Mittwoch, 21.02.2018
07.02.2018
   

Care-Diesel

Care-Diesel

Freuen sich über den neuen Diesel (v. l.): Felta-Chef Marcus Feldhaus, Torsten Bunge (Großhandel Nabuko Bio), Claas Denkmann vom Care-Diesel-Hersteller Tool Fuel und Stationsleiterin Marisa Daut.

Bio-Diesel der zweiten Generation

Der kleine Bruder der E-Fuels ist in der Familie der synthetischen Kraftstoffe jetzt schon wettbewerbsfähig: Der aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellte Care-Diesel der Firma Tool Fuel hat den Geschäftsführer der Tankstellenkette Felta, Marcus Feldhaus, überzeugt.

Eine Aneinanderreihung von Zufällen einerseits und guten Argumenten anderseits hat dazu geführt, dass Marcus Feldhaus, Geschäftsführer des Tankstellenbetreibers Felta, an seiner Station im niedersächsischen Uelzen seit Ende November Care-Diesel verkauft. Care-Diesel wird wie E-Fuels aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen, genauer gesagt aus tierischen und pflanzlichen Abfallfetten aus der Nahrungsmittelverarbeitung. Das weiß Feldhaus und wüsste es wohl nicht, hätte sich Torsten Bunge nicht dazu entschlossen, einen Bootsführerschein zu machen.

Bunge ist Geschäftsführer des Bioprodukte-Großhändlers Nabuko Bio. Seine kleine Fahrzeugflotte beliefert die Großküchen von Schulen und Altenheime mit ökologisch produziertem Obst, Fleisch und Gemüse. In seiner Freizeit zieht es Bunge offenbar aufs Meer hinaus, was ihn veranlasste einen Bootsführerschein im Hambuger Hafen zu machen. Und diese Anekdote ist deshalb wichtig, weil er dort an einer Bootstankstelle erstmals Bekanntschaft mit einem speziellen Diesel machte. Der sogenannte Care-Diesel der Firma Tool Fuel wird dort aufgrund seiner langen Lagereigenschaften in der Schifffahrt schon länger eingesetzt.

Es war nicht die längere Lagerbarkeit, die Bunge faszinierte, sondern andere Eigenschaften, allen voran, dass der Kraftstoff biologisch hergestellt wird. Bei einem Bio-Großhandel liegt so etwas in der Natur der Sache.

Deutlich weniger Emissionen

Also stellte Bunge zurück am Firmensitz dem Betreiber seiner Stammtankstelle, einem gewissen Marcus Feldhaus, die Vorteile von Care-Diesel vor: Laut Hersteller senkt der Spezialdiesel die CO2-Belastung gegenüber herkömmlichem Diesel um 60 bis 90 Prozent, er verbrennt sauberer, wodurch sich weniger Rauch und Ruß sowie kein Geruch entwickelt, und er ist bis minus 22 Grad Celsius voll funktionsfähig und resistent gegen bakteriellen Befall, der im Branchen als Dieselpest bezeichnet wird. Auch emittieren mit ihm weniger Stickoxide, Feinstaub und Treibhausgas.

So gut die Argumente in den Ohren von Feldhaus geklungen haben mögen, hätte er sich schwerlich auf das Experiment eingelassen, einen neuen Kraftstoff einzuführen für den Fuhrpark eines Kunden, der gerade einmal neun Fahrzeuge umfasste, worunter zwei 15-Tonner und drei 7,5-Tonner noch die absatzstärkeren Fahrzeuge sind. „Jedoch“, erzählt Feldhaus, „hatten wir noch einen Tank, in dem wir früher zunächst E50, dann E85 und zuletzt einen Power-Diesel gelagert haben.“ Weil dessen Absatz jedoch marginal war, entschied sich Feldhaus für das Experiment – auch „weil wir von der Felta schon immer früh dabei waren, wenn es um alternative Kraftstoffe geht“. Damals, als der Biodiesel der ersten Generation eingeführt wurde, zum Beispiel.

Jedoch habe der durchsichtige Care-Diesel nicht mehr viel mit dem Bio-Diesel zu tun, erklärt Claas Denkmann, Marketing-Manager beim Hersteller Firma Tool Fuel, außer dass er dessen positive Eigenschaften innehabe, ohne dass der Betreiber dessen Nachteile ertragen müsste. Felta-Geschäftsführer Feldhaus erinnert sich noch mit Grausen ab den „zugegebenermaßen recht aggressiven Kraftstoff“, der Beton auflöste und die Farbe vom Tank veränderte.  Die Grundsubstanz des vom weltweit führenden Anbieter Neste Oil entwickelten Raffinerieverfahrens heißt HVO (Hydrotreated Vegetable Oil). „Dieses Produkt befindet sich auch in zehn bis zwölfprozentiger Beimischung von Premium-Kraftstoffen von beispielsweise Aral und Shell. Nur dadurch können sie die Versprechen, die Kraftstoffeffizienz zu verbessern, einhalten. Wir aber verkaufen das Produkt in Reinform“, erläutert Denkmann.

Nachfrage noch sehr gering

Inzwischen beliefert Tool Fuel elf Tankstellen in Deutschland, in diesem Jahr kommen fünf bis sieben hinzu, hofft Denkmann. „Völlig klar ist, dass wir aktuell auf bestehende Stationen angewiesen sind“, meint er. Keiner baue sich einen weiteren Tank ein, nur für den Care-Diesel. Obwohl sich dessen Eigenschaften schon sehen lassen können: Bei einem begleiteten Flottentest habe man fünf bis acht Prozent Kraftstoffeinsparungen messen können, ein Kunde habe gar Einsparungen von zehn Prozent gemessen. So lassen sich die Mehrkosten von 13 Cent pro Liter zumindest teilweise kompensieren.

Für eine genaue Auswertung will Kunde Bunge noch etwas Zeit vergehen lassen, jedoch könne er festhalten, dass jedes seiner Fahrzeuge, egal wie alt oder neu, den Care-Diesel gut vertrage, die Motoren würden ruhiger laufen und rund 40 Prozent weniger Adblue für die Abgasnachbehandlung brauchen. Und wenn mal keine Tankstelle in der Nähe ist, die den Spezial-Diesel führt, könne man gewöhnlichen Diesel beimischen, die Verträglichkeit ist gut.

„Noch ist der Care-Diesel ein Nischenprodukt für nachhaltig agierende Unternehmen“, fasst Tool-Fuel-Mann Denkmann zusammen. Aber er erachtet das Potenzial des Bio-Diesels der zweiten Generation als groß – zumindest als Brückentechnologie. Denn so könnte die Klimabelastung ohne großen Aufwand stark nach unten gebracht werden. Das sehen im Übrigen die Flughafenbetreiber in Stuttgart und Hamburg auch so, die ihre Bodenfahrzeuge mit diesem Kraftstoff betanken.

(Autor: Michael Simon; der Artikel erschien in kürzerer Fassung in Sprit+ 1./2.2018)

 

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