Freitag, 26.05.2017
14.03.2017
   
Autowachse
Wirkung von Sonderwachses auf Polymerbasis

Funktionierender Lackschutz ist an der Tropfenbildung erkennbar (l.). Ohne Schutz (r.) bleiben Wasser und Schmutz haften.

Glanzvolle Umsätze

Sonderwachse auf Polymerbasis sind auf dem Vormarsch. Sie sind zwar teurer, bieten aber in vielerlei Hinsicht einen deutlichen Mehrwert für Betreiber und Kunden.

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Der Werterhalt des eigenen Autos spielt für den Besitzer eine immer größere Rolle. Denn steigende Kosten für Anschaffung und Unterhalt lassen beim Autofahrer die Erkenntnis wachsen, dass regelmäßige Pflege den Wiederverkaufswert beziehungsweise bei Leasingrückläufern den Restwert erhöht. Insbesondere der Lackzustand prägt dabei den ersten Eindruck.

Wurden früher lang anhaltender ­Lackschutz und Tiefenglanz nur mit mühsamer und zeitaufwändiger Handarbeit erzielt, reicht heute die Fahrt durch die Waschanlage, sofern sie über eine Sonder­wachseinrichtung verfügt. Herkömmliche Heiß- oder Schaumwachsprogramme können da nicht mithalten, sie bringen nur kurzzeitigen Erfolg. Moderne Polymerwachse verfügen darüber hinaus über Eigenschaften, die mit einfachen Wachsprodukten nicht zu erzielen sind und bieten vielfältige Vorteile für Betreiber und Kunden.

Anhängliche Polymere

Sonderwachse mit Polymertechnologie unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von herkömmlichen Heiß- oder Schaumwachsen, die auf Naturwachsen basieren. So breiten sich die Wachsmoleküle beim Auftrag ungleichmäßig aus, während sich die Polymerprodukte besser in der Lösung und somit gleichmäßig auf dem Lack verteilen. Auch wenn das nur unter dem Mikroskop ersichtlich ist, bildet die gleichmäßige Verteilung die Basis für ein sicht- und fühlbar besseres Ergebnis.

Wachsmoleküle haften außerdem nur punktuell am Lack, wohingegen Poly­merprodukte sich mit ihren langen Molekülketten regelrecht am Lack festkrallen und so länger hängen bleiben. Zusätzlich härten die Polymere wie ein Kunststoff aus, während Wachse weich und flexibel ­bleiben und damit durch Witterungseinflüsse schneller abgelöst werden.

Ein weiterer Vorteil: Die Polymerbestandteile geben Oberflächen antistatische und hydrophobe Eigenschaften. Dies äußert sich zum einen durch eine erschwerte Wiederanschmutzung, zum anderen kann ein schneller Wassertropfenablauf beobachtet werden. Die Wassertropfen können gleichzeitig beim Ablauf Staub von der Oberfläche spülen. Autofahrer profitieren somit nicht nur von einem lang anhaltenden Glanz, sondern vor allem durch einen deutlich höheren Lackschutz und damit Werterhalt ihres Autos.

Kratzer werden unsichtbar

Der eigentliche Clou der Sonderwachse liegt aber im sogenannten Repaireffekt. Einmassiert durch die Waschbürsten, füllen die Sonderwachse kleine ­Kratzer in der Lackoberfläche auf. Mit jedem Waschgang mit Sonderwachsprogramm ­werden Vertie­fungen weiter ausgeglichen bis eine glatte Oberfläche entsteht. Da sich das Licht nicht mehr in den Vertiefungen brechen kann, werden die Kratzer ­unsichtbar und es entsteht ein deutlicher Tiefenglanz. Dieser Effekt ist bereits nach der ersten Anwendung erkennbar und für den Kunden fühlbar, denn die Lackober­fläche wird spürbar glatter. Außerdem wird der Kunde ein besseres Trocknungsergebnis feststellen, da die Lackoberfläche hydrophob, also Wasser abstoßend, wird.

