch die ­Anerkennung von Kollegen und Kunden.

Im Umgang mit den Mitarbeitern setzt Eberhardt vor allem auf einen offenen Umgang und klare Kommunikation. „Ich finde es wichtig, sich im Kern stark zu machen, weiterzuentwickeln und zu strukturieren, um nach außen wachsen zu können. Das funktioniert am besten in ­einem guten Team und wenn man viel miteinander spricht“, betont sie. Die Mitarbeiter wüssten, dass sie jederzeit zu ihr, ihrem Vater oder ihrer Mutter, die Teilzeit im Unternehmen arbeitet, kommen ­können, egal mit welchen Problemen.

Beruf und Privat (nicht) trennen

Eine der zwei jüngeren Schwestern, die Jüngste, studiert gerade Marketing im Master und arbeitet nebenbei schon im Unternehmen mit. Die mittlere Schwester arbeitet in einer anderen Firma, doch Eberhardt kann sich gut vorstellen, dass sie noch einsteigen wird. Dann hätte Vater Eberhardt seine vier Frauen auch in der Firma. „Er sagt immer wieder, er genießt den Mädelshaushalt, ihm macht das Spaß“, erzählt die Juniorchefin.

Schwierig ist nur, nicht in der Freizeit ständig über das Familienunternehmen zu sprechen: „Wenn man zusammen am Tisch sitzt, passiert es natürlich, dass es nur um die Firma geht. Deshalb ist es wichtig, sich auch über andere Themen, zum Beispiel Hobbys, zu unterhalten.“ Der Vater macht Triathlon, die drei Töchter reiten. Da gäbe es genügend andere Themen, bei denen man gut abschweifen könne. Für Eberhardt ist es der optimale Ausgleich, nach der ­Arbeit mit ihrem Pferd Colin an der ­frischen Luft zu sein. Am Wochenende sind die drei Schwestern im Sommer oft gemeinsam auf Reitturnieren unterwegs.

Die 29-Jährige ist nicht nur ein Familienmensch, sondern auch sehr heimat­verbunden. Sie hat immer in Bruchsal ­gelebt und könnte sich nicht vorstellen, länger als ein paar Monate von ihrer Familie getrennt zu sein. An Bruchsal schätzt sie das Ländliche: „Oft gehe ich abends mit einer Freundin laufen. Wir müssen dabei nicht mal reden, es ist so schön am See, wir ­genießen einfach die Ruhe.“

Zukunftspläne

Das nächste große Projekt ist der Umbau des Shops an der Tankstelle in Bruchsal. Er wurde 1992 gebaut und seither nicht verändert. „Es gibt ja gerade ein Um­denken, was die Shops angeht. Wir müssen die Kunden nicht nur durch die Kraftsto­ffe zu uns ziehen, sondern auch durch ein ­Frischeangebot“, beschreibt Eberhardt die Pläne. Ziel ist, das To-go-Geschäft auszubauen, den Kunden frische Produkte wie Smoothies, Salate oder belegte Brötchen anzubieten. Dann haben die Kunden das komplette Angebot in Bruchsal: tanken, waschen und mit einem Snack geht die Reise weiter.

Wo die Firma und die Branche in 20 Jahren stehen werden, ist für Eberhardt wohl auch aufgrund ihres Ausbildungshintergrundes besonders spannend. „Mal sehen, ob wir vielleicht irgendwann mal eine Wasserstofftankstelle auf dem Grundstück stehen haben. Oder werden es doch die E-Fuels oder die Elektrosäulen?“ Sie persönlich vermutet, es wird ein Mix aus allen drei Möglichkeiten, die zu den konventionellen Kraftstoffen dazukommen. „Man braucht immer Veränderungen ­im Unternehmen, um sich anpassen zu ­können und um konkurrenz- und geschäftsfähig zu bleiben“, sagt die Juniorchefin. Da scheinen die Eberhardts auf ­einem guten Weg zu sein.

(Autorin: Julia Richthammer; der Artikel erschien in Sprit+ Ausgabe 9/2018)

 

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