Betreibervorteile

Auch Betreiber profitieren von dem sichtbaren Erfolg, ist das Ergebnis doch die beste Werbung. Allerdings steht davor Aufklärungsarbeit, denn der höhere Preis und die ­Wirkungsweise müssen erst erklärt werden: Die Sonderwachse sind meist in die hochpreisigen Premiumwäschen integriert, weil teure Rohstoffe und aufwändige Mischungsverfahren zu höheren Produktkosten führen, teilweise müssen bestehende Anlagen mit speziellen Sprüheinrichtungen ausgestattet werden. Demgegenüber stehen ein geringerer Verbrauch an Polymerprodukten im Vergleich zu herkömmlichen Wachsprodukten sowie höhere erzielbare Durchschnittspreise.

Ebenfalls in den Fokus der Hersteller gerückt sind die Waschzeiten. Als Sonax vor über einem Jahrzehnt mit den ­Formel+ und Formel21-Programmen auf Basis natürlicher Carnaubawachse die ersten Markenpflegeprogramme in die Waschanlagen brachte, waren Durchlaufzeiten von etwa 15 Minuten angesagt, weil zunächst gereinigt, zwischengetrocknet und anschließend konserviert wurde. Heute können die Polymerprodukte „Nass in Nass“ in einem Überlauf aufgetragen und einmassiert werden. Die kürzeren Waschzeiten sorgen für mehr Durchsatz und weniger Abwanderungen in Stoßzeiten.

Weiterer Vorteil für den Betreiber: Im Gegensatz zu herkömmlichen Wachsprodukten lagern sich die Polymerprodukte nicht im Waschmaterial, insbesondere in Textilbürsten, ab, sie müssen entsprechend seltener gereinigt werden. In Waschstraßen, wo die Polymertechnologie häufig in der Trocknungshilfe oder im Konservierer zum Einsatz kommt und über den Wachsbogen aufgetragen wird, sollte man allerdings eine zu hohe Dosierung vermeiden, die zwar den antistatischen und Abperleffekt verlängert, aber schnell zu einer Überfettung führen kann. Dann werden nicht nur die Lack- und Glasoberflächen schmierig, sondern auch die häufig eingesetzten Tuchtrockner verunreinigt.

Produktreihen ausgebaut

Im letzten Jahr stellte Sonax sein Politurprogramm von natürlichen Carnaubawachsen auf Polymerprodukte um. ­Neben dem Basisprodukt Sonax Molecular gibt es für Anlagen mit zusätzlicher Dosiereinheit das Programm Molecular+ mit Intelliwash. Diese patentierte Technologie sorgt dafür, dass die Pflegeschicht nur auf Lack und Kunststoff haftet, nicht aber auf Glas, so dass kein Schmierfilm auftritt.

Auwa, die Chemiemarke von Washtec, hat seine Glanzpolitur Shinetecs weiterentwickelt und zusätzlich wasserabweisende Komponenten und Duft integriert. Shine­tecs ist für Portalanlagen, Waschstraßen und an SB-Plätzen einsetzbar. Auch das Sonderwachs Protect Shine von Christ ist für Waschanlagen oder SB-Plätze geeignet. Alternativ bietet Christ im Bereich der Sprühwachse das Alpine Wax, das als Schaum- oder als Sprühwachs warm oder kalt aufgetragen werden kann.

Mit dem Acrylkonservierer Protect & Dry sowie der Polymerpflege Acrylprotect forte bietet Dr. Stöcker zwei Produkte mit Repaireffekt, die nicht einpoliert werden müssen und so die Durchlaufzeiten kurz halten. Das Perlwachs forte ist ein konventionelles Heiß- oder Kaltwachs, das insbesondere unabhängig von der Wasserhärte funktioniert. Auch Kärcher bezieht die Wasserhärte ein und hat mit dem Superperlwachs RM 824 eine Trocknungshilfe für mittelhartes bis hartes Wasser, RM 829 ist eher für weiches und Osmosewasser geeignet. Polish Plus, Glanztrockner Nano und Schaumpolish Plus sind weitere Langzeitkonservierer aus dem Programm.

Caramba setzt in der Premiumpflege-Serie Defensa auf drei Produkte: Wax Protection, Fresh Sensation und Dry Solution. Koch Chemie zeigte im letzten Jahr erstmals das Protectorwax, das neben Lackschutz und Glanz Schutz für Cabriodächer bietet.

(Autor: Dieter Väthröder; Der Artikel erschien in Sprit+ Ausgabe 3/2017.)

 

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